Auf der Streuobstwiese im Ewaldsrod stehen Bäume mit einem gelben Band, das signalisiert, dass das Obst von Bürgern gepflückt werden darf. FOTO: rko
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Auf der Streuobstwiese im Ewaldsrod stehen Bäume mit einem gelben Band, das signalisiert, dass das Obst von Bürgern gepflückt werden darf.

Streuobstwiesen

Im Selbstversuch: Wie schmecken die Äpfel auf den Streuobstwiesen zum Selberpflücken?

Gelbe Bänder als Zeichen: Auf zwei Streuobstwiesen in Rüsselsheim können die Bürger das Obst ernten

Rüsselsheim -Die Äpfel sehen richtig lecker aus, hängen appetitanregend an den Bäumen. Hier in Königstädten am Regionalparkweg entlang befindet sich eine Streuobstwiese. Liebend gerne würde man jetzt gerne einen Apfel pflücken und hineinbeißen, aber ist das überhaupt erlaubt?

Johanna Weigand von der Pressestelle der Stadt gibt Auskunft. Nein, diese Obstbäume seien vom ehemaligen Oberbürgermeister Stefan Gieltowski zusammen mit Rüsselsheimer Neubürgern gepflanzt worden. Jeder Obstbaum sei einem Neubürger zugeordnet worden. Sie dürfen ihre Bäume abernten. Allerdings trügen diese Bäume kaum Obst, weil sie noch recht jung seien.

Es gibt aber Streuobstwiesen, wo die Bürger Obst ernten dürfen. Rüsselsheim hat sich nämlich der Aktion "Gelbes Band" angeschlossen, was auf eine Idee der CDU zurückgeht. Obstbäume auf zwei städtischen Streuobstwiesen sind mit diesem gelben Band gekennzeichnet, das signalisiert, dass die dortigen Äpfel gepflückt werden dürfen.

Eine der Wiesen befindet sich am Parkplatz am Waldschwimmbad, die andere im Ewaldsrod bei Königstädten. Während das Waldschwimmbad ein Begriff sein dürfte, hilft beim Ewaldsrod ein Blick auf die Karte. Das Gebiet liegt auf den ersten Blick nicht bei Königstädten, sondern vielmehr nördlich der A 60, im Dreieck von Autobahn, Stockstraße und Königstädter Grenzweg. Weigand klärt auf: Ewaldsrod gehöre tatsächlich zu Königstädten. In den 1960er Jahren sei die Gemarkung jedoch durch den Bau der Autobahn geteilt worden.

Lecker und saftig

Also, mal hinfahren und nachschauen. Auf der Stockstraße hinter der Autobahnbrücke Richtung Haßloch gleich den ersten Waldweg links, ein paar Meter laufen und man sieht die Streuobstwiese mit gelb markierten Bäumen. Einige Bäume tragen mächtig viele Äpfel, die allerdings jenseits der Reichweite der Arme hängen. Ohne Hilfsmittel sind nur wenige von ihnen zu erreichen. Sie sind saftig, schmecken lecker und keineswegs sauer.

Rüsselsheim hat noch weitere Streuobstwiesen. In der Gemarkung Königstädten gebe es rund 50 Hektar Streuobstwiesen mit zahlreichen, relativ schmalen Parzellen, berichtet Weigand. Hinzu kämen noch die Obstbäume in den wohnungsfernen Gärten Königsteinsröder und Hub/Bandweiden. Die Streuobstwiesen in Königstädten befänden sich zum größten Teil in Privatbesitz.

In der Gemarkung Bauschheim werde der Anteil an Streuobstflächen auf rund fünf Hektar geschätzt. Die größte Streuobstfläche bewirtschafte der Obst- und Gartenbauverein Bauschheim, so Weigand weiter.

Die Stadt Rüsselsheim besitze nur wenige Streuobstgrundstücke, die mit Ausnahme der beiden Flächen im Ewaldsrod und am Waldschwimmbad an Naturschutzverbände, den Obst- und Gartenbauverein und private Nutzer verpachtet seien.

Auf den Streuobstwiesen wachsen hauptsächlich Apfelbäume, aber auch einzelne Zwetschgen-, Birnen- und Quittenbäume, weiß Weigand. Auch Kirschbäume seien dort zu finden. Weil die Erntezeit der Kirschen jedoch in den Mai und Juni falle, trügen sie zurzeit keine Früchte und seien nicht gekennzeichnet.

Auf den Wiesen stünden auch Nussbäume, informiert Weigand. Sie seien jedoch ebenfalls nicht gekennzeichnet. Denn Nüsse ernte man nicht, sondern sammle sie vom Boden auf. Weigand weist darauf hin, dass allgemein insgesamt nur die Menge für den eigenen Verzehr geerntet werden solle. So kämen möglichst viele Menschen in den Genuss des Obstes.

Nutzungsrecht der Pächter

Das Nutzungsrecht für die verpachteten städtischen Streuobstwiesen stehe den Pächtern zu, welche die Obstbäume auch pflegen. Sofern private Eigentümer oder Pächter ihr Obst nicht selbst ernten und es lieber der Allgemeinheit zum Pflücken zur Verfügung stellen wollen, könnten sie beim Bereich Umwelt- und Naturschutz gelbe Bänder anfordern und selbst befestigen. Das Fallobst werde im Übrigen auch von Wildtieren gefressen.

Wer sich an den Bäumen auf den privaten Streuobstwiesen zu schaffen macht, begehe Hausfriedensbruch, informierte die Stadt kürzlich in einer Pressemitteilung. Werde man erwischt oder der Täter ermittelt, sei mit einer Geldbuße zu rechnen, so Weigand. Bisher sei aber weder jemand angezeigt noch bestraft worden. Rüdiger Koslowski

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