Die Geschäftswelt in der Innenstadt könnte von weiterem Wohnraum profitieren, glauben viele Stadtpolitiker.
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Die Geschäftswelt in der Innenstadt könnte von weiterem Wohnraum profitieren, glauben viele Stadtpolitiker.

Kommunalwahl

Die Innenstadt im Wandel

Am 6. März wird gewählt. Wir haben die Spitzenkandidaten der Listen und Parteien, die um die Wählergunst werben, zu den wichtigsten Politikfeldern für die Zukunft Rüsselsheims befragt. Heute geht es um die Innenstadt und ihre Entwicklung.

Wie wird sich die Einkaufslandschaft in Markt- und Bahnhofstraße im Jahr 2021 verändert haben und was steht auf dem ehemaligen Karstadt-Grundstück?

Thorsten Weber, CDU

Mit dem Erwerb des Karstadts, der Neuentwicklung des Löwencenters und der Entwicklung auf dem Mainblock durch ein Hotel sind und werden Voraussetzungen geschaffen, die die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen. In Markt- und Bahnhofsstraße haben sich in letzter Zeit neue, bedarfsgerechte Geschäfte angesiedelt. Die Neugestaltung des Karstadt-Areals gilt es planvoll anzugehen. Ein schnelles Wunschkonzert wäre falsch. Es gilt jetzt zu analysieren, was auf der einen Seite benötigt wird und auf der anderen auch wirtschaftlich ist, damit es gebaut werden kann. Sicher gehört neben Einzelhandel auch Wohnraum und Dienstleistung dazu.

Sanaa Boukayeo, SPD

Eine zentrale Versorgungsfunktion gibt es schon heute nicht mehr in der Innenstadt, und diese wird auch in der Zukunft nicht zurückkehren. Die Innenstadt wird sich zu einem Stadtteil mit dem Schwerpunkt Wohnen, sowie Gastronomie-, Dienstleistungs- und Freizeitangeboten entwickeln. Insbesondere das Opel-Altwerk spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung. Es gilt darauf zu achten, dass nicht erneut jahrelanger Entwicklungsstillstand entsteht. Auf dem ehemaligen Karstadt-Grundstück wird Wohnraum mit zeitgemäßen Grundrissen entstehen. Teile des Grundstücks könnten zudem zu Kurzzeitparkplätzen werden, um Einzelhandel im Erdgeschoss des angrenzenden Löwencenters attraktiver zu machen. Das neue Gebäude passt sich in die Umgebung ein.

Maria Schmitz-Henkes, Grüne

Auch Rüsselsheim spürt, dass sich die Einkaufsgewohnheiten der Menschen ändern. Dem können sich gerade mittlere und kleine Städte nicht entziehen. Große Warenhäuser wie früher der Karstadt schließen bundesweit. Deshalb wird Rüsselsheim sein Gesicht ändern. Wenn der Trend sich fortsetzt, wird sich die Marktstraße zu einer ’Essgass’ entwickeln und die Bahnhofstraße weiterhin Einkaufstraße sein. Im Zuge einer umfassenden Stadtentwicklung müssten Karstadt-Gelände, Löwencenter und Löwenplatz zusammen neu entwickelt werden. Nur so ließe sich dieser Teil der Innenstadt sinnvoll in eine neue Zukunft überführen. In jedem Fall wird dort nicht wieder großflächiger Einzelhandel entstehen.

Abdullah Sert, FDP

Sofern Rahmenbedingungen wie Verkehrsführung, Infrastruktur, Wohnbebauung sich nicht grundlegend ändern, wird sich auch die Ladenstruktur in der Innenstadt nicht wesentlich ändern. Alteingesessene Familiengeschäfte werden mangels Nachfolgeregelung schließen oder von Kettenfilialisten übernommen. Nur wenn wirklich mehr Menschen in der Innenstadt wohnen, wird sich im Nachgang auch das Angebot ändern. Das Karstadt-Gebäude ist nun Eigentum der Gewobau. Eine Wohnbebauung wäre denkbar. Wünschenswert wäre eine behutsame und bedachte Vorgehensweise mit Bürgerbeteiligung samt Ideen- und Architekturwettberb.

Karl-Heinz Schneckenberger, Linke / Liste Solidarität

Bis 2021 wird sich leider an der momentanen Situation nichts entscheidend ändern. Rüsselsheim wird auch in Zukunft keine Einkaufsstadt mehr werden. Die Konkurrenz der umliegenden Großstädte und des Internets ist zu erdrückend. Durch gezielte Einzelmaßnahmen muss versucht werden, eine Verbesserung zu erreichen. Durch Pflasterarbeiten und neue Lampen gibt es keine Belebung. Vor allem Förderung von „Wohnen“ ist dafür notwendig, das heißt ab dem ersten Geschoss nur noch Wohnungen zulassen. Kulturelle Aktivitäten beleben zusätzlich. Auf dem Karstadt-Gelände muss ein architektonisch ansprechendes Gebäude unter Regie der Gewobau entstehen, dass im Erdgeschoss eine vielfältige Nutzung zulässt und in den oberen Geschossen Wohnungen. Es sollte versucht werden, die benachbarten Grundstücke in die Planung mit einzubeziehen.

