Vor dem Wertstoffhof in der Johann-Sebastian-Bach-Straße bildet sich mitunter eine lange Fahrzeugschlange.
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In Raunheim und Rüsselsheim (Groß-Gerau) nehmen die Müllablieferungen überhand. (Archivbild)

Städteservice

Müll nimmt in Rüsselsheim überhand: Stadt muss Polizei hinzuziehen

Die hohen Abgaben auf dem Wertstoffhof in Rüsselsheim (Groß-Gerau) erfordern dank der Corona-Pandemie neue Regeln. Diese muss zum Teil die Polizei durchsetzen.

Rüsselsheim – Die Pandemie hat auch den Städteservice Raunheim/Rüsselsheim arg gebeutelt. Dennoch können sich die Jahresabschlüsse sehen lassen, in einigen Bereichen wurden sogar Überschüsse erwirtschaftet, wie bei der Sitzung des Verwaltungsrates des Städteservice am Mittwochabend deutlich wurde.

Corona-bedingt hätten die Abfallanlieferungen vor allem auf dem Rüsselsheimer Wertstoffhof enorm zugenommen, während sich die Lage auf dem Raunheimer Wertstoffhof stabilisiert habe, erklärte Städteservice-Chef Andreas Lier. "In Rüsselsheim haben wir die Notbremse gezogen", so Lier, denn offenbar wurden auch immer mehr gewerbliche Abfälle in immer größeren Mengen auf dem Wertstoffhof angeliefert, die nicht unbedingt aus Rüsselsheim stammten. Seit 1. August muss jeder Anlieferer deshalb seinen Personalausweis zeigen.

Coronabedingt hohe Abfalllieferungen in Rüsselsheim (Groß-Gerau): Polizei hinzugezogen

"Inzwischen werden auf dem Wertstoffhof klare Regeln kommuniziert", so Lier. Das laufe nicht immer friedlich ab, ein paarmal sei sogar die Polizei hinzugezogen worden, weil Mitarbeiter bedroht worden seien. "Der Wertstoffhof soll für die Bürger da sein", machte Lier klar, derzeit würden auch keine Mehrmengen mehr gegen Geldzahlung angenommen, denn die Stadt habe im Wertstoffhof in einigen Müllbereichen schon jetzt die Jahresmenge erreicht. Deshalb sei mit dem Regierungspräsidenten eine Mengenverschiebung zwischen den verschiedenen Müllfraktionen vereinbart worden, um den Betrieb überhaupt noch bis Ende des Jahres offenhalten zu können. Andernfalls hätte die Stadt ein neues Genehmigungsverfahren für den Wertstoffhof einleiten müssen.

Ein Lichtblick sind laut Andreas Lier die Papierpreise. Nachdem diese lange Zeit im Keller waren, würden jetzt wieder bis zu 180 Euro pro Tonne bezahlt.

Corona-Virus wirkt sich auf Städteservice in Rüsselsheim (Groß-Gerau) aus

Corona hat sich nicht nur auf den Betrieb des Wertstoffhofs, sondern auch auf das Personal des Städteservice ausgewirkt, denn einige Mitarbeiter hatten sich mit dem Virus infiziert, einige so schwer, dass sie wohl nicht mehr an den Arbeitsplatz zurückkehren, sondern vorzeitig in Rente gehen werden. Deren Stellen würden oder seien schon nachbesetzt. Seit Juli habe es jedoch keine Neuinfektionen mehr gegeben.

Mehr als drei Viertel des Personals seien inzwischen geimpft, darunter auch vier Personen, die sich eigentlich nicht impfen lassen wollten, dies angesichts der Krankheitsverläufe bei einigen Kollegen aber nachgeholt hätten. Er werbe permanent dafür, sich impfen zu lassen, berichtete Lier.

Während Homeoffice im Außeneinsatz nicht möglich sei, gebe es inzwischen eine Dienstvereinbarung, die es für das Verwaltungspersonal des Städteservice regele. Zudem sei ein neuer Dienstvertrag für den Winterdienst vereinbart worden, der in Rüsselsheim und Raunheim jetzt identisch sei.

Corona in Rüsselsheim (Groß-Gerau): Neue Maßnahmen im Städteservice

Um dem hohen Müllaufkommen in der Stadt Herr zu werden, wurden für den "flotten Feger" zwei zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, ansonsten seien im vergangenen Jahr elf Beschäftigte ausgeschieden und 22 Stellen neu besetzt worden, die teilweise bisher vakant waren.

Bei der Grünpflege war in den vergangenen beiden Jahren die anhaltende Trockenheit eine Herausforderung, dieses Jahr war es der Regen, der die Naturkräuter allerorten kräftig wachsen ließ, so dass der Städteservice mit dem Mähen kaum nachgekommen sei. Nun wurde ein Heißwasser-Dampfgerät getestet, dass Unkraut umweltfreundlich und nachhaltig beseitigen kann. Ein Kauf werde erwogen, so Lier.

Der Prüfbericht für das vergangene Jahr, der einen Überschuss von 1,283 Millionen Euro ausweist, wurde vom Aufsichtsrat genehmigt. (Hans Dieter Erlenbach)

Gleichzeitig gibt es gute Nachrichten an anderer Stelle: Der Haushalt von Rüsselsheim steht nur noch fünf Millionen Euro im Minus. Bis 2024 will die Stadt die schwarze Null erreichen.

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