Abschluss

Jugendliche Flüchtlinge machen Hauptschulabschluss innerhalb von zwei Jahren

20 jugendliche Flüchtlinge im Alter zwischen 17 und 20 Jahren erhielten am Freitag ihre Abschlusszeugnisse. Sie haben innerhalb von zwei Jahren den Hauptschulabschluss geschafft. Einige von ihnen waren davor Analphabeten.

Rahmanollah ist erleichtert. „Ich habe den Hauptschulabschluss geschafft.“ Der Jugendliche ist vor drei Jahren als unbegleiteter Minderjähriger – er war damals 16 Jahre alt – von Afghanistan über die Türkei nach Deutschland geflüchtet. „Ich habe die Mittelmeerroute genommen und hatte dabei richtig viel Angst“, gibt er zu. Doch es habe für ihn keinen anderen Ausweg gegeben. Zuhause im Heimatland zu bleiben, sei für ihn keine Option gewesen.

Während seiner Kindheit und Jugend in Afghanistan habe er nie eine Schule von innen gesehen. „Ich komme aus einem kleinen Dorf. Es gab schon eine Schule. Doch die war weit weg. Man musste einen Fluss überqueren, um dorthin zu gelangen. Aber über das Wasser führte keine Brücke“, erzählt der junge Mann. Im Verlauf seiner Flucht habe er ein Jahr lang in der Türkei gelebt, bis er es dort aufgrund der Aggressivität einiger Türken gegenüber den Flüchtlingen nicht mehr ausgehalten habe.

Als Rahmanollah im Frühjahr 2016 in Deutschland ankam, war er Analphabet. Das Jugendamt vermittelte ihm recht schnell einen Deutschkurs im Bildungszentrum der AVM in Rüsselsheim. Projektkoordinatorin Anja Kunz erinnert sich: „Gleichzeitig mit dem Deutschkurs, den Rahmanollah mit Hilfe von Bildkarten absolviert hat, haben wir an seiner Alphabetisierung gearbeitet. Er hat wie die Kinder in der Grundschule nach und nach das ABC gelernt.“

Das sei gar nicht so schwer gewesen, stellt der Flüchtling fest. Nach dem Deutschkurs besuchte Rahmanollah eine Berufsorientierungsmaßnahme des AVM, in der er zusammen mit 19 anderen Jugendlichen für den Hauptschulabschluss büffelte. Inzwischen habe er schon ganz gut Schreiben gelernt, lobt Kunz. Rahmanollah relativiert das Lob ein wenig und meint, seine Schreibkenntnisse seien ausreichend für das Erledigen von Hausaufgaben gewesen.

Innerhalb von zwei Jahren lernten die Jugendlichen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Somalia und Kamerun das relevante Wissen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Gesellschaftslehre und Biologie. Vor wenigen Wochen haben Rahmanollah und seine Klassenkameraden ihre externen Prüfungen für den Hauptschulabschluss an der VHS Rüsselsheim absolviert. Elf von ihnen haben sogar den erweiterten Hauptschulabschluss – hierbei muss die Prüfung auch in Englisch erfolgen – geschafft.

Obwohl Rahmanollah noch vor zwei Jahren keinen Buchstaben schreiben konnte, hat er in seiner Gruppe mit dem besten Zeugnis und einen Notendurchschnitt von 1,75 abgeschlossen. Er wolle nun eine Lehre absolvieren oder arbeiten, nennt er seine weiteren Pläne.

„Die Lehre ist die bessere Option“, erklärt Kunz, denn „so erhält er einen geschützten Status und kann nicht abgeschoben werden.“ Da Rahmanollah aus Afghanistan stammt, sei sein Asylantrag in erster Instanz abgelehnt worden. Einige der jungen Männer konnten sogar bereits in eine Ausbildung vermittelt werden, so Kunz. Sie lernen nun Berufe wie Mechatroniker, Elektriker, oder Dachdecker.

Ahmadhamid aus Somalia betont: „Ich bin so glücklich, dass uns der AVM die Möglichkeit gegeben hat, den Schulabschluss zu machen. Jetzt haben wir das Rüstzeug, um unseren beruflichen Weg hier in Deutschland zu gehen.“

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