Setzt sich für das Image seines Berufsstandes ein: der Bauschheimer Heilpraktiker Christian Petersen. FOTO: Stella Lorenz
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Setzt sich für das Image seines Berufsstandes ein: der Bauschheimer Heilpraktiker Christian Petersen.

Gesundheit

Im Einsatz gegen Vorurteile

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Klassische Schulmedizin und Naturheilkunde können seiner Meinung nach Hand in Hand gehen: Der Bauschheimer Heilpraktiker Christian Petersen macht sich für seine Zunft stark.

Bauschheim -Ohne Vorurteile und mit mehr Offenheit wäre die Welt ein besserer Ort. Davon ist Christian Petersen überzeugt. Und er muss es wissen: Als junger Heilpraktiker mit einem schulmedizinischen Ausbildungshintergrund kennt er all die oftmals verzerrten Bilder, die viele Menschen von Ausübenden seiner Zunft haben - und setzt sich dafür ein, den eigentlichen Stellenwert der Heilpraktiker sichtbar zu machen.

Nach dem Abitur an der Rüsselsheimer Immanuel-Kant-Schule studiert er Zahnmedizin in Frankfurt. Drei Jahre später steht für ihn fest: Medizin ist interessant, aber "das Handwerkliche gibt mir nicht genug. Mir hat einfach das Feinfühlige im Studium gefehlt."

Die Entscheidung für die dreijährige Heilpraktikerausbildung in Hamburg erweist sich als goldrichtig und alles andere als bequem: "Die Prüfung ist knallschwer", sagt er. Petersen spezialisiert sich auf Hormone, Darm- und Hautproblematiken, eröffnet 2019 seine eigene Praxis in Hamburg und kehrt 2020 aus familiären Gründen in die Heimat zurück. Neben seiner Haupttätigkeit ist er als Dozent in Hamburg und Hochheim tätig, außerdem arbeitet er als Heilpraktiker in einer Einrichtung für psychisch Kranke und behinderte Menschen.

Dankbar für die Schulmedizin

In seiner Naturheilpraxis im Karolingerring 47 in Bauschheim fühlt er sich angekommen und macht sich auch hier für einen Paradigmenwechsel stark. "Heilpraktiker stehen zu Unrecht in der Ecke. Natürlich gibt es Quacksalber, die ihre Kompetenz überschreiten. Aber ich wünsche mir eine andere Differenziertheit."

Der Schulmedizin ist er dankbar und sieht sie als notwendige Unterstützung. "Ich kann vielleicht nicht immer heilen, aber in vielem begleiten. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die klassische Medizin und die Naturheilkunde Hand in Hand gehen können."

Besser funktionieren könnte das, indem beide Fraktionen mehr ins Gespräch gingen, "zum Beispiel bei Symposien", schlägt Petersen vor. "Wir müssen die Angst nehmen, Vorurteile abbauen und die Arroganz auf beiden Seiten herunterfahren: Der Heilpraktiker ist nicht der ungebildete Nichtskönner, und der Schulmediziner ist nicht der reine Tablettenverschreiber."

Gerade die jüngere Heilpraktiker-Generation habe einen anderen Anspruch - nicht zuletzt, weil sich auch die gesellschaftliche Haltung verändert. Naturheilkunde trifft einen Nerv: Das eigene Wohlbefinden steht mehr denn je im Fokus, Verbundenheit zur Natur und zu sich selbst rücken mehr in den Vordergrund. "Es hat schon fast Lifestyle-artige Züge", findet Petersen.

Kritik am Gesundheitssystem

Für ihn zeigt das Interesse an Naturheilkunde, wie viel im deutschen Gesundheitssystem im Argen liegt. Dort drifte alles auseinander: Einerseits sei der Einklang von Körper, Geist und Seele gerade im immer beschleunigteren Alltag wichtiger als je zuvor, andererseits könnten sich viele Ärzte immer weniger Zeit für ihre Patienten nehmen.

"Das ist mir an meinem Beruf mit das Wichtigste: die Begegnungen mit den Menschen", sagt Christian Petersen. "Ich kann Menschen jedes Hintergrundes helfen, bin aber in erster Instanz mit einem offenen Ohr zur Stelle." Zuhören, beobachten, Feingefühl zeigen und vor allem die Patienten ganzheitlich zu sehen, das liegt Petersen am Herzen. "Den Patienten zu zeigen, sie werden gehört und ernst genommen, ist unheimlich wichtig", so der 30-jährige Bauschheimer.

"Ich sehe mich dabei in der Rolle des Übersetzers", sagt er. Das beginnt schon dabei, wie Petersen spricht: bildlich und lebendig. So wird die Schilddrüse zur Finanzministerin des Körpers, die statt Geld Energie verteilt, oder der Darm - "mein Lieblingsorgan!" - zum Ordnungsliebhaber.

Petersen will den Dingen auf den Grund gehen, Symptombekämpfung ist ihm zu wenig. "Es bringt nichts, die Distel auf dem Acker zu kappen. Wenn nichts an der Bodenzusammensetzung verändert wird, kommen die Disteln immer wieder." Das Thema Verständnis sei ihm extrem wichtig, betont Petersen. "Ich will Hilfe zur Selbsthilfe geben, Anreize und Inspiration schaffen."

Zur Wahrheit gehöre natürlich dazu, dass dies nicht immer bei jedem direkt funktioniert. "Dann bin ich in dem Fall möglicherweise nicht der Richtige", sagt er ehrlich. Aber - und auch hier räumt er mit einem Vorurteil auf - naturheilkundliche Erfolge hätten nichts damit zu tun, "nur daran zu glauben". Das sei Quatsch, "mit Glauben hat das nichts zu tun", sagt Petersen. "Naturheilkunde darf und muss ernst genommen werden." Stella Lorenz

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