Jürgen Jungbluth, Forum Neues Rüsselsheim

Rüsselsheims Innenstadt muss alle Bedürfnisse der Bürger abdecken: Einkaufen auf allen Ebenen; Öffnungszeiten der Geschäfte bis 20 Uhr; Gastronomie in vielen Facetten und Ausprägungen, die der Einwohnerschaft entsprechen; Plätze zum Verweilen und Spielen für die Kinder; Ausreichende Parkmöglichkeiten. Sie muss so geschaffen sein, dass hier auch ein Wohnen und Leben nach Ladenschluss gegeben ist. Dafür müssen öffentlich und/oder private Dienstleistungen in die Innenstadt verlagert werden. Der Charakter einer reinen „Einkaufsinnenstadt“ ist zu vermeiden. Das Karstadt-Gebäude könnte in Zukunft als Studentenwohnungen ausgebaut werden.

Mathias Flörsheimer, Alfa

Nach der Metzgerei Schneider und Uhren-Weiss wird auch Anzug-Hartmann als letztes Traditionsunternehmen aus der Innenstadt fliehen. Übrig bleibt eine hohe Dichte an Kebab-Buden, Nagelstudios und Telefonläden. Aber auch diese leiden unter der abnehmenden Kaufkraft der Rüsselsheimer Bevölkerung und der immer weiter fortschreitenden Verwahrlosung der Innenstadt. Als Einkaufszentrum ist die Innenstadt zu groß. Alfa schlägt vor, einen Teil der Innenstadt einschließlich des Karstadt-Areals für verdichtete Wohnbebauung vorzusehen. Alle Konzepte, die Innenstadt durch Verkehrsberuhigung als Einkaufszentrum aufzuwerten, sind fehlgeschlagen. Alfa schlägt das Gegenteil vor: Eine Mall nach amerikanischem Vorbild mit guter Verkehrsanbindung und kostenlosen Parkplätzen.

Achim Weidner, Liste Weidner

Mit dem Hessentag haben wir einen starken Impuls gesetzt, der die öffentliche Infrastruktur in Ordnung bringt. Mit dem Erwerb des Löwencenter, der Investition am Mainblock und der Mainlust ist erkennbar, dass Kapital Vertrauen in den Standort hat. Der Einzelhandel durchlebt und durchleidet einen Wandel, der alte Geschäfte vom Markt nehmen und neue bringen wird. Beim Karstadt dürfen wir nichts übers Knie brechen und die angrenzenden Areale müssen mit in die Ideenfindung einbezogen werden.

Erdal Koca, Liste 2016

Wir möchten die Meinung der Bürger erfassen und diese befragen. Wir möchten in Königstädten und Bauschheim eine Umfrage starten. Damit möchten wir herausfinden, welche Art der Einkaufslandschaft die Bürger sich wünschen und welche Anliegen sie diesbezüglich haben. Im ehemaligen Karstadt-Gebäude und Teilen der Innenstadt sehen wir großes Entwicklungspotenzial. Sowohl kleine als auch große Flächen sind vorhanden. Um die Einkaufsbelebung zu erwecken, werden wir nach Einigung und Kommunikation mit Geschäftsleuten Pilotprojekte vorschlagen. Zusätzlich werden wir diese Interventionsmaßnahmen mit bedarfsgerechtem Wohnen unterstützen.

Joachim Walczuch, Wir sind Rüsselsheim

Die Entwicklung der Fläche des Karstadt-Gebäudes hat eine Signalwirkung für die Innenstadt. Allerdings, wäre es Aufgabe der Stadtentwicklung gewesen, die Voraussetzungen für einen Investor zu schaffen und nicht das Risiko auf die Gewobau zu verlagern. Beim Grundstück hinter dem Rathaus, dem Karstadt-Gebäude und im Opel-Forum sollten Grundlagen für Wohnraum geschaffen werden, um neue Bewohner anzusiedeln. Über eine Öffnung der Löwenstraße sowie das Konzept „Shared Space“ ist nachzudenken. Eine gute Erreichbarkeit und Kurzzeitparkplätze steigern die Attraktivität. Die Innenstadt muss zu einem attraktiven Wohnstandort umgebaut werden.

Robert Adam-Frick, Freie Wähler

Eine Einkaufsstadt wird Rüsselsheim sicher nicht mehr werden, aber eine Wohnstadt mit genügenden Einkaufsmöglichkeiten, Kultur, Kneipen und Restaurants ist keine Utopie. Das Angebot folgt der Nachfrage. Allerdings muss man dann auch entsprechend die Parkflächen in der Innenstadt so gestalten, dass Anwohner und Besucher genügend Parkplätze in geringerem Abstand als bisher finden.

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