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Das Wickeln soll ein Ende haben, so dass Erzieherinnen wieder mehr Zeit für die Gruppenarbeiten haben.

Elterntraining geplant

Kitaplätze nur noch für Kinder ohne Windeln

Wenn Kinder noch nicht sauber sind, sollen sie in Zukunft nicht mehr in die Kindertagesstätte dürfen, hat die Dachkonferenz zum Bildungskonzept Raunheim beschlossen.

Auf der Toilette liegen kleinen Kästchen mit den Windeln. Windeln, mit denen sich die Erzieherinnen der Kindertagesstätten regelmäßig herumärgern müssen, weil ihre Schützlinge noch nicht sauber sind.

„Viele Neue tragen noch Windeln“, berichtet Lali Peradze, Erzieherin in der Kita Regenbogen. Drei bis sechs Monate dauert es, bis sie keine Windel mehr brauchen. Es geht mehr um das Pipi, als um das große Geschäft. Viele Eltern sagen, ihre Kinder seien trocken, sind es aber nicht, erzählt Leiterin Joanna Kujawa-Janz. Das Wickeln hält die Erzieherinnen jedoch von der Gruppenarbeit ab.

Das soll nun ein Ende haben. Die Dachkonferenz zum Bildungskonzept Raunheim mit rund 50 Teilnehmern aus dem Bereich der Betreuung und Erziehung rückte auf ihrer jüngsten Sitzung die mangelnde Elternarbeit in den Fokus, informieren Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) und Nicole Graf, die Leiterin des Fachdienstes Erziehung, Betreuung, Jugend und Bildung, in einem Gespräch mit dem Echo.

Dazu zähle unter anderem die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern den Toilettengang beizubringen, wenn diese die Kita besuchen sollen. Weitere Punkte betreffen unter anderem die Sprachkompetenz der Kinder, das sichere Bewegen im Straßenverkehr, die Orientierung aber auch die Mitarbeit der Eltern in den Elternbeiräten.

„Die Eltern nehmen immer mehr die Haltung ein, dass sämtliche Dinge von der Einrichtung zu übernehmen sind“, stellt Jühe fest. Der Entwicklungsrückstand weite sich inzwischen zu einer erheblichen Belastung für die Erzieher, aber auch für Lehrer in der Schule aus.

Deshalb wolle die Stadt jetzt die seit einigen Jahren praktizierten Besuche bei Eltern mit Neugeborenen auf Familien mit zweijährigen Kindern ausweiten. Sie sollen auf die Kita vorbereitet werden. Es soll ein über das ganze Jahr verteilte Elterntraining angeboten werden.

„Und wenn das alles nichts nützt, wenn die Eltern es nicht hinbekommen, dass die Kinder wickelfrei sind, dann werden sie keinen Kitaplatz erhalten“, kündigt Jühe an. Soll heißen, wird in Vertragsgesprächen festgestellt, dass die Kinder noch Windeln benötigen, erhalten sie keinen Platz. Wird in der Kita festgestellt, dass sie nicht sauber sind, werden sie zurückgestellt.

„Es geht um die Ignoranz der Eltern, die das Thema zu Hause nicht thematisieren“, ergänzt Graf. Wenn Eltern sichtbar kooperieren, würden die Kinder aufgenommen werden.

Rechtliche Probleme befürchtet der Rathauschef nicht. Der Gesetzgeber gebe einen gewissen Entwicklungsstand für dreijährige Kinder vor. Wenn dieser nicht erreicht worden sei, sei das ein Grund, dass das Kind nicht die Kita besucht. Das Elterntraining soll in den nächsten Wochen anlaufen.

Verständnis von Eltern wird auch bei dem Thema erwartet, ein gemeinsames Wertesystem für die Familien verschiedener Nationalität, Herkunft und Religion zu installieren. „Es wird in allen Einrichtung Wert darauf gelegt, dass allen Eltern klar ist, dass keine kulturelle, ethnische und religiöse Herkunft bestimmen kann, welche Regeln gelten und welche Angebote es gibt“, betont Jühe.

Erzieherinnen müssten sich beispielsweise Kritik gefallen lassen, wenn Gummibärchen angeboten werden (sie enthalten Schweinegelantine und werden deshalb von Muslime abgelehnt). Andere Eltern kritisieren christliche Weihnachtsfeste, wieder anderen gefallen muslimische Zuckerfeste nicht.

Auch die Problematik um den Speiseplan spitze sich immer mehr zu, so Graf. Wenn eine Familie eine bestimmte Form der Ernährung praktiziere, solle sie in der gesamten Kita umgesetzt werden, sei mitunter gefordert worden. „Wir müssen mit der Vielfalt umgehen“, unterstreicht Jühe. Es soll deshalb auf allen Ebenen wie Schule, Kita, Stadtverordnetenversammlung und Ausländerbeirat eine Wertedebatte geführt werden, welche Regeln für eine Stadt gelten, die durch Vielfältigkeit geprägt ist.

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