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SSV_Schwimmschule, Henning Koes.

Schwimmschule in Raunheim

189 Kinder auf der Warteliste: Keiner wird ins kalte Wasser geworfen

Die Kapazitätsgrenze der Raunheimer SSV-Schwimmschule ist erreicht, die Warteliste ist lang. Denn Eltern liegt viel daran, dass ihre Kinder schwimmen können.

Die ehrenamtlich betriebene Schwimmschule der Sport- und Sängervereinigung Raunheim boomt. 189 Kinder stehen auf der Warteliste. „Und es werden immer mehr“, berichtet Manfred Löchel, der die Schwimmschule 1999 mit ins Leben rief. Beim Training der Anfänger und den Kursen für die Freischwimmerabzeichen tummeln sich 42 Kinder, es ist damit voll besetzt. Löchel schreibt dem guten Händchen der Trainer den Erfolg zu. „Wir sind immer freundlich und nett zu den Kindern“, versichert er. Zwang kenne die Schwimmschule nicht. „Wir singen auch mal das Lied Alle meine Entchen“, erzählt er. Es ist ihm fast ein wenig peinlich. Bei dem bekannten Kinderlied steht die Textstelle „Köpfchen unter’s Wasser“ im Fokus. Denn das Lied soll den kleinen Schwimmanfängern helfen, ihren Kopf mutig unter der Wasseroberfläche zu halten.

Die beiden Brüder Steffen und Henning Koes, die neben Löchel den Übungsbetrieb leiten, machen ihre Sache augenscheinlich gut. Intensiv gehen sie auf ihre Schützlinge ein. „Charlotte, stell Dich mal hin und mach die Armbewegung“, fordert der 37-jährige Henning Koes ein Mädchen auf. „Meine Freunde, alle schwimmen rüber zum Beckenrand“, gibt der ein Jahr jüngere Steffen Anweisungen. Die Strecke im Hallenbadbecken bewältigt, planschen die Kinder kräftig mit den Beinen im Wasser. „Schwimmen lernen boomt immer“, erklärt sich Steffen Koes den großen Zuspruch für die Schwimmschule. Er ist sich sicher, dass der Zulauf einen praktischen Hintergrund hat. „Lache, Main und Waldsee sind in der Umgebung, die Eltern wollen, dass ihre Kinder schwimmen können“, betont er. Wer schwimmen kann, minimiere die Gefahr des Ertrinkens und könne eventuell sogar in Not Geratene retten.

Löchel erinnert sich noch gut an die Anfänge der Schwimmschule. Der 78-Jährige rief 1970 mit Erwin Oesterich die Schwimmabteilung der SSV ins Leben. 29 Jahre später wollten die Wassersportler ihren Nachwuchs selbst rekrutieren. „Da hatten wir die Idee, eine Schwimmschule zu gründen“, erzählt er. Mit 14 Kindern und zwei Trainern startete das Projekt. Der Ansturm war enorm, schnell war Verstärkung notwendig. „Wir konnten uns kaum retten vor Kindern“, erzählt Löchel stolz. Beim Rückblick stellt er fest, dass die Kinder früher scheuer gewesen seien und mehr Angst vor dem Wasser gehabt hätten. Heute sei der Nachwuchs unerschrockener. Der Wandel der Bevölkerungsstruktur spiele dabei vielleicht eine Rolle. Denn Löchel findet, dass die Kinder mit Migrationshintergrund ein wenig forscher seien, auch wenn es unter ihnen ebenfalls zurückhaltende Kinder gebe, die behutsam an das Wasser gewöhnt werden müssen.

Haben Anfänger Angst, bringen die Trainer sie vorsichtig mit Wasser in Kontakt. Das Gesicht mit Wasser benetzen und auf dem Arm des Trainers ins Wasser getragen werden – das lässt das Hallenbad schnell wie ein harmloses Planschbecken aussehen. Mutige Kinder müssen die Trainer dagegen auch mal im Zaum halten, erzählt Steffen Koes. „Sie sind jedenfalls sehr motiviert, das Element Wasser ist ja auch spannend“, schreibt er dem Wasser einen ganz besonderen Reiz zu. Spielerische Übungen sollen den Bewegungsablauf im Wasser automatisieren. Jede Stunde wird mit einer Spielzeit abgeschlossen. Der Erfolg ist natürlich auch von den Kindern selbst abhängig. Einige erhalten nach dem ersten Kurs mit zehn Stunden das Seepferdchen, andere dagegen nach drei Kursen.

Übrigens: Bei der SSV-Schwimmschule gibt es das Abzeichen nicht wie üblich, wenn die Kinder 25 Meter schwimmen können, sondern erst nach 50 Metern. „25 Meter sind leicht zurückgelegt. Wir wollen aber sicher sein, dass sich die Kinder lange über Wasser halten können“, erklärt Steffen Koes. Zudem müssen sie einen Tauchring aus schultertiefem Wasser vom Boden holen, vom Startblock springen und an den Beckenrand schwimmen.

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