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Regale, so weit das Auge reicht: Blick in das Verteilzentrum im norddeutschen Elsdorf.

Möbelgigan

Kommt Ikea mit einem Lager nach Rüsselsheim?

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Noch ist nichts beschlossen, aber Ikea plant ein Warenlager für den Online-Handel im Rhein-Main-Gebiet. Vielleicht wird man in Rüsselsheim fündig.

Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Die Halle bietet eine Lagerkapazität von 26 000 Kubikmetern. In „Billy“-Regalen gerechnet: 55 000 Exemplare hätten hier Platz. Als Wohnhaus wäre es vier Stockwerke hoch. Das sind die groben Eckdaten eines Verteilzentrums des schwedischen Möbelherstellers Ikea, das im Herbst vergangenen Jahres in dem kleinen norddeutschen Städtchen Elsdorf eröffnet wurde. Das Logistikzentrum ist Teil einer neuen Strategie des Einrichtungsgiganten, um den Online-Handel auszubauen. Über die 35 000 Quadratmeter große Anlage zwischen Hamburg und Bremen werden Bestellungen aus dem norddeutschen Raum abgewickelt.

Ikea will damit näher zu den Kunden und die Lieferzeiten verkürzen. Ein anderes Verteilzentrum gibt es bereits in Erfurt. Zwischen sechs und neun weitere sollen in Deutschland folgen. Ikea schaut sich dafür auch im Rhein-Main-Gebiet um, bestätigte eine Unternehmenssprecherin gestern. Dem Vernehmen nach fasst man dabei auch ein Grundstück auf dem Opel-Gelände am westlichen Ende des firmeneigenen Areals ins Auge. Doch zu konkreten Standorten wolle man sich erst äußern, wenn eine Entscheidung gefallen ist, heißt es.

Da das Rhein-Main-Gebiet ein sehr attraktiver Standort für das Unternehmen sei, prüfe man derzeit verschiedene Modelle, was die Größe des Vorhabens angeht. Die Entscheidung werde dadurch mitbeeinflusst, wie groß die jeweils verfügbaren Grundstücke oder Immobilien seien. Auch im Raum München und Stuttgart ist man auf der Suche.

Wichtiger Bestandteil

Wie weit die Gespräche zwischen Ikea und Opel tatsächlich schon gediehen sind, dazu wollte man sich beim Rüsselsheimer Autobauer gestern ebenfalls nicht konkret äußern. Nur so viel: „Es ist ein wichtiger Bestandteil unseres Zukunftsplans PACE!, die Flächennutzung an unseren Standorten zu optimieren. Sobald es konkrete Entscheidungen gibt, werden wir diese selbstverständlich mitteilen“, sagt ein Sprecher von Opel auf Nachfrage zu einem möglichen Interesse von Ikea.

Sollte tatsächlich einmal ein Verteilzentrum in Rüsselsheim errichtet werden, hätte das wohl vor allem Folgen für den Verkehr durch deutlich erhöhten Lkw-Betrieb auf den Straßen rund um das Areal. Die SPD in Rüsselsheim sieht deshalb die mögliche Ansiedlung eines Ikea-Verteilzentrums im Westen Rüsselsheims und einem damit einhergehenden Verkauf von Werksflächen „mit Sorge“.

„Böses befürchtet“

„Warum nun relativ einfach zu entwickelnde Flächen übereilt veräußert werden sollen, lässt bei den Sozialdemokraten Böses befürchten“, heißt es in einer Pressemitteilung von gestern. Der langjährige Stadtverordnete Olaf Kleinböhl erinnert daran, „dass mit dem Flächenverkauf südlich des Rugby-Rings, auf denen sich heute Kaufland und OBI befinden, schon einmal Arbeitsplätze bei Opel gesichert werden sollten, die dann wenige Jahre später dennoch abgebaut wurden“. SPD-Fraktionssprecher Frank Tollkühn warnt vor der Zunahme von Lkw-Verkehr und kann entsprechende Befürchtungen der Nachbarn aus Bischofsheim verstehen. Die SPD fordert daher Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) als Dezernenten für Wirtschaftsförderung und Verkehr sowie Stadtrat Nils Kraft (SPD) als Dezernenten für die Stadtplanung auf, in der kommenden Stadtverordnetenversammlung Auskunft zu geben.

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