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Etwas ramponiert, aber immer noch benutzbar: Für 50 Cent oder 20 Cent kommt aus diesem blauen Automaten in Rüsselsheim tatsächlich noch Süßes.

Nostalgie in Rüsselsheim

Kult-Objekte verschwinden: Lohnt sich das Geschäft mit den Kaugummi-Automaten noch?

Die guten alten Süßigkeiten-Automaten: Viele gibt es im Stadtbild von Rüsselsheim nicht mehr zu sehen. Ein paar kultige Bubblegum-Spender haben wir dann doch noch aufgetan. Wem gehören sie? Und lohnt sich das Geschäft überhaupt noch?

Rüsselsheim - Wer kann sich an die kompakten, metallenen und meist roten Behälter erinnern, die noch vor 10 Jahren an ganz vielen Zäunen hingen und Kinderaugen einen begehrlichen Blick entlockten? Sie waren immer mit ganz vielen bunten Kaugummis gefüllt, die nach dem Einwurf von 10 oder 20 Cent Stücken aus dem Ausgabefach kullerten. Wurde die Hand nicht schnell genug unter besagtes Fach gehalten, hüpften die Kaugummibällchen auch gerne vorwitzig auf die Straße.

Nach und nach sind die Automaten in den deutschen Städten immer weniger geworden. Auch in Rüsselsheim ist es gar nicht mehr so einfach, einen Kaugummi-Automaten zu finden.

In der Haßlocher Straße, unweit der Stadtunterführung, hängen zwei kleinere und ein großer Automat mit verschiedensten Kaugummi-Sorten. Daneben - nicht ganz kinderfreundlich - befindet sich ein Zigaretten-Automat. In den kleineren Kästen sind die runden Bubblegums, die Kindheitserinnerungen wecken. Und die Inflation hat vor den klebrigen Gummis in verschiedenen Geschmacksrichtungen anscheinend Halt gemacht. Denn für nur 20 Cent rollen die runden Gesellen, ohne Verpackung, aus dem Ausgabefach und machen auch heute noch Kinder - und Erwachsene - froh.

Spearmint und Co.

Der größere Kaugummi-Spender enthält dann die Sorten, die es auch in Supermärkten zu kaufen gibt. Allerdings sind Spearmint und Co. mit einem Euro am Automaten etwas teurer.

Die Automaten gehören einer Firma mit Sitz in Unnau im Westerwald. Inhaber ist Heiko Schütz. Anscheinend hat der gelernte Raumausstatter mit den Kaugummi-Kästen eine Marktlücke entdeckt. Denn im ganzen Rhein-Main Gebiet, wie beispielsweise auch in Hofheim, finden sich seine Automaten an Gartenzäunen wieder.

Es brauche mehr als 1000 Bubblegum-Spender, um davon leben zu können, heißt es in der Branche. Schütz kann das bestätigen. Wie viele der metallenen Automaten er im Rhein-Main Gebiet aufgehängt hat, verrät er jedoch nicht. "Die Konkurrenz", meint er entschuldigend zur Verweigerung der Angabe. Doch er würde noch weitere Automaten aufhängen, gibt er zu. Warum Kinder und Erwachsene die Kaugummi-Spender auch heute noch fasziniert?

"Die Neugierde wird geweckt. Eine gewisse Spannung entsteht, weil man ja nie genau weiß, welche Farbe aus dem Ausgabefach rollt", meint der Unternehmer erklärend. Manche Automaten enthielten zudem keine Kaugummis, sondern bunte Spielzeugringe.

Ein einfaches Geschäft

"Da passiert das gleiche, denn es ist ja nie klar, welcher Ring aus dem Automaten kullert", so Schütz.

Zudem sei es für die Kinder eine erste Möglichkeit, ein ein faches Geschäft zu tätigen. In einem Laden ginge das ja nicht so einfach. Die kleinen und großen Kunden liebten bei den Spielzeugen vor allem was glitzert und glibbert. Favoriten bei den Kaugummi-Sorten gebe es nicht wirklich. Für ihn als Automatenbetreiber sei vor allem die Technik und die Funktionsweise der Automaten ohne Strom interessant. Er kenne die Warenspender in und auswendig. Wenn sie mal kaputt gingen, repariere er sie in der eigenen Werkstatt, sagt Heiko Schütz.

Einzig die ewigen Schmierereien an den Kästen machten ihm Sorgen. "Natürlich ist es schöner, wenn die Automaten sauber sind", sagt der Unternehmer. Die Immobilienbesitzer, die ihm die Erlaubnis geben, einen Warenspender an ihrem Zaun montieren lassen, erhielten im Gegenzug eine Umsatzbeteiligung. Trotzdem sei es nicht so einfach, Standorte für neue Automaten zu finden. Schütz ist sich aber sicher: "Die Kaugummi-Automaten werden nie out sein."

von Daniela Hamann

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