Mit dem Gießarm kann effektiv bewässert werden. Foto: Alexander Seipp
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Mit dem Gießarm kann effektiv bewässert werden. Foto: Alexander Seipp

Grünflächen in Rüsselsheim

Kampf gegen die Trockenheit

Jeden Tag 120 000 Liter Wasser für die Pflanzen in der Stadt: Unterwegs mit dem Bewässerungsteam des Städteservice

Rüsselsheim-Ein seltsames Gefährt ist um kurz nach acht Uhr morgens auf dem Löwenplatz unterwegs. Von hinten sieht es wie ein normales Fahrzeug des Städteservice aus, doch vorne stimmt etwas nicht. Denn an der Spitze des Fahrzeugs ist ein merkwürdiger rüsselähnlicher Arm befestigt, mit einer Brause an der Spitze.

Paolo Amadu steuert das Gießfahrzeug. Trotz der sich schon auf dem Platz ausbreitenden Hitze hat er ein Lächeln im Gesicht. "Ich bin immer gut gelaunt", sagt er bescheiden. Dann setzt sich das Fahrzeug brummend in Bewegung. Amadu greift zu einem Steuerknüppel neben dem Lenkrad. Der Arm setzt sich in Bewegung und kommt über einem Blumenbeet zu stehen. Sanft rieselt das Wasser aufs Grün. Amadu wartet kurz, dann fährt er ein Stück nach vorne, um eine andere Stelle zu bewässern.

"Derzeit ist es wirklich schlimm, wir sind fast den ganzen Tag über im Einsatz", berichtet er nebenbei. 1800 Liter passen in sein Fahrzeug, aktuell fährt er jeden Tag vier Touren. Doch die Trockenheit ist in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. 2020 haben die Gärtner bereits im April mit dem Gießen begonnen, bis Ende September benötigt das Grün, gerade die frisch gepflanzten Bäume, dringend das Wasser. Selbst wenn es regnet, sind Amadu und seine Kollegen im Einsatz, denn selbst dann bekommen die Pflanzen nicht genug Wasser. Wegen der Trockenheit sind sie außerdem immer länger auf das Gießen angewiesen. Anstatt drei Jahren sind es mittlerweile je nach Art sogar sechs Jahre.

Der Arm schwenkt wieder weiter, diesmal auf eine der Platanen des Löwenplatzes. Freundlich bittet Amadu eine Rüsselsheimerin, sich einen anderen Platz zu suchen, dann nimmt er wieder in seinem Gefährt Platz. Diesmal drückt er einen anderen Kopf. Wieder schießt das Brunnenwasser (Trinkwasser wird entgegen der Befürchtungen mancher nicht verwendet) aus der Brause auf die trockene Erde rund um den Baum.

"Das Tolle an den modernen Maschinen ist, dass man ganz genau sehen kann, wie viel Wasser man gerade verbraucht", sagt Amadu und zeigt auf ein kleines Display. "Dort kann ich einstellen, wie viel Wasser ich nutzen will", erklärt der Gärtner und zeigt auf einen der beiden Balken, der mit Zahlen beschriftet ist. "Habe ich also einen Baum, stelle ich etwa 100 Liter ein und drücke auf Los."

Wenn die Pflanze dann die 100 Liter bekommen hat, stoppt das Fahrzeug automatisch das Wasser. Bei den Beeten ist das komplizierter, da muss Amadu nach Gefühl arbeiten. "Aber das ist kein Problem, ich bin lange genug in dem Job, irgendwann spürt man das einfach", sagt er lachend.

Amadus Fahrzeug gehört sogar zu den kleinsten des Städteservices. Zwischen 100 000 und 120 000 Liter Wasser gießen die Mitarbeiter der AöR derzeit in Rüsselsheim und Raunheim. Jeden Tag!

Doch selbst das reicht nicht. Nur ein Bruchteil der Grünfläche wird überhaupt bewässert. Daher hat der Städteservice auch die Bürger dazu aufgerufen, sich um das Grün vor ihrer Haustür zu kümmern. Alexander Seipp

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