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Protest

Klima-Gerechtigkeit, "aber zackisch!"

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Trotz Wind und Regen: Rund 300 Teilnehmer der "Fridays for Future"-Bewegung halten eine Kundgebung auf dem Landungsplatz ab. Dabei geht es nicht nur um das Klima.

Rüsselsheim -"Es ist voll cool, dass Ihr alle gekommen seid", ruft Greta von der Bühne. Sie heißt nicht Thunberg und kommt nicht aus Schweden, sondern aus Mainz. Und wie alle anderen ihrer Mitstreiter ist sie natürlich mit dem Rad gekommen. Aus Darmstadt, dem Main-Taunus-Kreis, aus Wiesbaden - fast aus dem gesamten rheinhessischen Raum.

Am Ende sind es etwa 300 Teilnehmer der "Fridays for-Future"-Bewegung, die sich bei kaltem und zugigem Wetter das Recht auf Versammlungsfreiheit in Corona-Zeiten in Anspruch nahmen, um sich dem Klimakampf zu widmen. Die Stadt hatte den Landungsplatz als Ort der Kundgebung vorgegeben, obwohl für diesen eigentlich noch ein Aufenthaltsverbot bestand. Sicherheitserwägungen und die "dringende Empfehlung" seitens der Landespolizei hatten dazu geführt.

"Es gibt noch viel zu tun"

"Es gibt noch viel zu tun und zu verbessern", ruft dann Sophia, Mitorganisatorin aus Rüsselsheim, ins Mikrofon. Immerhin gehe das gerade beschlossene Konjunkturpaket nicht in die komplett falsche Richtung. Die Abwrackprämie habe man gerade so verhindert. Nicht eine oder zwei Krisen gebe es, eigentlich noch mehr. "Es ist nicht einfach, diese zu lösen, aber machbar", sagt sie. "Deshalb stehen wir wieder hier und werden wieder kommen, um für eine lebenswertere Welt einzustehen."

In Zeiten, da es eine Pandemie einzudämmen gilt, ist das aber nur unter strengen Auflagen möglich. Es herrscht Maskenpflicht auf der Versammlung und die bunte Menge aus mehrheitlich jungen Leuten, aber auch einigen älteren, hält sich daran. Genauso wie an den Mindestabstand von 1,5 Metern. Auf Stehtischen sind Flaschen mit Desinfektionsmittel verteilt worden. Im Hintergrund beobachten ein Dutzend Polizisten und Mitarbeiter der Ordnungspolizei das Geschehen.

Fahnen der IG Metall wehen, es sind blaue Shirts des Naturschutzbundes zu sehen, auch Fluglärmgegner geben sich zu erkennen. Der Protestslogan "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut", skandieren sie gemeinsam. Später gibt es eine Schweigeminute für den in den USA durch Polizeigewalt ermordeten George Floyd. Auch das will man nicht vergessen: Den alltäglichen Rassismus in der Welt.

Stadtrat Kraft hört zu

Herbert Debus, Kreisgeschäftsführer des BUND, ergreift das Mikro und erinnert an seine erste Demo, nachdem 1967 ein junger Mann ebenfalls durch einen "durchgeknallten Polizisten" erschossen wurde, wie er sagt. Gemeint ist Benno Ohnesorg. Debus spricht den Namen nicht aus. Herbert, wie er angekündigt wurde, erinnert dann an die Wiese hinter der Bühne, auf der wieder mit Billigung des Magistrats ein Techno-Festival stattfinden solle, obwohl es ein Landschaftsschutzgebiet sei. "Und das in einer Stadt, die den Klima-Notstand ausgerufen hat", empört sich Debus. Magistratsmitglied und Stadtrat Nils Kraft (SPD), der sich unter die Menge gemischt hat, hört regungslos zu.

Ulli, ein kommunaler Verkehrsplaner und Mitglied der "Scientist-for-Future"-Leute plädiert als nächster Redner für die autofreie Stadt. Einfach "ausprobieren und machen", empfiehlt er den politischen Verantwortlichen in Rüsselsheim. Auch wenn das Arbeitsplätze in der Auto-Industrie kosten würde. Er lädt die Opel-Mitarbeiter ein, an der Verkehrswende mitzuarbeiten. "Hier ist die Zukunft, das wird nicht mehr so lange funktionieren", ruft er und deutet in Richtung Opel-Werk.

Am Ende beginnt es zu regnen und es wird "arschkalt", wie eine Teilnehmerin sagt.

Auf "rheinhessisch" wird angestimmt: "Was wollen wir? Klima-Gerechtigkeit. Wann? Jetzt, aber zackisch!"

Von Olaf Kern

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