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Konstruktiv: Petra Neumüller (Stadt Rüsselsheim), Sonja Schindel (Förderverein Wohnstätte Hertha Max) und Markus Behrend (Förderverein Theater) (von links) im Gespräch.

Konferenz

Wie kann jeder am kulturellen Leben in Rüsselsheim teilnehmen?

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Wie kann jeder am kulturellen Leben in Rüsselsheim teilnehmen? Mit dieser und anderen Fragen zur Inklusion beschäftigten sich die Teilnehmer der Kulturkonferenz 2018 in der Parkschule.

Nach gut zweieinhalb Stunden intensiver Arbeit zu später Stunde waren viele Teilnehmer der Kulturkonferenz schon etwas mitgenommen, da schaffte es Eckhard Kunze mit einer Kurzpräsentation, die Aufmerksamkeit noch einmal hochzufahren. Innerhalb von fünf Minuten legte der Kultur123-Leiter ein liebevoll illustriertes und recht konkretes Konzept für ein „Kultur- und Bildungszentrum“ vor. – möglicherweise im Opel-Altwerk, Darin vorgesehen: Mehrsparten-Werkstätten, Platz zum Gärtnern, bewegen und arbeiten. Am 5. Dezember soll das Konzept in der K123-Betriebskommission besprochen werden.

Bis dahin bliebe noch Zeit, die Ergebnisse der Kulturkonferenz 2018 einzuarbeiten – denn diese waren nicht weniger konkret. Schwerpunktmäßig beschäftigten sich die rund 40 Teilnehmer der Kulturkonferenz 2018 mit der Frage zu Inklusion und zur kulturellen Teilhabe bei Rüsselsheimer Kulturveranstaltungen

„Eine inklusive Gesellschaft ist eine, die alle Unterschiede annimmt und in der sich alle einbringen können“, sagte Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) zum Auftakt. Dabei spiele es auch eine Rolle, Berührungsängste und Barrieren im Kopf abzubauen. 

Handlungsempfehlungen

Der Impulsvortrag von Stadtmuseumsleiterin Dr. Bärbel Maul zum zweijährigen, mittlerweile beendeten Pilotprojekt „Stadtmuseum inklusive“ gab einen Überblick, wie Inklusion im Kulturbereich funktionieren kann. In Zusammenarbeit mit der Werkstätte für Behinderte (WfB) wurde ein beteiligendes Konzept umgesetzt.

Drei Botschaften hatte Maul für die Kulturschaffenden: „Erstens: Wenn man inklusiv arbeiten möchte, muss man es nicht alleine tun. Es gibt viele Partner“, so die Museumsleiterin. „Zweitens: Fangen Sie mit dem an, was Sie schon gut können. Daraus kann man oft schon etwas machen.“ Drittens solle man die Expertise derer, um die es geht, nutzen, um die Angebote auf die Bedürfnis zuzuschneiden.

Im anschließenden Workshop durften sich die Beteiligten die Botschaften zu Herzen nehmen und bei einer ersten Bestandsaufnahme in Gruppen über den Zustand der inklusiven Kulturlandschaft diskutieren, Angebotsideen und die dafür notwendigen Schritte entwickeln. Eingeladen waren auch Akteure der Behindertenförderung, die in jeder der drei Gruppen ihre Erfahrungen einfließen lassen konnten. 

Es gibt noch viel zu tun

Schnell kristallisierte sich heraus, dass bei Inklusion im Kulturbereich zahlreiche Faktoren ineinander greifen müssen – angefangen von der Mobilität und der Barrierefreiheit über das Programm bis hin zur Mitmach-Möglichkeit.

Im vorläufigen Fazit von Kultursteuerungs-Chef Christian Reiling nach dem Zusammentragen der Ergebnisse wurde deutlich: Es gibt viel zu tun für die Verantwortlichen des Kulturprofils 2015-2020, aber es gibt bereits gute Ansatzpunkte und Angebote, darunter die Partizipation in Musik- und Sportvereinen oder Veranstaltungen vor Ort in Behinderten-Einrichtungen.

Dass auch schon die Sprache ein Hindernis sein kann, machte Steffen Walther, Sprecher der WfB, deutlich. Er arbeitet an der Übersetzung des Kulturprofils in leichte Sprache. Eine Herausforderung: „Die Sätze müssen kurz, der Inhalt verständlich sein“, sagt er. Dabei sei der Wortumfang deutlich reduziert, um Behinderte, aber auch Migranten mit noch wenig Deutschkenntnissen zu erreichen. Er betonte: „Schwere Sprache ist eine Treppenstufe, leichte Sprache eine Rampe.“

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