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Neues Werk: Nach ?Briefe aus der Deportation? hat Pierre Dietz ein Buch von Paul Le Goupil übersetzt, so dass der Schrecken dieser Zeit auch für junge Menschen begreifbar wird. FOTO: RAINER BEUTEL

Autor Pierre Dietz

„Ich will den Lesern die Realität nahe bringen“

Pierre Dietz hat das Werk von Paul Le Goupil, „Briefe aus der Deportation“, aufgearbeitet und übersetzt. Er macht das Grauen der NS-Zeit anschaulich.

Von RAINER BEUTEL

Die Arbeiten des in Nauheim lebenden Autors Pierre Dietz, der sich zuletzt schriftstellerisch mit der Deportation seines Großvaters in der Nazizeit befasst hatte, werden mit einem von ihm übersetzten Buch um eine erschütternde Geschichte erweitert.

Dietz hat sich dem Franzosen Paul Le Goupil gewidmet. Der heute 92 Jahre alte Mann, den der Nauheimer bei seinen Recherchen zu „Briefe aus der Deportation“ kennen gelernt hat, gehörte der französischen Resistance an. Er wurde verhaftet, gefoltert, nach Auschwitz deportiert und überlebte schließlich den Todesmarsch, bei dem die SS willkürlich erschoss, wer nicht mehr konnte.

Bei dem über 420 Seiten fassenden Buch „Resistance und Todesmarsch“ setzte Dietz den Anspruch um, Zusammenhänge aus einem der hässlichsten Kapitel der jüngeren Menschheitsgeschichte für Jüngere begreifbar zu machen. Beinahe liest sich das Werk, das für Jugendliche von 15 Jahren an empfohlen wird und sich für den Schulunterricht geradezu aufdrängt, wie ein Roman.

Doch nichts davon ist Fiktion. Weder die Beschreibungen, wie Ich-Erzähler Paul Le Goupil nach seiner Verhaftung zusammengeschlagen wird, noch die Schilderungen, die sich auf die menschenverachtenden Zustände in den Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis beziehen. Paul Le Goupil schätzt Dietz bisherige Arbeit und bat ihn, sein Buch ins Deutsche zu übertragen. Dietz kam sein berufliches Hauptbetätigungsfeld als Grafiker und Designer zugute, das es ihm erlaubte, Zeitdokumente aufzuarbeiten, auf alten Fotos Details kenntlich zu machen und mit digitalen Konstruktionen einen Blick auf Lager und Zellen zu geben, die nicht mehr existieren. All das macht die Lektüre anschaulich, aber emotional nicht angenehmer. Sie wird von Illustrationen von Pierre Mania ergänzt. Nach vielen emotional belastenden Schilderungen kommt das Kapitel „Der Todesmarsch“. „Ich will den Lesern die Realität nahe bringen“, erklärt Dietz.

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