Spurensuche in der heutigen IKS: die ?goldenen Abiturienten? Hans-Peter Breitenbach, Edith Raddatz und Rolf Schultheis (v.l.)
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Spurensuche in der heutigen IKS: die ?goldenen Abiturienten? Hans-Peter Breitenbach, Edith Raddatz und Rolf Schultheis (v.l.)

Immanuel-Kant-Schule

Kennenlernen statt Wiedersehen

1967 haben Hans-Peter Breitenbach, Edith Raddatz und Rolf Schultheis an der Immanuel-Kant-Schule das Abitur bestanden. 50 Jahre später kehrten sie zurück. Doch eine Rückkehr war es eigentlich nicht, eher ein erstes Kennenlernen.

Heute wäre das unvorstellbar: Der Lehrer kommt mit einem Traktor an die Schule und lädt ein gutes Dutzend Schüler zu einer Spritztour durch die Stadt ein. 1967 haben Sicherheitsbedenken keinen gekümmert. „Heinz Häffner war unser Klassenlehrer und hat das nach bestandener Prüfung mit uns unternommen“, erinnern sich Hans-Peter Breitenbach, Edith Raddatz und Rolf Schultheis, IKS-Abiturienten des Jahres 1967, noch bestens. Ein Unfall ist glücklicherweise nicht passiert.

Nichts dagegen sprach schon damals gegen den Abi-Ball. „Den haben wir im Adlersaal gefeiert. Wir Jungs trugen damals alle auf dem Kopf einen Zylinder“, weiß Hans-Peter Breitenbach auch deswegen, weil er an diesem Abend der ungekrönte Tanzkönig war.

Lang ist es her

Lang ist es her, dass Hans-Peter Breitenbach, Edith Raddatz und Rolf Schultheis mit zwölf weiteren Klassenkameraden (Kurse im heutigen Sinne gab es damals noch nicht) ihr Abitur bestanden haben. Am Wochenende wollen sie alle das „goldene Abitur“ groß feiern, allerdings nicht in Rüsselsheim. Zusammen mit den Partnern lassen es sich die heute im besten Seniorenalter stehenden ehemaligen IKS-Schüler auf Schloss Burgellern bei Bamberg gutgehen.

Das 25-Jährige feierten sie noch in Nauheim, das 30-Jährige dann auf Helgoland. Denn drei Jahrzehnte zuvor war die Nordseeinsel Ziel der Klassenfahrt gewesen. Das 35-Jährige feierten alle in einem Rüsselsheimer Weinhaus, das 40-Jährige in der Pfalz, das 45-Jährige an der Mosel. Die Schule selbst blieb allerdings immer außen vor.

Doch den 50. Jahrestag nutzte jetzt zumindest das Trio, um an der IKS unter der Leitung von Rainer Guss noch einmal den liberalen Geist zu schnuppern, der schon damals in den Gängen und Sälen des inzwischen 121 Jahre alten Gymnasiums herrschte. „Die IKS war schon vor einem halben Jahrhundert sehr liberal“, sind sich die drei goldenen Abiturienten einig.

Es war allerdings eine andere Zeit. In der ersten Hälfte der 60er-Jahre sorgten beispielsweise die Frisuren der Beatles für Entsetzen bei den Erwachsenen. Später waren es bei den Mädchen die Miniröcke, die so manchen schockierten. „An der IKS war das jedoch kein Thema, wohl aber bei unseren Eltern“, erzählt Edith Raddatz.

15 Schüler in der Klasse

Nach dem Abi gingen die 15 Schüler von Heinz Häffner erst einmal ihre eigenen Wege. Studium, Ausbildung, Familie – das alles war wichtiger als regelmäßige Treffen. Hans-Peter Breitenbach wurde Rechtsanwalt, Edith Raddatz Medizinerin, Rolf Schultheis Diplom-Ingenieur. Viele zogen schnell weg aus Rüsselsheim.

Seit dem 25. Abi-Jahrestag kommen sie aber alle fünf Jahre zusammen. Manche reisen dafür gerne mehrere hundert Kilometer an. „Wir waren damals nur 15 in der Klasse, 14 davon leben noch. Das machte den Kontakt über all die Jahre einfacher“, berichtet Rolf Schultheis. Doch bis auf einen früheren Schulkameraden haben mittlerweile alle der Opelstadt den Rücken gekehrt.

Wer sich in der Nachkriegsgeschichte von Rüsselsheim beziehungsweise der IKS gut auskennt, dürfte allerdings einen Einwand haben: 1967 konnten Hans-Peter Breitenbach, Edith Raddatz und Rolf Schultheis ihr Abitur an der IKS wie man sie heute kennt, gar nicht bestanden haben. Denn damals befand sich das Gymnasium noch an der Stelle, wo heute die Grundschule Innenstadt ist.

Und so war zumindest für Hans-Peter Breitenbach, Edith Raddatz und Rolf Schultheis der Besuch bei Schulleiter Guss keineswegs eine Rückkehr an die „alte Penne“. Im Gegenteil: „Wir sind zum ersten Mal hier“, staunten sie nicht schlecht über das auf seine Weise markante Gebäude-Ensemble. Dennoch oder gerade deswegen nahmen sich Schulleiter Guss und Geschichtslehrer Franz Horvath die Zeit, den drei Ehemaligen die IKS der Gegenwart zu zeigen. Eine IKS, in der die Werte des großen Philosophen Kant (1724 bis 1804) wieder größer geschrieben werden sollen. Und eine IKS, in Julius Simon (IKS-Leiter von 1949 bis 1967 sowie Initiator der Namensgebung) wieder mehr ins Bewusstsein der Schüler gerückt werden soll.

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