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Nachhaltige Arbeit zur Eingliederung in die Gesellschaft

Bei der Integration sollen auch die Vereine helfen

Die Zahl der Flüchtlinge, die in Rüsselsheim Zuflucht suchen, sinkt. Flüchtlingshelfer, Ehrenamtler und die Stabsstelle Asyl in der Stadtverwaltung haben aber trotzdem noch jede Menge zu tun.

Die Zahl der Flüchtlinge, die Rüsselsheim vom Kreis Groß-Gerau zugewiesen werden, ist im Vergleich zu den letzten Monaten des vergangenen Jahres drastisch gesunken. „Derzeit werden uns pro Woche etwa zehn Flüchtlinge zugewiesen“, berichtete Christian Mayer von der Stabstelle Asyl der Stadtverwaltung während der jüngsten Sozial- und Integrationsausschusssitzung.

Derzeit halten sich nach Angaben von Mayer 869 Flüchtlinge in Rüsselsheim auf. 570 sind in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht worden, 299 in Privatwohnungen, die die Stadt für diesen Zweck angemietet hat. 31 Prozent der Flüchtlinge seien weiblich. Mit 334 Personen stammt die größte Gruppe aus Syrien. 157 Geflüchtete kommen aus Afghanistan, 41 Prozent der schutzsuchenden Menschen sind im Alter zwischen 18 und 29 Jahren.127 Flüchtlinge haben inzwischen einen Aufenthaltstitel.

Mayer rechnet nicht damit, dass sich die Zahl der Geflüchteten in naher Zukunft drastisch erhöht. Zu Anfang des Jahres habe die Prognose für Rüsselsheim 1550 Flüchtlinge im laufenden Jahr vorhergesagt, bereits im April wurde die Zahl jedoch auf 764 Flüchtlinge nach unten korrigiert. „Im Juli wird es vermutlich eine neue Prognose geben und ich rechne damit, dass die Zahl eher weiter sinkt“, sagt Mayer. Perspektivisch könnte auch ein Abriss der alten Flüchtlingsunterkunft am Flörsheimer Weg in Betracht kommen. Die ist nur zur Hälfte belegt und wird sukzessive leergezogen, da sie nicht den aktuellen Anforderungen entspricht.

Für die personell aufgestockte Stabstelle Asyl und die vielen Flüchtlingshelfer in Rüsselsheim gibt es trotz der sinkenden Zahl der Neuankömmlinge noch immer mehr als genug Arbeit. Mehr und mehr verschiebe sich der Arbeitsschwerpunkt von der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten hin zu mehr Hilfe bei der Integration.

„Alle Kinder, die neu ankommen, werden inzwischen sofort bei einer Kita angemeldet, Erwachsene werden sofort bei der Sprachberatung der Volkshochschule gemeldet.“ Diese vermittele trägerübergreifend das für jeden einzelnen Flüchtling passende Kursangebot. „Und das wie mir berichtet wurde inzwischen auch eigentlich immer recht zeitnah.“ Sollte es doch in einem Einzelfall etwas länger dauern, bis in einem passenden Sprachkurs ein Platz frei ist, werde die Zeit mit ehrenamtlichen Kursangeboten in den Gemeinschaftsunterkünften überbrückt. „In jeder größeren Unterkunft gibt es inzwischen dieses Angebot“, erklärt Mayer.

Auch an das Rüsselsheimer Vereinsleben sollen die Flüchtlinge in Zukunft stärker herangeführt werden. Ein „Sportcoach“ soll als Bindeglied zwischen Vereinen mit passenden Angeboten und den Geflüchteten fungieren. Finanziert werde diese Stelle über ein Förderprogramm des Landes. „Der Sportcoach kann dabei helfen, Ängste abzubauen und den Einstieg erleichtern.“ Und auch über die kulturellen und interkulturellen Vereine soll künftig die Integration der neu in Rüsselsheim angekommenen Menschen vorangetrieben werden. „Für den 1. Oktober planen wir ein interkulturelles Fest der Begegnung auf dem Marktplatz“, erklärt Mayer. Dort könnten sich Vereine vorstellen und durch Mitmach-Angebote den Flüchtlingen den ersten Schritt in das Vereinsleben erleichtern. „Die ersten Rückmeldungen dazu sind positiv, wir werden sicherlich etwas Schönes auf die Beine stellen.“

Als ein Problem beschreibt Mayer hingegen die Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt. „Da gibt es zwar Programme, die haben aber meist sehr hohe Voraussetzungen was die Sprache angeht. Daran scheitert es bislang leider noch oft.“ Perspektivisch müsse zudem daran gearbeitet werden, anerkannten Flüchtlingen adäquaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Das wird auch im Hinblick auf den Familiennachzug noch eine echte Aufgabe.“ göc

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