Neuer SPD-Vorsitzender in Rüsselsheim: Joachim Schmid. FOTO: keim
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Neuer SPD-Vorsitzender in Rüsselsheim: Joachim Schmid.

Interview

Joachim Schmid: "Zu viel Ideologie ist selten gut"

Vor wenigen Tagen wurde mit Joachim Schmid ein neuer Vorsitzender der Rüsselsheimer SPD gewählt. Auf den Nachfolger von Nils Kraft, der zusammen mit seinem Stellvertreter Frank Tollkühn zurückgetreten war, wartet keine leichte Aufgabe. Darüber sprach unser Mitarbeiter Ralph Keim mit dem neuen Hoffnungsträger, wie Schmid allerdings nicht gesehen werden will.

Herr Schmid, wie sehen Sie für sich den Begriff Hoffnungsträger, auch vor dem Hintergrund, dass schon so mancher SPD-Hoffnungsträger bittere Erfahrungen machen musste?

JOACHIM SCHMID: Unglücklich, denn er geht an der Sache vorbei. Die Sozialdemokratie muss sich selbst Hoffnungsträger sein, das Team ist der Schlüssel. Am Sonntag sind wir aufgebrochen, um uns zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und das mit Freude über die Distrikte in die Stadt zu tragen. Ich habe mich angeboten, den Prozess zu moderieren. Die Leute sollen sich nicht auf Hoffnungsträger verlassen, sondern mitmachen.

Sie haben vor Ihrer Wahl darauf hingewiesen, dass Sie nicht dem linken Lager angehören. Das klang fast nach einer Entschuldigung.

JOACHIM SCHMID: Dann hätte ich den falschen Ton getroffen. Es sollte den Mitgliedern einfach klar aufzeigen, dass ich kein Ideologe bin beziehungsweise wie ich mich im sozialdemokratischen Spektrum einordne. Als Mann aus der Wirtschaft ist mir die Einnahmenseite einfach wichtig. Mir gefällt dieses Motto ganz gut: "Sozial sein, weil man es kann."

Ist eine Lagerbildung auf Ebene einer Stadt wie Rüsselsheim nicht sowieso kontraproduktiv?

JOACHIM SCHMID: Da haben Sie natürlich Recht, zu viel Ideologie ist selten gut. Lager klingt auch recht unversöhnlich. Ich will es mal positiv formulieren. Die SPD Rüsselsheim muss für Leute im Mindestlohnsektor ebenso wie für Unternehmerinnen und Unternehmer interessante Angebote machen. Es gilt, die Lager zu vereinen. Sonst wird das nichts mehr mit der Volkspartei.

Sie sind zudem kein Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Ist das eher ein Nachteil oder sogar ein Vorteil?

JOACHIM SCHMID: Für mich persönlich ist es eher ein Vorteil. So kann ich mich besser auf die Aufgabe in der Partei konzentrieren. Außerdem passt das auch gut zu unserem gemeinsamen Ansatz, die Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen. Das stärkt die Organisation.

Wie sieht künftig Ihr Kontakt zur beziehungsweise Ihre Zusammenarbeit mit der Fraktion aus?

JOACHIM SCHMID: Ich werde, sofern es sich zeitlich einrichten lässt, zu Fraktionssitzungen gehen und den engen Kontakt pflegen. Wie bisher auch.

Allgemein gesprochen hat man nicht selten den Eindruck, dass die Fraktion über der Partei steht und eigenständig agiert. Ist das momentan auch bei der SPD Rüsselsheim so?

JOACHIM SCHMID: Für mich ist es nicht zielführend, sich mit dem aktuellen Eindruck auseinanderzusetzen. Der Blick muss nach vorne gerichtet sein. Fraktion und Partei dürfen nicht auseinanderdividiert werden. Als sehr klaren Auftrag aus der Mitgliederversammlung habe ich mitgenommen, dass die Partei wieder politischer werden will und soll. Die Fraktion ist es ohnehin. Deshalb darf es kein "über" oder "unter" geben; wir arbeiten auf ein Miteinander hin.

Zumindest muss die Fraktion jetzt Vereinbarungen zu und mit möglichen Kooperationspartnern zunächst der Mitgliederversammlung vorlegen. Ist das nicht ein wenig zu viel der von der SPD gerne praktizierten Basisdemokratie?

JOACHIM SCHMID: In Rüsselsheim wird von politisch interessierten Leuten sehr genau hingeschaut, wie sich die Fraktionen sortieren und positionieren. Die Frage, wer mit wem spricht, kooperiert oder koaliert, prägt das Bild der Partei mit. Auch ob wir für die Bürgerinnen und Bürger zukünftig wählbar sind, oder nicht. Ist eine Vereinbarung nicht vermittelbar, dann ist das ein klares Alarmsignal und gut, dass die Mitglieder die Notbremse ziehen können. Es ist wichtig, die Leute einzubeziehen und mitzunehmen.

Ihr Amtsvorgänger Nils Kraft amtiert weiterhin als Baustadtrat. Wie wird die SPD künftig mit ihm umgehen?

JOACHIM SCHMID: Ich werbe in der SPD Rüsselsheim für einen offenen, fairen, lebhaften und professionellen Umgang miteinander. Das gilt für jede und jeden.

Ein Parteivorsitzender wird immer auch mit höheren Wahlen und Weihen in Verbindung gebracht. Können Sie sich vorstellen, in Rüsselsheim als OB-Kandidat anzutreten?

JOACHIM SCHMID: Nein.

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