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?Crime im Kopf?: Juristin Sabine Vogt ist Leiterin der Abteilung Schwere und organisierte Kriminalität beim (BKA). Das Bild zeigt sie im Gespräch mit einer Unternehmerin.

Sabine Vogt leitet eine Abteilung beim BKA

„Immer etwas mehr Crime im Kopf“

Sabine Vogt ist Abteilungsleiterin im Bundeskriminalamt. Sie gab beim Unternehmerinnenforum Einblick in ihre Arbeit, die mit Verbrechen zu tun hat.

Sie habe immer schon „etwas mehr Crime im Kopf“ gehabt, als dass eine rein juristische Laufbahn sie zufriedengestellt hätte, gestand Sabine Vogt beim Unternehmerinnenforum am Dienstag.

Crime, zu deutsch Verbrechen – da blitzten ihre Augen auf, da wurde deutlich, warum sie als Juristin eine Zusatzausbildung aufs Studium draufsattelte, um ins Bundeskriminalamt (BKA) zu wechseln. „Ich wollte es spannender. Wollte wissen, was Kriminalität bedeutet und was ich für Menschen tun kann. Anfangs war ich auch oft draußen, um schwere Jungs zu jagen“, so Vogt.

Diese Worte im Georg-Büchner-Saal des Landratsamtes relativ spät an diesem interessanten Abend, bei dem Vogt als Abteilungsleiterin vom BKA zu Gast war. Ihr Referat galt zunächst der Darlegung typischer Mechanismen, die beruflichem Erfolg zugrunde liegen – weniger den „schweren Jungs“. Und doch belegten Nachfragen aus dem Publikum, dass manche Frau gern mehr gehört hätte über Vogts Wege, Kriminelle dingfest zu machen.

Zu erfahren war, dass die polizeiliche Arbeit um internationale Kriminalität beim BKA im Netzwerk der Bundesländer steht und weltweit durch Verbindungsbeamte verknüpft ist. Das Aufspüren krimineller Strukturen und Zusammenhänge ist die Aufgabe von Vogt, Leiterin für Schwere und organisierte Kriminalität. 700 Leute gehören zu ihrem Team – viele Frauen seien es nicht, so Vogt.

 

„Wenn Sie Polizei in Aktion sehen, wird es selten BKA sein – ausgenommen die Bundespolizei zur Sicherung der Grenzen angesichts der Flüchtlingsproblematik“, so Vogt.

„Das BKA

trägt zivil.“ Abwehr von Terrorismus, Schutz von Regierungsmitgliedern und Zeugen bei schweren Verbrechen gehören zu den Aufgaben. Vogt:

„Das BKA

ist ohne Europa nicht denkbar, alles ist komplexer geworden, wir haben mehr Spezialisten, und es gibt viel Zusammenarbeit – etwa mit der Privatwirtschaft.“

Entgegen der Annahme, die Kriminalitätsrate sei angesichts der Flüchtlinge gestiegen, legte Vogt dar: „Zuwanderung spielt keine überproportionale Rolle.“ Die Generation der jungen Migranten dürfe nicht aufgegeben werden, ihre Integration sei vorrangig, unterstrich Vogt.

„Neun Abteilungen gibt es beim BKA, heute werden drei von Frauen geleitet. Ich war die erste Frau in dieser Position, kam Ende der 80er Jahre ins BKA.“ Dort habe es nur Männer und „ziemlich viel machohaftes Verhalten“ gegeben. Der Wille, an den Anforderungen zu wachsen, sei eine unabdingbare Kompetenz. „Ich wurde ins kalte Wasser geworfen und habe viel gelernt.“

Ohne Veränderungsbereitschaft, Selbstreflexion und Führungsqualität gehe nichts. „Stärken zu entwickeln, weibliche Muster zu überprüfen und sich stets präsent zu machen, ist wichtig, um Erfolg zu haben. Sie müssen lernen, ihr Gegenüber adäquat zu adressieren, sich auf den jeweiligen Partner einzustellen und kompetent rüberzukommen“, führte Vogt Tugenden des Erfolgs aus.

Und: Keine Angst vor Verantwortung sei ein Muss. „Sie müssen sich voll und ganz für Ihre berufliche Richtung entscheiden. Wenn die Familie nicht mitzieht, ist das schlecht.“ Sabine Vogt, eine Frau ohne Angst vor schweren Jungs, bekam großen Beifall. cma

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