Renate und Günter Martin sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet. Foto: Susanne Rapp
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Renate und Günter Martin sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet.

Porträt

Im Sommer soll es ein großes Fest geben

  • vonDr. Susanne Rapp
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Beide wohnten in der Nähe und fuhren gemeinsam mit dem Rad zur Arbeit. So fing ihre Liebe an. Renate und Günter Martin haben sich vor 60 Jahren das Ja-Wort gegeben. Was ist ihr Geheimnis für eine lange Ehe?

Rüsselsheim - "Eigentlich wollten wir jetzt auf Madeira sein", erzählen Renate und Günter Martin, die am gestrigen Mittwoch ihre diamantene Hochzeit hatten. Fünfmal seien sie schon dort gewesen. Auf die Frage, warum gerade Madeira ihr Ziel sein sollte, erklärt Günter Martin: "Einmal Gärtner, immer Gärtner." Für einen Gärtner sei Madeira immer ein Traum, was die Pflanzenwelt betreffe. Die Strauchheide, im Volksmund Erika genannt, werde dort zwei Meter hoch, genauso die Heidelbeersträucher. Beide sind ausgebildete Gärtner und lernten sich am Arbeitsplatz, im damaligen Gartenamt Rüsselsheim, kennen.

Das erste Aufeinandertreffen verlief nicht ganz ideal, denn Günter duzte seine Arbeitskollegin und bekam die brüske Antwort: "Für Sie bin ich Fräulein Laerbusch." "Das macht man so in Hessen und unter Kollegen", erklärt Günter Martin. Doch die damals 17-jährige einzige Frau unter 40 männlichen Kollegen fühlte sich mit dem Duzen gar nicht wohl. Dass sie den Herrn später heiraten würde, war ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.

Und vor mehr als 60 Jahren sei es auch noch etwas ganz anderes gewesen, die weibliche Minderheit unter vielen Männern zu sein. "Ich hatte damit gar keine Probleme", sagt Günter Martin. Denn der gebürtige Rüsselsheimer hatte seine Gärtnerausbildung in der in Quedlinburg gelegenen Baumschule des Großvaters gemacht, bevor er 1958 zurück nach Rüsselsheim kam. In der damaligen DDR seien die Geschlechter gleichgestellt gewesen.

Ein Sandkasten für die Urenkel

Beide wohnten in der Nähe und fuhren gemeinsam mit dem Rad zur Arbeit. "Das war schon lustig, dass man sich immer ganz zufällig an der Kreuzung getroffen hat", erzählt Renate Martin. Und ihr Gatte ergänzt: "Sie konnte dann auch plötzlich mit mir beim Radfahren mithalten und war so schnell wie ich." Selbst nach 60 Jahren Ehe haben die beiden noch ihren Spaß, wenn sie sich an die Anfänge erinnern.

Drei Kinder, sechs Enkel und fünf Urenkel zählen zur Nachkommenschaft des Ehepaars. "Durch die Urenkel gibt es auch ein neues Betätigungsfeld." Leider beschränkt durch Corona. Das neueste Projekt für die beiden anderthalbjährigen Urenkelzwillinge war ein Sandkasten, den Günter Martin gebaut hat.

Viele Anrufe und Glückwünsche per Internet erreichen das Ehepaar am Mittwoch. Gut gelaunt berichtet Renate Martin einem Anrufer: "Das Leben ist kein Tanzlokal. Aber man wurschtelt sich so durch." Und auf die Frage, was das Rezept für eine 60 Jahre haltende Ehe sei, erklären die Eheleute einvernehmlich: "Wir geben uns gegenseitig unseren Freiraum. Sonst wird es nichts." So unterstützte Renate Martin ihre Tochter Birgit 15 Jahre lang im Café in der Festung. Vor drei Jahren, mit 78 Jahren, hörte sie dann damit auf, sagt aber: "Das war mit die schönste Zeit meines Lebens." Nicht zuletzt, weil sie als gebürtige Rüsselsheimerin die meisten Einheimischen, die das Café besuchten, gut kannte. "Meine Frau hatte dort ihr eigenes Publikum", erklärt Günter Martin schmunzelnd. Manche seien extra auf einen Plausch mit ihr ins Café gekommen.

Und wie geht es weiter? "Wir haben noch viel vor", lautet die Antwort. Gern möchte das Paar noch einmal eine Urlaubsreise mit dem Schiff machen. Und Madeira wird, sobald es wieder geht, auch besucht. "Normalerweise müssten wir nicht weg, denn Deutschland selbst ist wunderschön", meint Günter Martin, der als Mitbegründer des Motorsport- und Touristik- Club Rüsselsheim seine Heimat mit dem Motorrad befahren hat und auch heute noch mit seiner BMW Rockster 1150 R unterwegs ist.

Gefeiert wurde die diamantene Hochzeit am Mittwoch mit den Kindern. Und im Sommer, "wenn wir wieder dürfen", wird es dann ein großes Gartenfest geben. "Und ehrlich gesagt ist es auch schön, mal nur mit den Kindern zu feiern", findet Renate Martin, bevor sie wieder vom klingelnden Telefon gerufen wird. Susanne Rapp

Junges Glück: Am 7. April 1961 geben sich Renate und Günter Martin das Ja-Wort.

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