Stephanie Neigel

Pop und Jazz reichen sich die Hand

Die Sängerin Stephanie Neigel bringt mit ihrem Trio jazzigen Pop für Erwachsene ins „Rind“. Dass sie nicht nur singen kann, stellte die staatlich anerkannte Berufsmusikerin auch unter Beweis.

Von PETER SCHNEIDER

Beim Namen Neigel klickt es bei den etwas Älteren, und natürlich wird sie schon mal darauf angesprochen: Stephanie Neigel ist die Nichte von Julia „Jule“ Neigel, die einst mit „Schatten an der Wand“ in die deutschen Charts stürmte. „Wir saßen oft in der ersten Reihe bei ihren Konzerten, klar. Doch die Liebe zur Musik kam schon durch meine Mutter, die mir abends oft etwas vorgesungen hat. Irgendwann war es mein Traum, Musikerin zu werden und mit einer tollen Band auf der Bühne zu stehen“, erzählte die aus Rheinhessen stammende Sängerin vor ihrem Konzert im Rüsselsheimer „Rind“. Also studierte sie in Musik in Mannheim und Weimar und ist staatlich anerkannte Berufsmusikerin.

Das Konzert im „Rind“ war nun der Abschluss einer erfolgreichen Deutschlandtournee, die meisten Stücke des Abends stammten von ihrer zweiten CD „Capture Time“. Dieses „Zeit einfangen und schöne Momente festhalten“, so Stephanie Neigel, ist ihre Idee hinter der Musik, die in vielen Facetten schillern kann.

Nach einem Intro ihrer dreiköpfigen Band kam die Frontfrau barfuß auf die Bühne und sofort flott und poppig-leichtfüßig zur Sache. „Eyes Of A Child“ und „Go Out“ sind auch die Opener auf ihrer aktuellen Scheibe, und sogleich wurde klar: Diese Frau kann singen, und das ziemlich gut. Da stimmt jeder Ton ihrer gut timbrierten Sopranstimme, die Stimmkontrolle und das Timing sind perfekt, manchmal erinnert’s stimmlich an Joni Mitchell.

Gitarre und Piano spielen kann sie auch, denn eigentlich ist sie eine Singer/Songwriterin mit Band. Die ausschließlich englischen Texte ihrer Eigenkompositionen drehen sich um die Liebe, um Sehnsüchte und Befindlichkeiten, die Zeit und ihre Vergänglichkeit, aber auch ganz einfach mal um „Sunshine, this is where I wanna be“.

Stilistisch werden viele Genres gestreift, ihre sensibel begleitende Band ist überall zu Hause. Mal klingt’s funky tanzbar, des öfteren balladesk und schön atmosphärisch. Mal gibt’s in „Spring“ ein Latin-Flair, alles klingt selbstverständlich und gelegentlich auch irgendwie bekannt. Die Eingängigkeit des Pop mit griffigen Hooklines ist gerade bei den Uptempo-Nummern oft präsent, doch auch das muss gekonnt sein. Da ist der Einfluss ihres Mentors Edo Zanki spürbar, mit dem sie auch ein Duett aufgenommen hat.

Abwechslung gibt’s genug: Stephanie Neigel solo am Piano, mal ein tolles langes Schlagzeug- und Gesangs-Intro inklusive spontan eingebautem quietschendem Keyboard-Stuhl oder den gesanglichen Einbau des Publikums bei „Leave It Behind“, was überraschend gut funktioniert. Soliert wird eher sparsam, jedoch mit Kompetenz.

Der Träger des Jazzpreises Baden-Württemberg, Volker Engelberth, werkelt trotz seiner sehr jugendlichen Erscheinung dezent, doch souverän am Piano, und Bassist Alex Merzkirch ist schon allein wegen seiner guten Harmony Vocals unverzichtbar. Herausragend spielt jedoch Thomas Sauerborn, der die Songs an seinem Retro-Look-Schlagzeug äußerst variabel und nuanciert zu begleiten weiß, was der Performance sehr gut tut.

Die Stücke der Künstlerin sind clever arrangiert und schon fast zu akkurat durchkomponiert, ein wenig mehr Emotion und unberechenbare Schrägheiten würden dem Ganzen durchaus gut tun, doch Stephanie Neigel hat ja noch eine ganze Menge vor sich.

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