Der "Wintergarten-Danceclub" schließt nach mehr als vier Jahrzehnten seine Türen. Foto: Dorothea ittmann
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Der "Wintergarten-Danceclub" schließt nach mehr als vier Jahrzehnten seine Türen.

Nachtleben

Im "Danceclub" geht die Musik aus

  • Dorothea Ittmann
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Eine Institution schließt nun für immer: Der Vermieter will den "Wintergarten" aber als Veranstaltungsort erhalten. Interessenten gibt es bereits.

Rüsselsheim -Die Stadt Rüsselsheim wird um einen Tanzclub ärmer. Ende April teilte Geschäftsführerin Ilona Ackerman ihren Gästen auf Facebook mit, dass sie den "Wintergarten-Danceclub" im Dicken Busch schließen wird. "Leider sind wir in der momentanen Situation nicht in der Lage, den Wintergarten weiter zu führen." Damit sind die Corona-Pandemie und die strengen Verordnungen zur Kontaktbeschränkung gemeint, die Ilona Ackerman schließlich dazu zwangen, den Mietvertrag aufzulösen, wie sie sagt.

Dass der "Wintergarten" schließen muss, hatte sich schon vor einem Dreivierteljahr angebahnt. Daran konnte auch die Solidarität und Unterstützung der Gäste nichts ändern. Nun bleibt Ilona Ackerman, die das Tanzlokal seit 14 Jahren betreibt, nur eines - Abschied nehmen: "Es ist für uns ein trauriger Abschied, da wir euch als unsere Gäste sehr geschätzt haben. Unsere Crowd ist zu einer kleinen Wintergarten-Familie zusammengewachsen", blickt sie auf bewegte Jahre zurück.

Familiäre Atmosphäre

Dem Club ist Ilona Ackerman wesentlich länger verbunden. Bevor sie den "Wintergarten" 2007 von den damaligen Betreibern Ingrid und Heiko Henss übernahm, hatte sie dort bereits seit 1988 gearbeitet. Sie habe die familiäre Atmosphäre des Clubs geschätzt. "Man hat sich dort wohlgefühlt", so Ackerman.

Wenn es nach Ilona Ackerman und Eigentümer Dieter Windorf geht, soll die seit 1978 bestehende Tanzlokalität als eine Adresse für gute Musik und anregende Gespräche erhalten bleiben. "Den ,Wintergarten' kenne ich aus meiner eigenen Jugend", sagt Dieter Windorf.

"Es liegt mir viel daran, dass der Club erhalten bleibt." Ideen für eine Wiedereröffnung als kulturelle Einrichtung gebe es viele. Der SPD-Ortsverein regte jüngst bei einem Treffen mit Windorf eine Kooperation mit der Stadt Rüsselsheim und dem Eigenbetrieb Kultur 123 an. Lesungen seien denkbar, schlug Rania Daoudi von der SPD vor.

All zu zahm soll es auf den drei Ebenen mit Tanzflächen, Club-Lounge und Raucherbereich aber nicht zugehen. Daniel Ackerman spielt mit dem Gedanken, zweimal im Jahr die Freunde des "Wintergarten-Danceclub" bei einer Old-School-Revival-Party zusammenzubringen, wie er auf Facebook schreibt. Zu den Freunden zählten nicht nur treue Rüsselsheimer. Auch Stammkundschaft aus der Region und internationales Klientel tanzten gerne zu den Hip-Hop-Beats von DJ Al Green und DJ Superjam ab. Beliebt waren die 80er- und 90er-Jahre-Partys, bei denen die über 40-jährigen Gäste auf ihre Kosten kamen. "Ich habe mich bei euch wieder wie 18 gefühlt", schreibt eine Stammkundin.

Interessenten

gibt es bereits

Florian Haupt, der "Das Rind" in der Rüsselsheimer Innenstadt betreibt, hat sich ebenfalls im Tanzclub im Dicken Busch umgesehen. Als klassische 80er- und 90er-Jahre-Discothek entspreche der "Wintergarten" nicht dem Klientel des "Rind", so Haupts Einschätzung nach dem Besuch. "Wir haben ein komplett anderes Programm."

Das "Rind" bietet Musikern des Rock, Pop und Jazz sowie Comedians und Kabarettisten eine Bühne. Dennoch könne er sich vorstellen, das Tanzlokal für die ein oder andere Veranstaltung zu mieten. Konkurrenz fürchtet Florian Haupt nicht. "Der Club muss unbedingt erhalten bleiben", betont er.

Findet sich ein Pächter, könnte der "Wintergarten" weiterhin für Privatfeiern vermietet werden, so Windorf. "Ich habe meine Fühler ausgestreckt." Interessenten gebe es bereits, deutet der Eigentümer an. Wie es auch immer mit dem Tanzclub weitergehen wird, Dieter Windorf ist sich sicher, dass der "Wintergarten" wieder zu neuem Leben erwachen wird, sobald die Pandemie überstanden ist. Schließlich gebe es nur noch wenige Orte zum Ausgehen und Feiern in Rüsselsheim. dit

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