Inklusion

So integrieren Betriebe Menschen mit Handicap

In den wenigsten Betrieben, Firmen und Unternehmen sind Menschen mit Behinderung beschäftigt. Unterstützung bei der beruflichen Integration leisten die Werkstätten für Behinderte (WfB).

Wegen seiner Probleme mit den Füßen und der Wirbelsäule ist Thomas Kloos zu 80 Prozent behindert. Ein Umstand, der für den 33-Jährigen nicht nur gesundheitliche Auswirkungen hatte. Fünf Jahre lang war der Rüsselsheimer arbeitslos. Erst im Mai 2011 konnte er über die Vermittlung der Werkstätten für Behinderte (WfB) als Mitarbeiter der GPR-Apotheke endlich wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Jetzt, sieben Jahre später, ist Kloos noch immer in der Apotheke des GPR beschäftigt. Inzwischen kann er sogar darauf hoffen, dass er komplett vom GPR übernommen wird. Insgesamt sind innerhalb der Klinik sieben Männer und Frauen mit Behinderung beschäftigt, darunter auch Marc Kevin Kuhn. Der 21-Jährige ist seit August 2016 in der Lagerlogistik tätig. Bei ihm steht bereits fest, dass er Ende des Jahres komplett vom GPR übernommen wird.

Für Steffen Walther, Pressesprecher der Werkstätten für Behinderte, stellen Kloos und Kuhn positive Beispiele dar, wie Menschen mit Behinderung erfolgreich in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden können. „Kreisweit sind in 30 Unternehmen und Betrieben 60 Menschen mit Behinderung beschäftigt“, erläutert er. „Die Werkstätten für Behinderte selbst beschäftigen rund 500 Männer und Frauen.“

„Zehn Männer und Frauen durchlaufen derzeit den sogenannten Berufsbildungsbereich“, berichtet Walther weiter. Mit Tests werden dabei unter anderem ihre Fähigkeiten und Wünsche festgestellt. „Es folgt eine externe Qualifizierungsmaßnahme bei einem Betrieb, der dann eventuell die Übernahme folgt“, so der WfB-Pressesprecher.

Bei dieser betriebsintegrierten Beschäftigung gehe das Unternehmen mit den WfB einen Werkstattvertrag ein. Dies bedeute, dass die WfB den Mann beziehungsweise die Frau weiterhin entlohnen, aber auch begleiten und betreuen. Damit seien bei den WfB eigens drei Mitarbeiter betraut. „Für den Betrieb ist die Beschäftigung eines Menschen mit Behinderung also auch durchaus mit finanziellen Anreizen verbunden“, unterstreicht Walther.

Neben dem GPR finde man in Rüsselsheim unter anderem auch in der Mensa der Helen-Keller-Schule sowie beim Reitsportverein Mitarbeiter mit Behinderung. Beim Stadt- und Industriemuseum sei über das zweijährige, demnächst auslaufende Projekt „Stadtmuseum inklusive“ sogar ein neuer Arbeitsplatz entstanden. „Dass ein Mitarbeiter der WfB komplett von einem Unternehmen übernommen wird, kommt allerdings recht selten vor“, räumt Walter ein und nennt als Beispiel den Bauhof von Mörfelden-Walldorf.

Dazu müsse man seitens der WfB bei den Arbeitgebern ständig Überzeugungsarbeit leisten, Vertrauen schaffen und auf die notwendige Geduld des Arbeitgebers hoffen.

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