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Keine Frage des Alters: Wittich Rosenow ist auch mit 80 noch aktiv.

Fitnessstudio

Den inneren Schweinehund überlisten

Mehr Bewegung steht bei über der Hälfte der Deutschen auf der Liste der guten Vorsätze weit oben. (DAK-Studie 2017) In den Rüsselsheimer Fitnessstudios wird das bereits am zweiten Tag des Jahres gut umgesetzt.

2. Januar 2018, 9.30 Uhr: Zu früh für Sport, möchte manch einer meinen. Aber die Fitnessstudios sind gut frequentiert, viele wollen gesund ins neue Jahr starten und die Weihnachtsträgheit abschütteln. Jana merkte es beim Silvesterspaziergang.

Oberhalb des Bodensees, nahe Bregenz, war sie schnell außer Puste. „Das war für mich das Zeichen, dass ich mehr trainieren will“, sagt die 26-jährige Studentin. Im Medi-Fitness wechselt sie Krafteinheiten mit Dehnungsübungen ab. „Die Motivation zu Jahresbeginn ist immer am höchsten“, weiß sie.

Jan Boese, Geschäftsführer des Studios, nennt die Zeit nach dem Jahreswechsel „Gute-Vorsätze-Zeit“. Er bestätigt den Motivationsschub. „Generell ist der Andrang im Januar groß“, so Boese. „Für die Bühne trainiert hier niemand, die Gesundheit steht im Vordergrund.“

Bei Fit-Pro Lady an der Stadtkirche geht es ähnlich zu. An den Crosstrainern und der Beinpresse wird fleißig geschwitzt. Die Trainerinnen Chantal Hotz und Samira Bellamine haben es heute etwas entspannter. „Viele sind erkältet und mussten absagen“, sagt Bellamine.

Wer in den Ferien keine Kinderbetreuung hat, könne allerdings trotzdem kommen: Eine Erzieherin passt auf den Nachwuchs auf, damit der neujahrsbedingten Trainingslust nichts im Wege steht. Denjenigen, die eigentlich endlich Sport machen wollten, aber ständig herumüberlegten, rät Samira Bellamine: „Einfach machen!“, das Motto laute: Jetzt oder nie.

Im Together-Fitnessstudio sind mehrere Geräte besetzt, hauptsächlich von älteren Menschen und Studenten. Der große Schwung komme aber noch, meist Mitte Januar, erklärt Monika Leitzbach von der TG Rüsselsheim. Sie weiß, dass es schwer ist, den inneren Schweinehund zu überlisten.

Der wirkliche Wille, etwas zu ändern, sei der erste Schritt. „Oft ist es dann gut, wenn man sich zu zweit motiviert und einen Tag festlegt, an dem man zum Sport geht“, erklärt die Trainerin. Das findet auch Chantal Holtz von Fit-Pro Lady: „Hier bilden sich schnell Grüppchen. Und Absprachen zum gemeinsamen Training werden eher eingehalten.“

Probetrainings und Kurse-Schnuppern sei immer möglich. „Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen und seine Fähigkeiten zu respektieren.“ Wer übermotiviert ist und sich dann übernimmt, gebe oft schnell auf. „Langsam einsteigen, um dauerhaft Spaß zu finden“ sei ein guter Ansatz, so Leitzbach.

Auch ihre Tochter Nathalie ist an diesem Morgen im Studio. Die Sportstudentin will die Fitness, die sie in den letzten Jahren aufgebaut hat, beibehalten. „Ich mag das Gefühl, etwas für mich getan zu haben. Dann kann man auch guten Gewissens auf die Couch“, sagt sie lachend.

Ein paar Meter weiter trainiert Sebastian Renner (23) am Rückenstrecker. „Ich will mehr gezielt für die Rückenmuskulatur tun“, erzählt der Handballer. In seinem Sport sei eine starke Rumpfmuskulatur besonders wichtig, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren.

Wittich Rosenow geht den Tag dagegen ganz entspannt an. Seine 80 Jahre sieht man ihm nicht an, beinah vergnügt legt er Kilometer für Kilometer auf dem Liegefahrrad zurück. Nach längerer Krankheit will er jetzt wieder Muskeln aufbauen. Nebenher spielt er noch Tennis und Golf. „Sport macht einfach Spaß. Gesundheit übrigens auch“, sagt er verschmitzt.

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