Zulassung und Nummernschilder

Kommt das RÜS-Kennzeichen?

  • schließen

Die Pläne, Rüsselsheim ein eigenes Kennzeichen zu geben, nehmen wieder Fahrt auf. Dabei geht es vor allem um eines: viel Geld.

„RÜS“ oder „RÜ“ – von solchen Detailfragen ist die Stadt Rüsselsheim noch ein gutes Stück entfernt. Seit 2011 gibt es Bestrebungen in der Opelstadt, ein eigenes Kfz-Kennzeichen zu etablieren. Bisher blieben diese erfolglos. Das soll sich nun aber ändern. „Gut wäre, wenn wir es noch 2017 hinbekommen würden. Dass wir noch vor dem Hessentag unser eigenes Kennzeichen haben, ist aber eher unwahrscheinlich. Dafür wird die Zeit wohl nicht reichen“, sagt Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU).

Aktuell gebe es wieder Gespräche zu dem Thema, berichtet Burghardt. Der Versuch, in den vergangenen Jahren eine Einigung mit dem Landkreis Groß-Gerau in der Kennzeichen-Debatte zu erzielen, scheiterte allerdings, weshalb die Stadt zwischenzeitlich den Umweg über das Land genommen habe. „Von dort kamen im Sommer 2016 positive Signale, jetzt fassen wir noch mal nach“, sagt Burghardt.

Gespräche führt derzeit nach eigener Aussage auch der Kreis. „Das vorerst letzte Gespräch zwischen Stadt und Kreis zum Thema war im Sommer 2015. Derzeit ist der Landkreis wegen der Angelegenheit mit dem hessischen Verkehrsministerium in Kontakt“, heißt es aus der Pressestelle des Kreises.

Für die bisherigen Schwierigkeiten, ein eigenes Kennzeichen in Rüsselsheim zu etablieren, gibt es zwei Gründe. Erstens wurde die Angelegenheit durch einen Bundesratsbeschluss im September 2012 erschwert. Aus dem geht hervor, dass nur Alt-Kennzeichen – also solche, die es schon einmal etwa vor einer Reform gab – wieder aktiviert werden sollen. Pläne für ein gänzlich neues Kennzeichen wären damit nicht umzusetzen. „Dies wäre jetzt nur durch Schaffung eines neuen Zulassungsbezirks Rüsselsheim möglich“, lautet die Einschätzung des Kreises. Burghardt deutet hingegen verschiedene Möglichkeiten an, die geprüft werden müssten.

Die finanzielle Seite der Kennzeichen-Pläne dürfte sehr wahrscheinlich der zweite Grund dafür sein, dass vor allem die Gespräche zwischen Stadt und Kreis nicht von Erfolg gekrönt waren. Denn in der Angelegenheit geht es um weit mehr, als nur um Lokalkolorit. Es geht um Beträge in Millionenhöhe, jedes Jahr.

Die Zulassung von Autos ist ein Geschäft. Derzeit werden jährlich etwa 70 000 Zulassungen im Kreis Groß Gerau vorgenommen. Der Kreis schätzt, dass etwa 40 300 davon auf Rüsselsheim entfallen, wovon der größte Anteil durch die Firma Opel zustande komme. Der Autobauer melde jährlich etwa 31 000 Autos im Kreis an.

Bekommt Rüsselsheim einen eigenen Zulassungsbezirk, sinken die Zahlen in der Statistik des Kreises und damit auch der Kassenstand. Denn: „Die Einnahmen des Zulassungsbezirks Groß-Gerau insgesamt liegen derzeit bei rund

3,33 Millionen Euro

“, erklärt der Kreis auf eine Anfrage dieser Zeitung. Erhielte Rüsselsheim ein eigenes Kennzeichen, würden diese Einnahmen drastisch zurückgehen, im Kreis schätzt man „um etwa 45 Prozent“.

Einnahmen in Höhe von etwa 1,6 Millionen Euro könnten also in die Kassen der Opelstadt fließen, hätte sie ein eigenes Kennzeichen. Abzuziehen wären hiervon allerdings noch jene Kosten, die durch eventuell anfallende Verwaltungsaufgaben entstehen. „Unser Ziel ist es im Grunde, keine eigene Behördenstruktur aufbauen zu müssen. Das wäre ideal, auch im Hinblick auf die Kosten“, sagt OB Burghardt.

2015 berichtete Burghardt, dass eine mögliche Zustimmung des Landes auch davon abhänge, ob die Stadt als Schutzschirmkommune die Wirtschaftlichkeit der Pläne nachweisen kann. Eine entsprechende Berechnung soll schon damals vorgelegen haben. Burghardt ging damals noch von einer Umsetzung im Jahr 2016 aus.

Trotz der Verzögerungen beurteilt Burghardt die Planungen positiv. „Ich halte die Idee nach wie vor für sinnvoll. Vor allem im Hinblick auf die Firma Opel.“ Davon, dass deren Neuzulassungen schon bald mit einem Rüsselsheimer Kennzeichen versehen werden könnten und entsprechend die Autos des Unternehmens auch zum Beispiel in Werbespots mit einem „RÜS“ oder „RÜ“ auf der Front zu sehen wären, verspricht sich der Rathauschef einen Marketingeffekt für die Stadt. „Und es ist auch einfach ein Identifikationsfaktor“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare