+
Der Koran in 72 Sprachen: Ekkehard Jehle ist überwältigt. Fotos Rüdiger Koslowski

Ausstellung der Ahmadiyya-Gemeinde im Stadtzentrum

Der Koran in 72 Sprachen

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde will mit einer Ausstellung dem negativen Bild ihrer Religion entgegenwirken, das durch den Terrorismus im Namen des Islams entstanden ist. Wir haben uns dort umgeschaut.

Der 52-jährige Vater und seine 18-jährige Tochter lesen aufmerksam die Texte auf den Tafeln. Sie folgen dem Rundgang mit seinen 15 Stellwänden. „Es gelingt, in recht kurzer Zeit einen Überblick zu gewinnen“, lobt das Mädchen die Islam-Ausstellung der muslimischen Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft im Bürgersaal. Beide wollen anonym bleiben.

Der Vater findet es wichtig, dass die Muslime ihren Glauben vorstellen und sich damit vom Terror der Islamisten distanzieren. Die öffentliche Debatte über den Islam beschränke sich häufig auf einzelne Aspekte wie Fundamentalismus und Gewalt, heißt ist in der Ankündigung zur Ausstellung. Dies sei der Grund für die inzwischen fünfte Islam-Ausstellung, erklärt Kamran Arshad, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Raunheimer Gemeinde verantwortlich ist, am Freitag beim Auftakt der dreitägigen Ausstellung. „Es ist unsere Aufgabe, Aufklärung zu leisten. Wir wollen dem entgegenwirken, was häufig in den Medien gezeigt wird“, meint er.

Die beiden „Schrifttafeln Friedenslehre des Islam“ und „Dschihad“ geben über zwei wichtige Aspekte der Religion Auskunft. So wünsche sie einen gesellschaftlichen Frieden, aufbauend auf Gerechtigkeit und uneigennützigem Handeln. Unter dem Begriff Dschihad sei die Aufforderung zu verstehen, alle seine Kräfte für eine gute Sache zu verwenden, so Arshad. In den Medien aber werde der Begriff für Terroranschläge im Namen des Islam gebraucht.

Es gelingt der Wanderausstellung der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft durchaus, den Islam von der terroristischen Klammer zu befreien. Auf übersichtlichen Tafeln reist der Besucher von der Beschreibung Allahs und des Propheten Muhammad zum Koran, erfährt von den fünf Säulen der heiligen Schrift, wird über die Gründung der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft informiert, lernt ihre bisherigen Kalifen kennen und wird an den Aspekt Islam und Wissenschaft herangeführt. Die erläuternden Texte und die Glaubensinhalte sind mit beispielhaften Suren untermalt.

Das in der Öffentlichkeit diskutierte Thema von der Stellung der Frau im Islam greift die Ausstellung ebenfalls auf. Die Geschlechter sind laut Koran. Die Frau habe die gleichen politischen und sozialen Rechte wie der Mann.

Wird das auch praktiziert? Ja, versichert Arshad. Allerdings gebe es in einer Familie auch Rollen. „Eine Frau kann sich entfalten, solange die Familie und die Kinder nicht leiden“, erklärt er. Einem Mann sei es nicht möglich, Kinder zu gebären, Gott habe die Frau dafür geschaffen. „Wenn die Menschen sich so verhalten, wie die Natur von Gott gewollt ist, dann erzeugen sie einen Friedenszustand mit sich und der Gesellschaft“, sagt Arshad.

Unter den Muslimen sei es selten, dass ein Mann die Erziehung der Kinder übernehme und die Frau für den Lebensunterhalt sorge. Verurteilt werde diese Familienplanung aber nicht.

Eine die Tafeln begleitende Koranausstellung ist ein beeindruckender Farbtupfer im Bürgersaal. Die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft hat den Koran in 72 verschiedene Sprachen und Dialekte übersetzt. Darunter befinden sich beispielsweise Schriften aus Japan, Sri Lanka, den Fidschi-Inseln und Kirgisien.

„Du lieber Gott, was sind das für Buchstaben“, entfährt es Ekkehard Jehle beim Blättern einer in einen indischen Dialekt übersetzten heiligen Schrift. Der 67-jährige Besucher ist beeindruckt von der sprachlichen Vielfalt. Die Ausstellung findet er aussagekräftig und informativ. Jehle erkennt indessen keine Not, über den Islam aufzuklären. „Wir wissen, dass es nicht nur gute Christen und nicht nur gute Muslime gibt“, meint er. Andererseits sei es durch die Ausstellung möglich, sich mit dem Islam zu befassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare