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Mittlerweile ein gewohntes Bild: Gesundheit geht vor, steht auf einem Zettel am Eingang des Bürgerbüros. foto: dpa

Corona

In Rüsselsheim wird es wieder ein wenig stiller

Der neue Lockdown erwischt viele Gastronomen und Kulturbetriebe mit voller Wucht. Durchhalten ist angesagt. Doch es gibt auch wütende Reaktionen.

Rüsselsheim -Nur kurz durften die kulturellen Veranstalter und Gastronomen im Sommer aufatmen, als die Corona-Beschränkungen gelockert wurden. Am Mittwochnachmittag dann ein Gefühl von Déjà-vu: Bund und Länder ordnen einen teilweisen Lockdown an. Gaststätten, Fitnessstudios, Freizeiteinrichtungen wie Theater und Konzerthäuser sowie der Amateursportbetrieb müssen vorübergehend eingestellt werden.

Für die Gastronomie in Rüsselsheim bedeutet das ab Montag kommender Woche einen empfindlichen Einschnitt.

Florian Haupt, Betreiber des Traditionsbetriebs "Das Rind" findet deutliche Worte: "Für mich ist die Entscheidung der Bundesregierung nicht nachvollziehbar", sagt er. Die Künstler seien mehr als dankbar gewesen, endlich wieder auftreten zu können. Die Gäste hätten sich bisher immer genau an die Vorgaben gehalten. "Ich möchte fast sagen: Wenn man sicher gehen möchte, dass man sich nicht infiziert, sollte man zu einer Veranstaltung im ,Rind' gehen", sagt Haupt.

Christian Gampert, der "Das Brauhaus" in Haßloch betreibt, bleibt gelassen. "Was willst du machen? Ich hoffe nur, dass wir im Dezember wieder öffnen können." Finanziell müsse er sich noch keine Sorgen machen. Das liege daran, dass die Lokalität im Familienbesitz ist und er keine Miete für die Räumlichkeiten zahlen muss. Aber auch das Brauhaus geht neue Wege. Es werde zum ersten Mal einen Bringservice für Kunden geben - sowohl Getränke als auch Essen. Damit reagiert Gampert auf die eher geringe Nachfrage nach Speisen zum selbst Abholen. Auch der Flaschenbierverkauf an Privatkunden bekommt Räder.

Wenige Alternativen gibt es im kulturellen Bereich. Erst im September war das Rüsselsheimer Theaterhaus in die neue Saison gestartet - unter Corona-Bedingungen. Man hatte sich arrangiert. Dann erneut die Schließung. "Wir haben es angenommen", sagt gestern Karin Krömer, die Leiterin des Rüsselsheimer Theaters. "Wir sind ein Stück weit geübt", verweist sie auf das Krisenmanagement des Theaters. Weiterhin gilt: Alle Tickets können erstattet werden. Bereits gekaufte Karten behalten bei allen verlegten Veranstaltungen ihre Gültigkeit. Wer dem Theater etwas Gutes tun möchte, kann sein Ticket spenden. "Beschwerden hat es keine gegeben, unsere Kunden sind sehr verständnisvoll", weiß Karin Krömer.

Veranstaltungen verschieben

Erneut werde man versuchen, so viele Veranstaltungen wie möglich zu verschieben - viel Spielraum bleibe aber nicht mehr. "Wir sind ein Gastspielhaus, wir wollen möglichst vielen Künstlern eine Bühne bieten, auf der sie auftreten können", benennt Krömer die Philosophie des Hauses. In den vergangenen Wochen habe das Theater gezielt Rüsselsheimer Kulturschaffende eingebunden.

Zu ihnen gehört die Künstlervereinigung Malkasten, die ihre Bilder im Theater ausstellt. Unter Einhaltung der Verordnung könnten wenigstens die geplanten Führungen durch die Ausstellung an den Sonntagen, 1. und 22. November, 22. November sowie am 6. Dezember zwischen 11 und 13 Uhr angeboten werden.

