Lutherweg an der Königstädter Kirche

Illustrator Bengt Fosshag hat ein Andenken für Pilger geschaffen

Pilger kommen auf dem Lutherweg an der Königstädter Kirche vorbei. Ab jetzt können sie sich ein Andenken an ihre Tour in ihr Büchlein stempeln lassen.

Er ist vielleicht nicht ganz so berühmt wie der Jakobsweg, auf dem Hape Kerkeling vor einigen Jahren zur Besinnung fand – doch auch der Lutherweg lockt jährlich zahlreiche Pilgerer aus aller Welt für eine erbauliche Wanderung an. Aus gutem Grund: Vor rund 500 Jahren lief Reformer Martin Luther in Worms los, um die Wartburg bei Eisenach zu erreichen. Über 400 Kilometer erstreckt sich der Weg, den Luther läuft. Er führt entlang schöner Aussichtspunkte, durch die Wetterau und den Seulingswald, schließlich auch über die Werra.

Am schönsten, sagt so mancher Pilger, ist jedoch der Zwischenstopp in Königstädten, an der evangelischen Kirche. So ist verbürgt, dass Luther im Jahr 1521 an der Kirche vorbei wanderte. Zeitgenössische Pilger aus aller Welt machen es ihm heute noch nach und klopfen regelmäßig an die Türen des Königstädter Gotteshaus, um mal zu gucken, was da drin so los ist.

Das hat die findige Gemeinde nun auf eine Idee gebracht: Warum nicht einen Stempel entwerfen, den die Pilger als Nachweis und Erinnerung in ein Büchlein gedrückt bekommen? Eine Bestätigung für die Strapazen und vielleicht auch die Erleuchtung? Der Stempel jedenfalls solle in der Kirche für die Pilger ausliegen, um sich ein Andenken an die Wanderung zu sichern.

Niemand anderes als der Rüsselsheimer Illustrator und Grafikdesigner Bengt Fosshag kam für die Ausgestaltung des Stempels in Frage, das war Pfarrer Thomas Siegenthaler klar. „Er hat mich einfach angesprochen, und ich habe nicht lange überlegt“, sagt Fosshag. Zwar habe er mit Religion und Kirche nicht so viel am Hut, aber die Idee gefiel dem Künstler. „Es war für mich eine neue Sache, die wollte ich gerne ausprobieren.“ Und so ließ der 76-jährige Illustrator Ideen in seinem Kopf reifen, guckte sich ein bisschen um, was andere Künstler für ähnliche Zwecke entworfen hatten. „Es ging ja darum, möglichst viel auf einem ziemlich kleinen Platz unterzubringen, und das auch noch sehr deutlich.“ Doch durfte der Stempel nicht überfrachtet werden, das Wesentliche sollte erkennbar sein. Ganz schön kompliziert. „Das ist etwas ganz anderes, als wenn man etwas auf einem großen Plakat anlegt.“

Zur Inspiration knöpfte sich Fosshag das berühmteste aller Luther-Bilder vor, das Portrait von Lucas Cranach dem Älteren von 1528. So zeichnete der Rüsselsheimer Illustrator ein bisschen, brachte die Kirche und den Wanderweg ins Bild. „Keine Ahnung, wie lange ich an dem Stempel gearbeitet habe“, sagt Fosshag. „Das ist so im Nachhinein ja immer ein bisschen schwierig nachzuvollziehen.“

Jedenfalls: Irgendwann war der Stempel fertig, und Pfarrer Siegenthaler begeistert. So wurde der Stempel nun realisiert, doch noch mehr: Ab Montag hängt an der Königstädter Kirche ein Emailleschild, das eben das Motiv des Stempels zeigt, das sich die Pilger in ihr Büchlein drücken können.

„Ich habe mich gefreut, für diesen Auftrag angesprochen worden zu sein“, sagt Fosshag. Er habe das aus Spenden finanzierte Werk ehrenamtlich hergestellt, die Kosten für die Produktion kenne er nicht. „Aber das ist ja eigentlich auch nicht so wichtig“, sagt er.

Was jedoch wichtig ist: Am Montag, 17 Uhr, wird in das Emailleschild an einer Wand der Kirche in einer Feierstunde enthüllt. Es wird einige Reden geben, und auch Sekt. „Ich bin natürlich auch vor Ort“, sagt Fosshag.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare