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Fröhlich, freundlich und einsatzfreudig: So behalten ihn viele in Erinnerung ? TTC Ginsheims Thomas Hummel (links), hier im Doppel mit Martin Kohler).

Bialnz

Keine Rückschau ohne Ausblick

Zum Jahresende blicken unsere Mitarbeiter auf ihre ganz persönlichen, auf besondere oder emotionale Sportmomente zurück – und zugleich auch nach vorne.

Echo-Fotograf Raphael Schmitt verbindet einen seiner schönsten Sportmomente des Jahres mit einem seiner Fotos, das er bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften Anfang Juli im Erfurter Steigerwaldstadion gemacht hat. In Erfurt war er nicht ausschließlich für unsere Zeitung im Einsatz, sondern hat in Kooperation mit einer Fotoagentur vor allem auch Bilder an die großen nationalen Agenturen dpa und Imago geliefert.

Es war früher Nachmittag. Die Sonne hat die Südkurve des Steigerwaldstadions in warmes Licht getaucht. In Kürze stehen die 200-Meter-Vorläufe der Frauen an. Entgegen vieler meiner Fotografenkollegen, die zu diesem Zeitpunkt sich den besten Platz am anderen Ende des Stadions – in der Kurve hinter der Ziellinie – suchen, entscheide ich mich bewusst gegen die naheliegende Variante und kauere auf Knien – etwas unbequem – bereits seit einigen Minuten hinter der Werbebande in der Südkurve. Wenige Meter hinter mir hat der Kameramann der TV-Kollegen von ARD und ZDF auf seinem Podium einen deutlich angenehmeren Job. Aber was tut man nicht alles für eine interessante Perspektive und ein gutes Foto.

Vor mir liegt der freie Blick auf den 200-Meter-Start. Weitere Fotografen: Fehlanzeige. Die Athletinnen sind gerade bei ihren Startvorbereitungen. Mit dabei auch eine der deutschen Sprinthoffnungen auf der halben, als auch der ganzen Stadionrunde: Laura Müller vom LC Rehlingen. Sie läuft auf Bahn 6 und ist in ihrem Vorlauf klare Favoritin. Ich konzentriere mich ganz auf ihre Bahn und habe zuvor hinter der Bande meine Position bereits so gewählt, dass ich direkt in der Flucht ihres Startblocks bin.

Laura Müller sitzt gerade im Block und konzentriert sich. Ich habe sie bereits im Fokus meines Teleobjektivs. Und dann plötzlich der entscheidende Augenblick: Als ob ich sie darum gebeten hätte, hebt Müller kurz den Kopf, die Stirn leicht in Falten gelegt und schaut genau zu mir herüber. Ich drücke instinktiv auf den Auslöser meiner Kamera und fange den Moment ein. Auch wenn das Bild nur während ihrer Startvorbereitungen entstand, ist es für mich eine der schönsten Aufnahmen des letzten Jahres.

Als wenig später schließlich der Startschuss ertönt, stürmt Laura Müller erwartungsgemäß der Konkurrenz auf und davon und überquert die Ziellinie in der WM-Norm von 22,85 Sekunden. Im Finale am Abend steigert sie sich sogar auf die neue persönliche Bestmarke von 22,65 und gewinnt souverän den Deutschen Meistertitel.

Umso mehr freue ich mich. eben genau diesen einen besonderen Moment vor dem Start des Vorlaufs festgehalten zu haben. Zudem bin ich davon überzeugt, dass die seit wenigen Tagen nun erst 22 Jahre alte Athletin den deutschen Leichtathletikfans in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten wird. Vielleicht sorgt sie bereits 2018 bei der EM im Berliner Olympiastadion für eine Überraschung. Raphael Schmitt

Der VfB Ginsheim profitiert, das sehe ich nicht alleine so, vom FSV Mainz 05. Denn im Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten haben sich einige heutige VfB-Fußballer weiterentwickelt. Aber die Nähe zu Mainz ist auch ein Nachteil für den Hessenligisten. „Wenn die Nullfünfer zu Hause spielen, ist bei uns nichts los“, sagte Marcus Spahn während der Hinrunde einmal. Der Sportliche Leiter des VfB spielte damit auf die Tatsache an, dass es viele Fußballfreunde von der Mainspitze mit dem FSV halten – und eben lieber zur Opel-Arena fahren, statt ein zeitgleiches VfB-Heimspiel zu besuchen.

Ohnehin ist das Zuschauerinteresse auch durch den erstmaligen Hessenliga-Aufstieg in der Vereinsgeschichte der Blau-Weißen nicht größer geworden. Nur rund 190 Leute im Schnitt haben die zehn Auftritte des Neulings im Ginsheimer Jugend- und Sportpark besucht. Allein der OSC Vellmar (180 Besucher) und Viktoria Griesheim (160) haben einen noch geringeren Zuschauerschnitt.

Die, die zum VfB kamen, erlebten eine selbstbewusste Heimelf. Eine, die ihren in der Regel finanzstärkeren, hochklassig besetzten Gegnern mit viel Offensivgeist begegnete. Insgesamt 25 Punkte hat das Team des Trainerduos Carsten Hennig/Artur Lemm in 20 Saisonpartien gesammelt. Damit überwintert der VfB auf dem elften Tabellenplatz, einem Nichtabstiegsrang. Längst hat sich das Team, das vor der Saison gerne mal als Abstiegskandidat genannt wurde, Respekt in der hessischen Eliteklasse verschafft.

Das macht Lust auf die Restrückrunde, in die der VfB am 3. März (15 Uhr) mit einem Heimspiel startet. Dann geht es gegen den SV Rot-Weiß Hadamar – und vielleicht ja mit einer stattlichen Zuschauerkulisse.

Übrigens: Der Zuschauerschnitt der gesamten Liga ist mit rund 340 nicht viel besser als der Ginsheimer. Wobei Besucherkrösus Borussia Fulda, zu dessen Heimpartien im Schnitt fast 1000 Fußballfreunde kommen, den Schnitt noch deutlich hebt. Dirk Winter

Im vergangenen Jahr war ich vor allem von den Wasserballern des Rüsselsheimer Schwimm-Clubs beeindruckt. Nach vielen Jahren ohne Hallenbad und wegen dadurch fehlender Trainingsmöglichkeiten außerhalb der Sommermonate hatte sich erst vor zwölf Monaten eine neue Mannschaft gebildet. Ein Pluspunkt für das wiedererlangte Interesse war hier vor allem, dass mit der Traglufthalle übers ganze Jahr trainiert werden kann.

Obwohl die Spieler/innen mit großem Einsatz in jeder Trainingseinheit und in allen Spielen dabei waren, wurden alle Spiele in der Oberliga Hessen verloren. Das RSC wurde direkt in die Oberliga Hessen eingegliedert, da es aufgrund der zahlreichen Auflösungen von Wasserballteams keine Bezirksligen mehr gibt.

Als bereits die Vermutung aufkeimte, die Rüsselsheimer würden sich nach einem Jahr wieder zurückziehen, da für den Start 1500 Euro an Verbandskosten zu entrichten sind, machten die Verantwortlichen Nägel mit Köpfen – und konnten im Sommer mit Jürgen Gäbler einen erfahrenen Wasserballtrainer verpflichten, der in früheren Jahren bereits beim RSC tätig war. Für ihre Ausdauer wurden die Rüsselsheimer mit weiteren neuen Spielern belohnt, die sich dem Klub angeschlossen haben. Dazu haben inzwischen auch einige Jugendliche das Interesse am attraktiven Wasserball gefunden.

Dass all dies ohne künftige Spielmöglichkeiten im neuen Rüsselsheimer Hallenbad zustande kommen wird, ist ebenfalls besonders beeindruckend. Warum aber die Veranwortlichen auf Einwände der RSC-Verantwortlichen nicht reagierten, ist schwer zu verstehen. Im kommenden Jahr ist dazu aufgrund der Sanierung des Freibades das gesamte Jahr über keine Spielmöglichkeit vorhanden.

Dass Einsatz und Engagement der Aktiven und Verantwortlichen dennoch sogar gestiegen sind, spricht für sich. Der Wunsch der Rüsselsheimer Wasserballer für 2018 ist klar: endlich der erste Sieg in der Oberliga. Wasserball in Rüsselsheim hat Zukunft – vor allem dann, wenn die Verantwortlichen im Jugendbereich richtige Ideen haben. Stephan Stähler

Die Trauer um den allseits beliebten Ginsheimer Bezirksoberliga-Spieler Thomas Hummel hat das lokalsportliche Geschehen im Tischtennis im ausklingenden Jahr überschattet. Hummel verstarb kurz vor Beginn der Runde an einer heimtückischen Krankheit, die er zuvor bereits einmal besiegt hatte.

Der Tod des 47-Jährigen hinterlässt bei seinen Ginsheimer Sportkameraden ebenso wie bei benachbarten Vereinen eine große Lücke, hatte sich Hummel in seinen 23 Aktivenjahren beim Mainspitz-Klub durch sein stets so fröhliches und freundliches Wesen großer Beliebtheit erfreut. Auch in sportlicher Hinsicht hat er eine große Lücke in seinem Verein hinterlassen. So kämpft sein Team in der Bezirksoberliga (Gr. 2) wieder einmal „nur“ gegen den Abstieg und hat angesichts eines Vorsprungs von nur einem Zähler auf die Abstiegsränge eine schwere Rückrunde vor sich.

Sportlich gesehen lief es für einige der Ginsheimer Konkurrenten im abgelaufenen Jahr dagegen sehr gut, durften doch gleich drei Aushängeschilder am Ende der Spielzeit 2016/17 Aufstiege feiern. So rückte der SVA Königstädten nach der Vizemeisterschaft in der BOL-Gruppe 1 über die Relegationsspiele ebenso in die Südgruppe der Verbansliga auf wie die Damen des TTC Ginsheim, die nach vielen Jahren durch den Titelgewinn im Bezirksoberhaus (Gr. 1) in ihre angestammte Spielklasse zurückkehrten.

Beide Vereine konnten sich auf Anhieb eine Etage höher etablieren, so rangieren die Alemannen hinter dem TTC Lampertheim II auf einem starken zweiten Platz, während auch die Ginsheimerinnen nach 10:8 Punkten sorgenfrei in die Rückrunde starten dürfen.

Einen schwierigeren Start hatte der TSV Raunheim, der nach dem Bezirksliga-Titel erstmals in die Bezirksoberliga aufrückte. Nach 0:14 Punkten hat sich der Liganeuling durch ein Hinrunden-Finish mit 5:3 Punkten aber in die Nähe der Nichtabstiegsränge verbessert – und darf wieder auf den Ligaerhalt hoffen. Das Prinzip Hoffnung gilt auch für die SKG Bauschheim, die nach nur einem Sieg im ersten Saisonabschnitt in der Verbandsliga ebenfalls dringend Punkte gegen den Abstieg benötigt. Lars Monzheimer

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