Werke im öffentlichen Raum

Sam Khayari entwickelt einen digitalen Kunstführer

Sam Khayari darf als Shooting-Star der Rüsselsheimer Stadt-und Kunstszene gelten: Jetzt scheint es, dass der Dichter, Maler und Fotograf, der im Crossover viele Sparten verbindet, sowie analoges und digitales Schaffen eint, die Politik für sich gewinnt.

Am Samstag kam Sam Khayari etwas verspätet mit Lederjacke und Hut zum Ortstermin auf dem Friedensplatz: Wann gab es das zuletzt, dass Vorsitzende und Mitglieder politischer Parteien mit nachsichtigem Schmunzeln auf einen Künstler warteten?

Und doch hieß es salopp: „Er ist der Künstler, er darf das.“ Allen voran war es Olaf Kleinböhl (SPD), der zu dem Treffen der Politikvertreter mit dem Künstler eingeladen hatte. „Thema ist eine App, die Sam Khayari derzeit entwickelt und die sich der Kunst im öffentlichen Raum annimmt.

Er fotografiert die Objekte, versieht sie mit Anekdoten und Gedanken und gibt so den Rüsselsheimern sowie auch Besuchern einen digitalen Kunstführer an die Hand“, erläuterte Olaf Kleinböhl. Das Treffen mit Spaziergang zu mehreren Innenstadtkunstwerken ging der Sitzung des Kulturausschusses am Mittwoch (31. Oktober) voraus, um vor der Abstimmung über Pro und Contra zur städtischen Unterstützung der App nochmal einen Eindruck vom Projekt zu bekommen.

Sam Khayari, vom dem Porträts, die auf lyrischen Versen fußen, noch bis Mitte Januar im Kunstraum Enza zu sehen sind, und dessen Stadtfotografien ihren festen Platz im Bistro „Mitch“ am Bahnhof haben, schob den Hut zurück und führte aus: „Ich nenne mich einen Kreativnomaden, weil ich in meiner Stadt mit wachen Augen unterwegs bin, mich von ihr inspirieren lasse und daraus Ideen entwickle.

Jetzt bin ich seit einiger Zeit auf der Spur der Kunst im öffentlichen Raum – von Kriegerdenkmalen über Skulpturen der sechziger bis achtziger Jahre bis zum Kunstpfad im Mainvorland. Dabei entstand der Gedanke, Kunst im öffentlichen Raum digital zu dokumentieren. Es handelt sich um eine App, die es als Prototyp im Netz schon gibt, die aber noch wissenschaftlich untermauert werden soll.“ Kleinböhl dazu: „Über Christian Reiling von der Kultursteuerung kam Kontakt zu Kunst-und Anthropologiestudenten der Uni Mainz zustande, die Sams künstlerischen Blickwinkel mit Daten und Fakten zu den Kunstwerken ergänzen.“

Ein spannendes Vorhaben also, bei dem Rüsselsheim im Zusammenwirken von realer und digitaler Welt auf kulturellem Gebiet manch größerer Stadt voraus wäre. „Anfangs gab es in der Politik fast nur Ablehnung – mittlerweile hat sich der Wind gedreht.

Am Mittwoch legen Studenten aus Mainz in der Ausschusssitzung ihre Arbeit an der App mit Sam Khayari dar“, so Kleinböhl. Die Verlegerin Christel Göttert, Schwiegertochter des 2008 verstorbenen Willi Göttert, der maßgeblicher Initiator des Friedenssteins (Mahnmal zum Atombombenabwurf in Hiroshima und Nagasaki) auf dem Friedensplatz war, sagte: „Für den Friedensstein als Kunst im öffentlichen Raum wäre eine Stele mit analoger Information sowie Fingerzeig auf die Kunst-App Rüsselsheim sinnvoll, damit auch ältere Menschen damit was anfangen können.“ Überhaupt: Ein Hinweis auf diesen digitalen Touristenführer der Zukunft an allen öffentlichen Kunstwerken, wäre sicher ein bedenkenswerter Anstoß. Und so schien es an diesem Samstag, als könnte der junge Künstler Sam Khayari, der real und digital stets auf übergreifende, integrative Vernetzung setzt, Politik und Kunst der Stadt in Kürze durch sein App-Projekt einen.

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