Gustav-Heinemann-Schüler

Immer in der Rolle bleiben

Als einzige Schule aus Rüsselsheim und Umgebung nimmt die Gustav-Heinemann-Schule an den diesjährigen Schultheatertagen im Staatstheater Wiesbaden teil. Ihr Stück „Eine Handvoll Rausch“ basiert auf dem Film „Reefer Madness“ und ist ein Musical mit ernster Thematik.

Von MARAIKE STICH

„Nicht privat werden“, ermahnt Katherina Lattemann, Lehrerin für Deutsch und PoWi an der Gustav-Heinemann-Schule, eine der jungen Darstellerinnen. Man solle immer in der Rolle bleiben, auch wenn der Fokus auf anderen Akteuren liege. „Rauch das Marihuana“, singen die Darstellerinnen in beschwörend mehrstimmigem Gesang. Die Proben sind in vollem Gang, bis zum Auftritt im Theater in Wiesbaden ist nicht mehr viel Zeit.

Die Gefahren des Drogenkonsums sind das Thema des Stücks, das die etwa 20 Oberstufenschüler mit mehreren Lehrkräften zusammen einstudieren. Es ist eine Gemeinschaftsproduktion der Theater-AG mit der Big Band und dem Chor der Schule. Drei Lehrerinnen und zwei Lehrer betreuen die Schüler. Katherina Lattemann und Thomas Möller kümmern sich mehr um das Schauspielerische, während Katharina Grossardt und Hanno Kirsch die Musik an Keyboard und Gitarre beisteuern. Michele Ingrosso aus dem Leistungskurs Musik gibt den Takt am Schlagzeug vor. Der Leistungskurs Kunst ist unter der Leitung von Kunstlehrerin Julia Matlock für Bühnenbild, Maske und Kostüme zuständig.

Laura Geriis (17) geht in die 11. Klasse und spielt den Conferencier. Sie führt durch das Stück und erzählt eine Geschichte, mit der sie die Zuschauer vor den Gefahren des Marihuana-Konsums warnen möchte. Sie ist seit einem Jahr bei der Theater-AG, hat aber schon Bühnenerfahrung als Leistungstänzerin. Sie spiele sehr gerne sagt sie, auch wenn es manchmal viel Druck sei.

Manuel Senge (18) spielt Ralph, einen Kiffer, der total vom Gras abhängig ist. Auch für ihn ist es die erste Rolle. Es sei aufregend, auf einer richtigen Bühne zu stehen und mal etwas ganz anderes rauszulassen. Ganz bewusst für eine kleinere Rolle entschieden hat sich in diesem Jahr Marco Ipolito. Er ist Abiturient und steckt mitten im Prüfungsstress, wollte aber unbedingt ein zweites Mal dabei sein.

 

Katherina Lattemann hatte vor vielen Jahren die Theater-AG gegründet und stellt mit Unterstützung weiterer Kollegen seither jedes Jahr ein Stück mit Schülerinnen und Schülern auf die Beine. Im Laufe der Jahre sei man vom reinen Schauspiel immer mehr in die Musiktheater-Sparte gewechselt, im vergangenen Jahr stand ein Stück von Brecht auf dem Spielplan.

Mit den vielen Darstellern, der Musik, den Kostümen und dem Bühnenbild sei es eine sehr aufwendige Produktion. „Es ist furchtbar viel Arbeit“, sagt Lattemann. Um so erstaunlicher ist es, dass dieses Stück nur ein einziges Mal, nämlich bei den Schultheatertagen in Wiesbaden, aufgeführt werden wird. Wegen Umbauarbeiten kann das Stück dieses Jahr nicht wie üblich an der Schule gezeigt werden, und die Rüsselsheimer Schultheatertage finden nur jedes zweite Jahr statt, weshalb auch das Stadttheater nicht in Frage kommt. Jedoch sei schon allein der gesamte Prozess der Erarbeitung eines Stücks eine große Bereicherung für alle.

Mit großem Einsatz bringen sich Lehrer und Schüler in die Probe ein. Immer wieder gibt es kleine Änderungen. Ob Jack in der einen Szene offenkundig böse sein oder noch die Fassade des Guten aufrechterhalten soll, wird da zum Beispiel besprochen. Der Darsteller des Jesus, David Martin Gil, hat sich das Sprunggelenk gebrochen und kann nicht laufen. Kurzerhand wurde in Abstimmung mit dem Fundus des Theaters in Wiesbaden ein Papamobil für Jesus in die Choreographie eingebaut. In der Probe wird es noch von einem Mattenwagen ersetzt.

 

Am morgigen Freitag um 13 Uhr ist es dann so weit: Im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden kommt das Stück „Eine Handvoll Rausch“ in einer Inszenierung der Gustav-Heinemann-Schule Rüsselsheim zur Aufführung. Erst sei man über den Mittagstermin enttäuscht gewesen, doch seit klar wurde, dass an diesem Abend die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich angepfiffen wird, sei man doch froh über den frühen Termin. Katherina Lattemann, die dann auch noch für Licht- und Tontechnik verantwortlich sein wird, freut sich schon: „Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie sich die Schüler auf der Bühne verändern.“

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