Stefan Schäfer prüft mit einem Kipptester die Sicherheit der Grabsteine, Ilona Rössinger notiert die Ergebnisse. Foto: Koslowski
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Stefan Schäfer prüft mit einem Kipptester die Sicherheit der Grabsteine, Ilona Rössinger notiert die Ergebnisse. Foto: Koslowski

Sicherheit

Kontrollen auf den Rüsselsheimer Friedhöfen

Stefan Schäfer und Ilona Rössinger sind auf der Suche nach lockeren Grabsteinen. Dabei kommt ein Kipptester zum Einsatz.

Rüsselsheim-Immer mal wieder sind Horrormeldungen von Friedhöfen zu hören. Weltweit. Ein Grabstein kippte um und verletzte oder erschlug gar einen Menschen.

Um solch ein Unglück zu vermeiden, testet der Städteservice Raunheim/Rüsselsheim einmal im Jahr die Standsicherheit der Grabmäler auf den Friedhöfen. In Raunheim gibt es eine Ruhestätte, in Rüsselsheim die beiden Stadtfriedhöfe sowie die Begräbnisstätten in Bauschheim und Königstädten.

Seit fünf Jahren schaut sich Stefan Schäfer, eigentlich verantwortlich für das Kunden- und Kommunikationsmanagement, die Grabmäler an. "Ich bin der Druckmeister", sagt er lachend auf dem Friedhof Königstädten. Hier hat er mit der Prüfung begonnen, zusammen mit Ilona Rössinger, Vorarbeiterin der Innenstadtkolonne bei der Grünpflege, die für die Prüfung angelernt werden soll.

Im Erdreich verankert

Schäfer kann sich über einen Unfall mit Grabsteinen auf einem der Rüsselsheimer Friedhöfe sowie in Raunheim nicht erinnern. Gleichwohl werden im Durchschnitt pro Jahr 150 Grabsteine als für nicht standsicher befunden - bei einer Gesamtzahl von rund 6000 zu prüfenden Grabstätten.

Die Sorgfaltspflicht für die Grabmäler liegt eigentlich bei den Angehörigen. Es sei jedoch nicht realistisch, sie die Standsicherheit prüfen zu lassen, meint Schäfer. Deshalb übernimmt die Kommunen die Aufgabe, denn sie hat ohnehin ihrer Verkehrssicherungspflicht und der Unfallverhütungsvorschrift nachzukommen.

Die Grabsteine sind mit einem langen Metallstift im Erdreich verankert und werden zudem mit der Grabplatte verklebt. Witterung, Wasser und Frost, aber auch abgesunkene Fundamente können die Standsicherheit der Grabmäler beeinträchtigen.

Ein Grabstein bringt gut und gerne 200 bis 300 Kilogramm auf die Waage. Wenn er umfällt, kann das zu schlimmen Verletzungen führen, ja sogar den Tod zur Folge haben.

300 Newton ohne zu wackeln

Jeder Unfall sei einer zu viel, betont Schäfer. Also macht er sich mit dem sogenannten Kipptester an die Arbeit. Das Gerät ähnelt einem Miniaturpresslufthammer. Mit zwei kleinen Griffen muss Schäfer die Auflagefläche auf die Grabsteinfläche drücken und dabei Kraft ausüben. Der Grabstein muss 300 Newton aushalten, ohne zu wackeln. Dann steht er sicher.

Grabsteine mit einer Höhe von bis 50 Zentimeter dürfen auch mit der Hand geprüft werden. Schäfer verwendet aber lieber das Gerät. "Mit dem Tester kann ich sicher und gleichmäßig den Druck aufbauen", sagt er.

Er versucht immer, den Kipptester möglichst von hinten an den Stein zu bringen, um nicht etwa auf das Grab treten zu müssen. Zumal es auch passieren kann, dass die Ruhestätte nachgibt, weil der Sarg im Laufe der Zeit in sich zusammengesunken ist. Bei Ilka Rössinger stellt sich besonders bei Kindergräber ein beklemmendes Gefühl ein.

Schäfer kann nach fünf Jahren bereits das eine oder andere Grabmal aus dem Gedächtnis beschreiben und weiß auch, wo die Friedhofsverwaltung Mahnungen anbringen musste. Erweist sich ein Grab als nicht standsicher, werden die Angehörigen angeschrieben. Das habe aber nicht immer einen Erfolg.

Denn mitunter sind die Angehörigen bereits selbst verstorben oder weggezogen. "Das ist ein sensibler Bereich, wir wollen auch nicht gleich alle Grabsteine umreißen". Dass wird nämlich gemacht, wenn die Grabmäler sehr unsicher stehen, also stark gefährdet sind, oder wenn die Angehörigen nicht reagieren. Drei bis vier Jahre wird ihnen Zeit für eine Rückmeldung gegeben. Bis dahin werden die Grabmäler mit einem Holzpflock und Spanngurten vor dem Umfallen gesichert.

Die meisten unsicheren Grabsteine sind Altlasten, die bereits in den vergangenen Jahren notiert wurden. So schreibt Rössinger beim ersten Prüfungsgang drei bereits markierte Grabmäler und nur einen neu gefährdeten Grabstein auf. Rüdiger Koslowski

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