Klappt hervorragend: Beatrice Menges hat die Pfandboxen ausprobiert. foto; privat
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Klappt hervorragend: Beatrice Menges hat die Pfandboxen ausprobiert. foto; privat

Umwelt

Kampf dem Müll mit Pfandgeschirr

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Die Bauschheimerin Beatrice Menges setzt sich für ein nachhaltiges Konzept in der Gastronomie-Branche ein.

Rüsselsheim -Es ist kein schöner Anblick, der sich dieser Tage immer mal wieder an verschiedenen Rüsselsheimer Plätzen bietet: Verpackungsreste von offensichtlich (man möchte fast sagen immerhin löblicherweise) im Freien verzehrtem Essen zum Mitnehmen stapeln sich beispielsweise auf Bänken am Landungsplatz, an der Bushaltestelle bei McDonald's oder auf dem Parkplatz der Großsporthalle.

Abgesehen von der Achtlosigkeit der Umweltsünder ist Beatrice Menges vor allem das Weggeworfene an sich ein Dorn im Auge - es ist nämlich ihrer Ansicht nach vermeidbar. Die Bauschheimerin, die vor kurzem gemeinsam mit Annette Werk die Umweltinitiative Bauschheim gegründet hat, meint: Gegen die Takeaway-Verpackungen aus Plastik, Styropor oder Pappe muss man etwas tun. Und zwar etwas Nachhaltiges.

Viele Vorteile gegenüber Einweg

Damit ist Menges nicht allein, denn erst im November schlug Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor, das Verpackungsgesetz zu verschärfen und Gastronomen dazu zu verpflichten, alternativ Mehrweggeschirr zur Mitnahme anzubieten. Bis das so weit sein könnte, tritt erst einmal das Einwegplastikverbot im Juli 2021 in Kraft. Beatrice Menges will jetzt schon reagieren. Viele Stunden hat sie in Recherche investiert und ist auf Konzepte gestoßen, die in vielen Großstädten schon seit Jahren im Kaffee-Segment funktionieren: Pfandgeschirr. Das Prinzip sei einfach, erklärt Menges: "Die Gastronomiebetriebe erwerben eine gewisse Anzahl von Schüsseln und Segment-Tellern aus stabilem Kunststoff, die in die Spülmaschine dürfen und einen Deckel dabeihaben." Sie hat sich kundig gemacht.

Der Anbieter ihrer Wahl verspricht 150 Benutzungen und eine Lebensdauer von etwa anderthalb Jahren. Einmalig zehn Euro kostet das Ausleihen einer Mehrwegbox beim jeweiligen Restaurant, zurückgegeben oder gegen eine neue Schale getauscht werden kann sie in jedem anderen teilnehmenden Gastro-Betrieb deutschlandweit. Andere Konzepte arbeiten ähnlich, vor allem in Stuttgart, München oder Köln setzen umweltbewusste Gastronomen die Idee bereits in die Tat um.

In Rüsselsheim sieht es derzeit noch etwas mau aus, gibt Menges zu. Sie habe erst einmal in ihrem Ortsteil verschiedene Gastwirte angesprochen, da seien die Reaktionen verhalten gewesen.

"Schade" findet Beatrice Menges das, zumal der von ihr genauer untersuchte Schweizer Anbieter "ReCircle" die ersten drei Monate kostenfrei 50 Schüsseln zur Verfügung stellt, um die Möglichkeiten und die Annahme seitens der Gäste auszuloten. "Einen Versuch ist es wert", findet sie. Auch die Stadt hat sie als Partner angefragt, um ihr Anliegen zu verstärken.

Unterstützung von der Stadt denkbar

Die scheint der Idee gegenüber nicht abgeneigt, könne aber "bestenfalls als Moderator tätig werden und versuchen, den lokalen Einzelhandel für das Thema zu sensibilisieren und gegebenenfalls zu gemeinsamen freiwilligen Maßnahmen motivieren". Bund und Länder müssten hinsichtlich eines konkreten Gesetzes liefern. Und doch macht die Stadt auch Hoffnung: "Bei der Benutzung öffentlicher Einrichtungen oder öffentlichen Veranstaltungen wären weitergehende Verpflichtungen denkbar", heißt es aus dem Rathaus, wo man sich Gesprächen gegenüber offen zeigt - einen Gesprächstermin mit dem Bereich Umwelt und Naturschutz im neuen Jahr gibt es bereits. "Das ist super", freut sich Menges.

In den sozialen Medien habe es bereits zahlreiche Anfragen von Bürgern in die Richtung gegeben, und auch der Gewerbeverein habe grundsätzlich Interesse bekundet, berichtet sie.

Die Zeit dafür, sagt sie mit Nachdruck, ist reif. "Wir müssen nachhaltiger handeln, sonst schaufeln wir unseren Nachfahren ein Grab. Das klingt dramatisch, aber die Gesellschaft muss sich verändern." Dass Potenzial da ist, sieht sie bereits: "Die Menschen verändern sich. Viele denken bereits nachhaltiger."

Von Stella Lorenz

Mehr per Mail

Gastronomen, die sich für das Pfandsystem interessieren, können sich unter umweltinitiative.bauschheim@gmail.com melden.

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