Verein entwirft Warnschild

Jetzt herrscht das Elterntaxi-Chaos in der Virchowstraße

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Die morgendliche Verkehrssituation an der Humboldt-Schule hat sich etwas verbessert. Die Elternhaltestelle wird zwar weiter kaum angenommen, wenigstens aber die Sackgasse vor der Schule ist nicht mehr so sehr verstopft.

Morgens gegen halb acht im Sebastian-Kneipp-Weg: Gehetzte Eltern setzen auf dem Weg zur Arbeit ihre Kinder dort möglichst nah an der Alexander-von-Humboldt-Schule ab. Als „Elterntaxi“ ist dieses Phänomen nicht nur in Rüsselsheim bekannt.

Besonders gefährlich macht die Situation an der Humboldt-Schule, dass alle, die dort hereinfahren, denselben Weg auch wieder herausfahren müssen. Denn der Kneipp-Weg ist eine Sackgasse. Entsprechend angespannt ist die Verkehrssituation dort gewesen. Mitunter hat kaum jemand mehr vor oder zurück fahren können, ganz zu schweigen von den vielen gleichzeitig im Halbdunkeln über die Straße laufenden Kindern.

Das Verkehrschaos ist der Grund, warum im August rund 250 Meter weiter am Hessenring eine sogenannte Elternhaltestelle eingerichtet wurde. Dort sollen Eltern ihre Kinder aussteigen und das letzte Stück zur Schule alleine laufen lassen. Allerdings ist das Angebot zunächst kaum genutzt worden. Darauf angesprochen, haben manche Eltern nicht einmal gewusst, dass es die Haltestelle gibt.

Der Leiterin der Gesamtschule, Renate Pilgenröther, zufolge habe sich Situation im Sebastian-Kneipp-Weg dennoch verbessert. Jedoch nicht so sehr, weil die Eltern nun doch plötzlich die Parkplätze an der für sie vorgesehen Haltestelle nutzen. Vielmehr habe sich das morgendliche Absetzen der Kinder in die Virchowstraße verlagert. Weil es dort keine Sackgasse gebe, sei das schon ein Fortschritt. Zwar wünscht die Schulleiterin sich, dass die Elternhaltestelle mehr genutzt wird. Allerdings, so gibt sie zu bedenken, werde sich der gesamte Verkehr durch den geplanten Neubau der Schule bald ohnehin verlagern.

Gelöst wird das Problem dadurch gleichwohl nicht. „Die Stadt weiß, dass es bei diesem Thema einen langen Atem braucht und wir weiter daran arbeiten“, äußert sich Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos). Wichtig sei es, die Kinder zu stärken und dass auch sie ihren Eltern sagen, dass sie den Schulweg selbst gehen wollen – und, wenn notwendig, ab der Elternhaltestelle.

Die Stadt werde sich auch zukünftig mit der Schule dazu austauschen, welche begleitenden Maßnahmen möglich sind, damit die Haltestelle besser genutzt wird.

Für einen Vorschlag der Verkehrswacht Rüsselsheim hat der Oberbürgermeister schon jetzt seine Zustimmung gegeben. Der Verein hat ein Schild entworfen, dass im Kneipp-Weg aufgestellt werden und auf die Elternhaltestelle am Hessenring hinweisen soll. „Wir hoffen, dass die Haltestelle in Zukunft besser angenommen wird und einen Impuls für das Einrichten weiterer Haltestellen an anderen Schulen gibt“, sagt die Vorsitzende Sigrun Sulk.

Bequemlichkeit, Zeitmangel oder auch die Angst, es könnte dem Kind unterwegs zur Schule etwas passieren, sind Sulk zufolge die Gründe, warum Eltern ihre Kinder zur Schule fahren würden. Dabei sei es für die Kinder selbst besser, wenn sie zu Fuß zur Schule zu gehen. Denn so würden sie nicht nur fitter für den Straßenverkehr, sondern täten auch etwas für ihre Gesundheit. „Sie können gemeinsam mit Freunden und Mitschülern laufen, das macht viel mehr Spaß“, ist Sulk überzeugt. Sie wisse von einigen Kindern, die berichteten, lieber zu Fuß in die Schule zu gehen, doch die Eltern würden auf der Fahrt mit dem Auto bestehen.

Dass es für die Entwicklung von Kindern in jedem Fall besser ist, wenn sie zu Fuß zur Schule gehen, lässt sich wissenschaftlich allerdings nicht unbedingt untermauern. Die Mainzer Familienforscherin Prof. Tanja Betz beispielsweise sieht zwar das Verkehrsproblem, wenn das Phänomen Elterntaxis morgens „geballt“ auftritt. Allerdings zeigt sie auch Verständnis für die Eltern: „Sie müssen oft selbst zur Arbeit, das ist morgens eine stressige Zeit.“ Jedenfalls könnten aus Kindern, die von ihren Eltern zur Schule gefahren, selbstständige Bürger werden. In dieser Hinsicht sollte das Problem nicht dramatisiert werden.

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