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Vorweihnachtliche Besinnlichkeit beim Chorkonzert in der evangelischen Kirche in Ginsheim.

Ginsheimer evangelischen Kirche

Klingende Gegensätze und stimmungsvoller Chorgesang

Die Ginsheimer Kantorei sorgt mit einem ausgesuchten Programm für Besinnlichkeit. Dabei stehen sich barocker Gesang und zeitgenössische Orgelklänge gegenüber.

Alljährlich zum Ende der Adventszeit wird auf den Kirchenbänken der evangelischen Kirche Ginsheim nah zusammengerückt, um sich musikalisch auf das Weihnachtsfest einzustimmen. So ist am Sonntag schon eine gute Viertelstunde vor Konzertbeginn so gut wie kein Sitzplatz mehr im Schiff frei. Das Konzert zum vierten Advent der Ginsheimer Kantorei ist Tradition. Zum 95-jährigen Jubiläum der Kantorei darf es freilich auch etwas Besonderes sein, das aufgeführt wird: Das Stamm-

ensemble wird um Stimmen aus dem Projektchor ergänzt, ein Streichquintett sowie zwei Trompeter, ein Organist und vier Gesangssolisten ergänzen die Musikerschar unter Leiter Armin Rauch. Auffällig in den Reihen der Soprane: der 13-jährige Konrad Stoffel. Gemeinsam mit seiner Schwester unterstützt er die Kantorei und zeigt sich sichtlich glücklich. „Mir macht das total viel Spaß, und es macht mir überhaupt nichts aus, dass ich der Jüngste bin“, meint er. Auf dem Programm steht eine ungewöhnliche Mischung von Stilen: Barock und Moderne prallen aufeinander.

Es geht in der Tat, wie das rund anderthalbstündige Konzert beweist. Die Eröffnung gestaltet Organist Klaus Uwe Ludwig mit sieben Choralbearbeitungen, die er selbst arrangiert hat. Weihnachtsklassiker wie „Ich steh an deiner Krippen hier“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ erhalten plötzlich einen sphärischen Klang, erklingen auf einmal dissonant oder fugenartig. Bei „Wachet auf, uns ruft die Stimme“ rüttelt Ludwig das Publikum dann tatsächlich mit energischem Klang auf und stellt so einen Kontrast zur folgenden Darbietung her.

Mit Francesco Durantes Magnificat in B hat Armin Rauch ein selten aufgeführtes Werk ausgewählt, dessen Kantatensätze von Chorälen anderer Komponisten ergänzt werden. Was danach auf die Zuhörer zukommt, ist allerdings eher schwere Kost: Olivier Messiaens Drei Meditationen aus „La Nativité du Seigneur“ für Orgel gehen eindeutig gegen die Hörgewohnheiten so manches Anwesenden. Messiaen, der seinen Stil aus der Zwölftontechnik entwickelte, war Synästhetiker und komponierte Teile seines Werks nach Farbeindrücken, bei denen er Töne hörte. Klaus Uwe Ludwig meistert die Schwierigkeiten mit Bravour.

Abschließend wird die Weihnachtsgeschichte musikalisch nachgezeichnet. Arnold Melchior Brunckhorst schuf mit seiner Version der Ankunft Jesu ein harmonisches Werk. Da kommt vor allem das Streichensemble zur Geltung, das um zwei Trompeten ergänzt wird. Und auch die Solisten können noch einmal glänzen. lor

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