Um die Einnahmeausfälle ein Stück weit kompensieren zu können, werde man unter anderem finanzielle Unterstützung beim Sofortprogramm des Bundes "Neustart Kultur" beantragen. Vor allem aber wird der Lockdown im November Auswirkungen auf das Vereinsleben in Rüsselsheim haben. Betroffen von den neuen "Spielregeln" ist demnach auch die TG Rüsselsheim mit ihren vielen Abteilungen und einzelnen Mitgliedern.

Der Vorstand der Turngemeinschaft bedauert in einer Mitteilung die erneute Schließung außerordentlich, "da wir uns sicher sind, dass unsere Abteilungen und wir im Sportzentrum tolle Hygienekonzepte erarbeitet haben". Aber selbstverständlich sei man gewillt, sämtliche Entscheidungen, die das Infektionsgeschehen reduzierten, mitzutragen und man bittet die Mitglieder, dies auch zu tun.

Der Vorstand und das Team der Turngemeinde werden die neue Lage in den kommenden Tagen analysieren und bewerten und alle Mitglieder auf dem Laufenden halten, teilt der Vorstand mit.

Auch bei der anstehenden Mitglieder- und außerordentlichen Delegiertenversammlung am 12. November dürfte der Lockdown ein großes Thema sein. Nach wie vor hält die TG an dem Termin fest, bei dem maximal bis zu 100 Personen kommen könnten. Dafür stehe die gesamte Tanzsport- und Gymnastikhalle zur Verfügung. Alle geltenden Hygiene- und Abstandsregeln könne man so einhalten.

Einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht Corona abermals dem Gesundheitszentrum "Medifit" in der Innenstadt mit angeschlossener Physiotherapie und Fitnessstudio. Der Fitnessbereich muss auf behördliche Anordnung geschlossen werden. Eigentlich hatte man geplant, am 21. November mit dem "Kraftwerk" auf 550 Quadratmetern im Untergeschoss des Zentrums ein neues Studio zu eröffnen.

Eventuell eine virtuelle Eröffnung

Mehr als 100 Kursangebote pro Woche sollen hier stattfinden und sich an den jungen, urbanen Fitness-Freak wenden. Eventuell werde man nun die Eröffnung virtuell begehen oder nur mit kleinen Gruppen an diesem Tag. Genaueres stehe noch nicht fest, sagt Inhaberin Tina Dammel.

Die Entscheidung über die Schließung akzeptiere man, schreibt Dammel in einer Mitteilung an ihre Mitglieder. Man könne sie aber nicht nachvollziehen. Als medizinisch orientiertes Fitnessstudio habe man sämtliche Auflagen der Behörden eingehalten, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Das Hygienekonzept gehe teilweise über die geforderten Maßnahmen hinaus.

"Die Kunst ist einmal mehr aufstehen, als man hinfällt. Das werden wir auch diesmal. Und wir werden auch deutlich höher zurückfedern. Wie bei allem, was uns widerfährt, sehen wir die Chancen. In Zukunft wird sicheres Training in einem sicheren Umfeld mit qualifizierten Trainern deutlich mehr nachgefragt werden", heißt es weiter.

Nach wie vor nur eingeschränkten Zugang gibt es bei den Ämtern und Dienststellen der Stadt Rüsselsheim. Die Dienststellen der Stadtverwaltung sind zu den üblichen Zeiten telefonisch oder per E-Mail zu erreichen. Das weitere Prozedere ist aufwendig. Der Erstkontakt muss grundsätzlich telefonisch oder per E-Mail erfolgen. Aufgrund der Vorkehrungen gegen das Coronavirus wird nur in einem dringenden Bedarfsfall ein persönlicher Termin vergeben. Außerdem werden die Öffnungszeiten eingeschränkt auf: Montag bis Freitag 8 Uhr bis 12 Uhr, Donnerstag zusätzlich 15 Uhr bis 18 Uhr. Bürger werden angehalten, lediglich zwingend notwendige Behördengänge zu tätigen.

Personen, die aus Risikogebieten zurückkehren, werden aufgefordert, keine Behördengänge selbst zu tätigen, heißt es von der Stadtverwaltung. In den Dienstgebäuden gilt die Pflicht, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Wer einen Termin erhalten hat, meldet sich in dem entsprechenden Dienstgebäude. Am Eingang hängt die Kontakttelefonnummer aus, die angerufen werden kann. dit/ok/dan

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