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Von jetzt an für immer: Dr. Günter Neliba zählt nun offiziell zu den ?Leuchtenden Vorbildern? Rüsselsheim. Der Künstler Vollrad Kutscher bringt das Portrait des Pädagogen im Ratssaal des Rathauses an.

Auszeichnung für Pädagogen Günter Neliba

Kämpfer für die Demokratie

Der Pädagoge Günter Neliba wird in die Reihe der „Leuchtenden Vorbilder“ aufgenommen. Sein Portrait ist nun im Ratssaal zu sehen. Die Galerie wird alle drei Jahr um ein Vorbild erweitert.

Noch während der Frankfurter Künstler Vollrad Kutscher auf der Leiter steht und die Fotografen mit ihren Blitzen hantieren, da brandet lauter Applaus im Ratssaal des Rüsselsheimer Rathauses auf. Kein Wunder, kommt die Stadtgesellschaft nur selten zu solch einem feierlichen Termin zusammen – lediglich rund alle drei Jahre. Zuletzt traf man sich im November 2013 hier, um Herta Max als „Leuchtendes Vorbild“ der Stadt Rüsselsheim zu würdigen.

Diesmal nun wurde der Pädagoge und Gymnasiallehrer Günter Neliba posthum ausgezeichnet. Neliba wurde bereits im vergangenen Oktober von Michael Flörsheimer für diese Auszeichnung vorgeschlagen. Er schrieb zur Begründung: „Herr Günter Neliba war und ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild: Seit 1952 als Lehrer sowohl am Immanuel-Kant-Gymnasium wie auch am Max-Planck-Gymnasium, leitete er Generationen von Schülerinnen und Schüler nicht nur grundsätzlich zu kritischem Denken und demokratischem Verhalten an, sondern konfrontierte sie auch ebenso kritisch wie selbstkritisch mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.“

Der Vorschlag stieß in Rüsselsheim auf große Zustimmung: Die Jury stimmte in einer nicht öffentlichen Sitzung dem Vorschlag von Michael Flörsheimer zu. Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) sprach in seiner Laudatio über die Wahl von Neliba gar von einer „Sternstunde der Debattenkultur in unserer Stadt“.

Damit spielte er darauf an, dass es in der Vergangenheit zu kontroversen Diskussionen und Auseinandersetzungen rund um die Vergabe der „Leuchtenden Vorbilder“ gekommen war. In den Jahren 2007 und 2013 konnten etwa keine Personen ausgezeichnet werden, weil das Gremium nicht einig wurde.

Diesmal also lief das anders: In Neliba erkennen die Rüsselsheimer ein großes Vorbild. In seiner Laudatio erklärte Dennis Grieser: „Günter Neliba ist seit vielen Jahren ein leibhaftiges ’leuchtendes Vorbild‘ unserer Stadtgesellschaft gewesen, denn er hat als Pädagoge an beiden Rüsselsheimer Gymnasien in vielen jungen Menschen ein Feuer der Begeisterung entfacht: Ein Feuer der Begeisterung für Demokratie, für Gerechtigkeit, für eine kritische und wahrhaftige Auseinandersetzung mit der Geschichte.“ Der Schattenentwurf, der nun an der Wand des Ratssaals zu sehen sei, stehe für ein Menschen, der ein großes Vorbild gewesen sei.

Günter Neliba wurde 1925 in Mainz geboren, wuchs in Gustavsburg auf, legte 1943 in Mainz das Abitur ab. „Im selben Jahr wurde der 18-Jährige zum Kriegsdienst eingezogen und geriet in französische Kriegsgefangenschaft, die bis 1946 dauern würde“, sagte Grieser. Zehn Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs verlor Neliba bei einer Explosion beide Hände.

Statt mit seinem Schicksal zu hadern, nahm Neliba in Frankfurt ein Lehramtsstudium für Geschichte und Deutsch auf und arbeitete von 1953 an bis zu seiner Pensionierung 1983 in Rüsselsheim als Studienassessor.

Nach seiner Laudatio verbeugte sich Grieser vor dem Abbild. Mit dieser Auszeichnung ist gesichert, dass Neliba in der Opelstadt niemals vergessen werden wird.

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