Nicht alles eitel Sonnenschein: Die hohe Geburtenzahl in Raunheim bringt auch Probleme mit sich.
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Nicht alles eitel Sonnenschein: Die hohe Geburtenzahl in Raunheim bringt auch Probleme mit sich.

Bevölkerungswachstum schafft große Herausforderungen

Kinder-Boom in Raunheim wirkt sich aus

Raunheim ist jung, Raunheim wächst. Klingt gut. Für die Stadt ist das allerdings eine große Herausforderung.

Die Bevölkerung Raunheims ist die zweitjüngste in Hessen. Nur Gießens Einwohner sind mit einem Durchschnittsalter von knapp unter 40 Jahren jünger. 22 Prozent der Einwohner Raunheims sind jünger als 22 Jahre. Die Zahl der Geburten ist nach Auskunft des statistischen Landesamtes in den vergangenen Jahren stets gestiegen. Von 135 Geburten im Jahr 2002 auf 219 Geburten im Jahr 2015.

Dies wirkt sich auch auf die Plätze in den Kindertagesstätten aus. Ende 2013 waren 575 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren bei den Kitas angemeldet, Ende 2015 waren es 652 Mädchen und Jungen, informiert Kerstin Mohr, die den Fachbereich Soziales und Kultur leitet.

Einwanderer machen bei den jungen Menschen den größten Anteil bei den Geburten sowie bei den Kindern und Jugendlichen aus. Hinzu kommen Flüchtlinge. Als Zuzugsländer nennt sie beispielhaft Griechenland und Spanien, wo die Leute mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben und deshalb nach Deutschland auswandern. In diesen Ländern hätten große Familien Tradition. „Familien aus diesen Ländern haben der Erfahrung nach mehr Kinder“, sagt sie, was sie aber nicht als Vorurteil verstanden wissen will. Dies würden auch die Anmeldungen für die Kindertagesstätten bestätigen, sagt Cornelia Geisler, sie verwaltet die Platzvergabe und die Voranmeldungen.

Einerseits bewertet Mohr den jungen Altersdurchschnitt und die hohe Nachwuchsrate positiv. „Es ist schön, wenn man viel Leben in der Stadt hat“, sagt die Fachbereichsleiterin. Vereine, Schulen, Kindertagesstätten, überall werden junge Leute und Eltern gesucht, die sich engagieren.

Andererseits sei die wachsende Bevölkerungs- und Kinderzahl durchaus eine Herausforderung für die Stadt, stellt die Fachbereichsleiterin fest. Durch die inzwischen auf mehr als 16 900 gewachsene Bevölkerung entstehe ein Wohnungsdruck, aus dem zudem Menschen Kapital schlagen, in dem sie beispielsweise Keller und Garagen vermieten, die gar nicht als Wohnraum vorgesehen sind.

Einwohnerzahl stabilisieren

Die Verwaltung bringt deshalb in der kommenden Woche in der Stadtverordnetenversammlung nicht nur einen Sachstandsbericht über die Bevölkerungsentwicklung ein, sondern schlägt auch Schritte zur mittelfristigen Stabilisierung der Einwohnerzahl vor. Beispielsweise soll über die Einschränkung von illegalem Wohnraum der Zuzug beschränkt werden.

Außerdem haben die steigende Zahl der Geburten und der Zuzug von Familien mit kleinen Kindern Auswirkungen auf die Kindertagesstättenplätze. „Jede Familie hat einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr“, sagt Mohr. Die Stadt will aber nicht nur dieser Vorgabe nachkommen, sondern auch für die bestmögliche Förderung sorgen.

Sie unterhält jetzt schon sieben eigene Kindertagesstätten. Hinzu kommen zwei konfessionelle Einrichtungen und die U3-Betreuung Kolibris in freier Trägerschaft. Die Kitas kosten die Stadt 2,9 Millionen Euro jährlich, sie unterstützt auch die konfessionellen und die freie Einrichtung. Jetzt baut die Stadt in der Heinrichstraße noch eine achte Kindertagesstätte für vier Gruppen und die Einrichtung Farbenfroh wird erweitert.

Mit Blick auf die Pestalozzischule weist Mohr auf die mittlerweile achtzügige erste Jahrgangsstufe hin. Sie prognostiziert für die Zukunft sogar neun erste Klassen. Das werfe Fragen auf: Bleibt es bei einer Grundschule? Muss die Schule räumlich verändert werden? Schulleiter Simon Reiss hatte bereits mögliche Umbauten erwähnt. Die Anne-Frank-Schule hat laut Mohr dagegen noch Potenzial bei den Räumen.

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