Artgerechte Haltung im Reptilium Landau

Königspythons ziehen in die Pfalz

Mehrere Reptilien aus dem Rüsselsheimer Tierheim werden am Freitag die Reise nach Landau in der Pfalz antreten. Dort können sie artgerechter gehalten werden. Auch ein blinder Passagier ist dabei.

 Die Bartagame im Rüsselsheimer Tierheim hatte ein aufmerksamer Tierfreund in der Kläranlage gefunden und zu den Tierschützern gebracht. „Wahrscheinlich übers Klo entsorgt“, meint Rebecca Triesch, die für die Reptilienabteilung zuständig ist. In einem ähnlichen Fall sei schon mal ein Artgenosse in einem Hochhaus in einer anderen Toilette wieder aufgetaucht. Der Schreck war groß, und auch dieses Tier landete bei Triesch.

„Wir sind hier ein Tierheim, und das ist nicht unsere übliche Klientel“, erklärt sie. Das Reptilium in Landau, Deutschlands größter Reptilienzoo, wird die neue Heimat von acht Tieren werden. Dort gebe es größere Gehege und auch die Möglichkeit, die Tiere zusammen mit Artgenossen unterzubringen. Die Schatzmeisterin der Rüsselsheimer Tierschützer, Uta Myers, ist kürzlich in die Pfalz gezogen, dort nahm sie Kontakt mit dem Reptilium auf, und es ist ihr gelungen, Plätze für die Rüsselsheimer Exoten zu organisieren.

Auch ein kleiner Skorpion gehört zur tierischen Reisegesellschaft. Der lebt in der Opelstadt, seit er letzten Sommer als blinder Passagier in einem Wohnmobil aus Kroatien eingereist war. Umziehen werden auch vier Geckos, nur einer davon lässt sich in seinem Terrarium blicken. Sein etwas ungewöhnliches Aussehen ist damit zu erklären, dass er von seinem vorherigen Besitzer nicht angemessen versorgt wurde. Er sei in einer viel zu kleinen, ungeheizten Kiste gehalten, falsch gefüttert und auch nicht mit dem nötigen UVB-Licht bestrahlt worden.

Im Grunde sei alles falsch gemacht worden, was geht. Das habe schließlich bei dem kleinen Tier zu Verwachsungen geführt. „Das ist das Problem mit den Reptilien, erst bekommt man sie billig hinterhergeschmissen, später weiß man nicht mit ihnen umzugehen“, spricht Triesch aus ihrer Erfahrung.

Die junge Frau höchstpersönlich wird der Chauffeur sein, wenn es am Freitag in Richtung Landau geht. Doch vorher müssen die sensiblen Tiere gut verpackt werden. Bevor die beiden Königspythons in ihre Reisekiste kommen, werden sie erst mal in einen Stoffsack gesteckt. Die Bartagame und die Geckos sitzen in ihren Kisten auf Heizkissen, damit sie während der gut 90-minütigen Fahrt nicht auskühlen.

Um die Schlangen in den Sack zu bekommen, hat Triesch einen Kollegen engagiert. „Die will ich nicht um den Hals haben“, sagt sie. Bei aller Tierliebe habe sie vor den beiden gut eineinhalb Meter langen Würgeschlangen doch ordentlich Respekt.

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