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Michel Friedman (links) moderiert das Gespräch mit Michael Boddenberg und dem per Video zugeschalteten Gesundheitsminister Jens Spahn.

Handwerk

Im Gespräch mit Spahn per Video

  • Angelika Ohliger
    vonAngelika Ohliger
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Ein Termin in heiklen Zeiten: Die Handwerkskammer hatte Jens Spahn nach Rüsselsheim zu einem Talk-Abend eingeladen. Der Minister kam aber nicht persönlich.

Rüsselsheim – "Hallo, Herr Spahn!" Die Teilnehmer der Veranstaltung "Handwerk trifft . . ." im Hotel Höll am Main drehen sich suchend um, doch es war der Techniker, der den Bundesgesundheitsminister auf dem Bildschirm begrüßt. Spahn ist dem Gesprächsabend der Handwerkskammer Rhein-Main-Frankfurt per Video aus Berlin zugeschaltet.

Seine persönliche Absage sei sehr kurzfristig gekommen, sagt eine Sprecherin der Handwerkskammer. Es ist in diesen Tagen für einen Bundesminister nicht einfach, Termine außerhalb der Landeshauptstadt wahrzunehmen - zumal an diesem Abend sicher die Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch vorbereitet werden musste.

Moderator Michel Friedman und der spontan eingesprungene hessische Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) machen das Beste draus. Friedman bezieht Spahn stets ins Gespräch ein, der Minister lässt auch mit Gesten und Mimik erkennen, dass er das Geschehen im entfernten Rüsselsheimer Hotel gut mitverfolgen kann.

Mittelstand meldet sich zu Wort

"Der Mittelstand muss sich auch in der Krise zu Wort melden", sagt Bernd Ehinger in seiner Begrüßung der rund 60 Zuhörer. "Eigentlich wollten wir über das Thema Freiheit sprechen, doch tatsächlich wird es ein Gesprächsabend über Corona."

Und so kommt es auch. Nahezu alle Themen in diesem Zusammenhang werden angesprochen. Wer Nachrichten und Talk-Sendungen im Fernsehen verfolgt, kennt die Argumente.

"Das Virus ist der Spielverderber, nicht wir", sagt Spahn, "Wir haben durch Verzicht Freiheit und Gesundheit gewonnen." Ihm sei allerdings sehr bewusst, dass sich Unternehmen und Menschen in Kurzarbeit existenzielle Fragen stellen.

Draußen vor dem Hotel werden lauthals Parolen gerufen. Es sind Teilnehmer einer Kundgebung, die ihren Protest gegen "Panikmache der Politiker" in der Corona-Krise formulieren. Rund 80 Teilnehmer hatten am Spätnachmittag mit ihrer Kundgebung gegen Corona-Regeln begonnen, am Abend ziehen 15 von ihnen zu einer laut Polizei angemeldeten Spontandemonstration vors Hotel, in dem sie den Gesundheitsminister vermuten. Der Inhalt ihrer Parolen ist durch die Fenster nicht zu verstehen, Spahn bekommt davon gar nichts mit. Nach gut einer halben Stunde verstummen die Rufe. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass der Minister nicht da ist.

Drinnen geht es derweil um den Mund-Nasen-Schutz. "Maske tragen ist auch für mich etwas Nerviges", gibt Spahn zu, doch er trage sie zuallererst, um andere zu schützen.

Position des Landes Hessen

Das tun auch die Zuhörer, die in gebotenem Abstand zueinander sitzen und die Maske nur am Platz abnehmen. Deshalb ist schwer zu erkennen, welche Politiker, Vertreter aus Handwerk und öffentlichem Leben anwesend sind. Namentlich begrüßt wird der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Sauer, Staatssekretär und Rüsselsheims Ex-OB Patrick Burghardt (CDU) und Riedstadts Bürgermeister Marcus Kretschmann (CDU).

Moderator Friedman fragt immer wieder nach, manchmal auch unbequem. Die unterschiedlichen Vorschriften und Regelungen thematisiert er. Boddenberg stellt die Position des Landes Hessen dar.

Er spricht sich für einen länderübergreifenden gemeinsamen Rahmen aus, doch die Kommunen und Kreise müssten die Instrumente nach Bedarf und Notwendigkeit einsetzen.

"Wenn ich Akzeptanz haben will, brauche ich unterschiedliche Maßnahmen", sagt auch Spahn. "In Sachen Mobilität in Deutschland und in Europa brauchen wir aber einen möglichst einheitlichen Ansatz." Über Finanzen wird gesprochen, über die Wirtschaftskrise, über die Aussicht auf Impfstoffe und über die neue Nachdenklichkeit. Jede Entscheidung sei eine Abwägung, sagt Spahn. "Das, was ich entscheide, muss ich vor mir und den Bürgern verantworten."

Nach eineinhalb Stunden ist die Talkrunde zu Ende. Draußen stehen noch ein paar Demonstranten. Sie halten Transparente mit der Aufschrift "Politiker müssen haften" hoch. Von Angelika Ohliger

Talkrunde auf Youtube

Die komplette Talkrunde ist im Internet auf Youtube unter www.hwk-rhein-main .de/handwerktrifft zu sehen.

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