Welt- und Europameister Marco Koch trainiert derzeit im Rüsselsheimer Lachebad. Foto: Stadt Rüsselsheim/frank Möllenberg
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Welt- und Europameister Marco Koch trainiert derzeit im Rüsselsheimer Lachebad.

Sport

Kilometer machen vor Olympia

Leistungssportler brauchen Trainingsmöglichkeiten: Star-Schwimmer Marco Koch trainiert deshalb im Lachebad, das auch im Lockdown in Betrieb ist.

Rüsselsheim -Seit einem Jahr ist das Lachebad bereits geschlossen. Mal abgesehen von zwei Wochen im Herbst, als Vereinsmitglieder kurz im Becken ihre Bahnen ziehen durften. "Das ist gerade keine tolle Zeit", sagt Anette Tettenborn, die Leiterin des Amtes für Sport und Bewegung.

Allerdings ist das Hallenbad nicht für jedermann geschlossen. Und deshalb sieht sich das Rathaus veranlasst, darüber zu informieren, wer denn im Hallenbad so alles schwimmen darf und schwimmt. Denn die Verwaltung erhalte durchaus Anrufe aus der Bevölkerung, ob im Hallenbad alles mit rechten Dingen zugehe, wenn dort Licht und Bewegungen zu sehen seien.

Bei persönlichen Anrufen könnten die Nachfragen beantwortet und Gerüchte aufgeklärt werden. Unqualifizierte Bemerkungen in den sozialen Medien kritisiert Tettenborn indessen.

"Wir machen nichts Unrechtes", betont sie. Die Schwimmmeister der Stadt dürfen sich im Hallenbad auf Prüfungen und die Saison vorbereiten, der Auszubildende zum Fachangestellten für Bäderbetrieb ebenfalls auf die Prüfung. Auch die Sport-Abiturienten haben eine Genehmigung. Seit Februar ist den Schwimmern der DLRG das Training erlaubt. Rehabilitationssport ist ebenfalls dabei.

Bereits seit Juli vergangenen Jahres haben die Kaderathleten die Erlaubnis, im Hallenbad zu trainieren. Etwa zehn Schwimmer nutzen diese Gelegenheit. Unter ihnen befindet sich Marco Koch. Der Welt- und Europameister bereitet sich aktuell auf die Olympischen Spiele vor. Die Leistungssportler brauchten die Trainingsmöglichkeit, erklärt Tettenborn. Und sie fühlten sich dabei nicht unbedingt wohl.

Koch bestätigt diese Einschätzung. "Die Erlaubnis für das Training im Hallenbad hat schon einen faden Beigeschmack", räumt er ein. Es mache ihn traurig, dass ihm Eltern schrieben, ihre Kinder könnten nicht trainieren. Die Situation sei für den deutschen Sport insgesamt schwierig zu verkraften. Er indessen schwimme auf einem hohen Niveau, bereite sich auf die Olympiade vor, das Training sei unabdingbar.

Schwierig für den Nachwuchs

Natürlich genieße er mit dem Training ein Privileg. Er verdiene als Profi mit dem Schwimmen jedoch auch Geld. Wenn er seinen Sport nicht ausüben dürfe, werde ihm die Existenz geraubt.

Für den Nachwuchs im deutschen Schwimmsport sei die Situation natürlich schwierig, sagt Koch. Seine Trainerin Shila Sheth rechnet damit, dass mehrere Jahrgänge, die jetzt nicht trainieren können, wegbrechen.

Der in Langen lebende Koch fühlt sich im Rüsselsheimer Hallenbad wohl, hier könne er ungestört seine Bahnen ziehen. Manchmal trainiert er wöchentlich drei bis vier Mal in Rüsselsheim. Zusätzlich trainiert er noch beim Landessportbund in Frankfurt.

Er kannte sogar das alte Hallenbad der Opelstadt, wo er mal Hessenmeister wurde. Das neue Becken könnte ein wenig tiefer sein, denn bei seinen langen Tauchzügen berühre er durchaus auch mal den Beckenboden.

Tettenborn erklärt, der Hallenbadbetrieb werde wegen der Pandemie entzerrt. Sowohl vormittags als auch nachmittags ist der Trainingsbetrieb auf zwei bis drei Stunden verteilt, schildert Martin Schwabe vom Bäderbetrieb.

Technik läuft normal weiter

Wegen des Trainings der Wassersportler läuft der technische Betrieb des Hallenbades wie gewohnt weiter. "Es ist ohnehin schlecht, wenn die Anlage steht. Wenn das Wasser steht, bilden sich Keime", gibt Schwabe zu bedenken.

Die Techniker seien also wie gewohnt jeden Morgen im Bad, um Wasserproben zu nehmen sowie um den Rohwasserspeicher und das Wasser im Becken zu prüfen.

Tettenborn hat übrigens seit Anfang Februar einen neuen Stellvertreter. Karsten Schwarz war zuvor neuneinhalb Jahre im Fachbereich Gebäudewirtschaft tätig und suchte eine neue Herausforderung. Er ist in den Sportstätten für die Überwachung, die Sanierung und den Umbau, aber auch für Veranstaltungen zuständig. Von Rüdiger Koslowski

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