Baustadtrat Nils Kraft (links) und Bürgermeister Dennis Grieser zeigen bei einem Rundgang im Frühjahr 2019 die Baustelle der Sophie-Opel-Schule. Während die Arbeiten am Neubau wie geplant vorangehen, bereitet die Statik des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes Kopfzerbrechen und Mehrkosten. Archivfoto: Olaf Kern
+
Baustadtrat Nils Kraft (links) und Bürgermeister Dennis Grieser zeigen bei einem Rundgang im Frühjahr 2019 die Baustelle der Sophie-Opel-Schule. Während die Arbeiten am Neubau wie geplant vorangehen, bereitet die Statik des denkmalgeschützten Bestandsgebäudes Kopfzerbrechen und Mehrkosten. Archivfoto: Olaf Kern

Finanzen

Kosten für Schulausbau steigen erheblich

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
    schließen

Magistrat muss Budget um 11,5 Millionen Euro erhöhen

Rüsselsheim -Die Kosten sowohl für die Errichtung der Sophie-Opel-Schule (SOS) als auch den Ergänzungsbau und die Sanierung der Alexander-von-Humboldt-Schule (AvH) steigen um insgesamt 11,5 Millionen Euro. Die Kostenerhöhung ist bei beiden Schulen laut Baudezernat auf umfangreiche Projektänderungen wie die Verbesserung der IT-Struktur und die Erhöhung der Inklusion zurückzuführen. Hinzu kommen Baupreissteigerungen und Vergabeverluste.

Zu Buche schlügen aber auch "unvorhergesehene Ereignisse". Denn: Ein Schadstoffsachverständiger hatte bei der Begutachtung des Bestandsgebäudes der AvH asbesthaltige Abstandshülsen in den Stahlbetonwänden übersehen. "Das wäre zu erkennen gewesen", meint Baudezernent Nils Kraft (SPD).

Ein Fassadenplaner habe später die Hülsen im Beton entdeckt und das Bauamt darauf aufmerksam gemacht. Dieses Versäumnis habe weitreichende Folgen für die nächsten Schritte, so Kraft. An den Stellen, wo neue Türöffnungen entstehen und Kabelschächte eingebaut werden sollen, müssen nun die Bauarbeiter mit spezieller Ausrüstung die Asbesthülsen entfernen. Das koste die Stadt 3,8 Millionen Euro mehr.

Auch die Bauzeit verlängere sich um anderthalb Jahre. Die Kosten für die Bauzeitverlängerung sowie für Änderungen im Bau- und Projektablauf mache die Stadt als Schadensersatz geltend, betont Kraft.

Leistungen nicht berücksichtigt

Ähnlich verhält es sich mit der SOS. Während der Bauarbeiten stellte sich heraus, dass der Elektro-Fachplaner die gesamte Elektro-Verrohrung und Zuleitungskabel im Außenbereich sowie die Nachtauskühlung in den veranschlagten Leistungen weder in der Planung noch in der Budgetierung eingepreist hatte. Die Kosten hierfür betragen rund 750 000 Euro. Die Mehrkosten fordere die Stadt nun vom Fachplaner ein, versichert Kraft.

Unvorhergesehene Schwierigkeiten verursacht ebenfalls das zu sanierende denkmalgeschützte Bestandsgebäude der SOS. Während der Bauarbeiten seien diverse Mängel zutage getreten. Beispielsweise sei die Statik der Decke problematisch. Und auch der Untergrund habe sich als nicht tragfähig erwiesen, weshalb die Wandoberflächen erneuert werden müssen.

Nils Kraft macht in diesem Zusammenhang auf die Entwicklung der Baupreise am Beispiel der SOS aufmerksam. In zwei Jahren seien die Preise um 4,34 Prozentpunkte auf 8,84 Prozent gestiegen, was zusätzliche Kosten von rund 1,89 Millionen Euro verursache. Deshalb rechne das Bauamt mit einem Risikopuffer von zusätzlich 1,65 Millionen Euro für die SOS und 3,04 Millionen Euro für die AvH.

Trafostation für mehr Stromkapazität

Größter Posten bei den Projektänderungen ist der Aus- und Neubau der IT-Struktur an den beiden Schulen mit rund 1,2 Millionen Euro. Die Stromkapazität soll mit einer Trafostation erhöht, die Hard- und Software-Ausstattung erweitert und das Wlan ausgebaut werden.

Ein besonderes Augenmerk falle auf die Inklusion an den Schulen. Kinder und Jugendliche mit Behinderung sollen sich mit Hilfe von taktilen Bodenbelägen, induktiven Höranlagen und visuellen Pausensignalen selbstständig im Schulalltag zurechtfinden. Damit gehe man über die geforderten Standards wie Aufzüge und behindertengerechte Toiletten hinaus, so Kraft. Für die Inklusion sind rund 300 000 Euro veranschlagt.

Sowohl die mediale Ausstattung als auch die baulichen Veränderungen für die Inklusion seien erst nach der Vorentwurfsplanung 2017 konkretisiert und deshalb noch nicht in vollem Umfang eingepreist worden. "Es gibt keinen feststehenden Katalog für die Inklusion, der muss erst erarbeitet werden", geht Kraft auf die Kritik der Linken/Liste Solidarität ein, die davon ausgeht, dass das Investitionsvolumen schon früher hätte bekannt sein müssen.

Abschließend investiert die Stadt in die Umsetzung des Schulmobilitätsplans, indem sie überdachte Fahrradabstellplätze errichtet, um der Nachfrage an den Schulen gerecht zu werden. Darüber hinaus sollen E-Ladestationen für Fahrräder errichtet werden. Je nach Bedarf rechnet die Stadt mit Kosten zwischen 220 000 und 300 000 Euro.

Unterm Strich beantragt der Magistrat, das Gesamtbudget für die Alexander-von-Humboldt-Schule um 6,2 Millionen Euro auf insgesamt 40,8 Millionen Euro zu erhöhen. Für die Errichtung der neuen Kooperativen Gesamtschule soll das Gesamtbudget um 5,3 Millionen Euro auf insgesamt 48,9 Millionen Euro erhöht werden.

Im Bauausschuss werden ein Fachanwalt, Projektsteuerer und Architekt den Stadtverordneten für Fragen zur Verfügung stehen, kündigt Baudezernent Kraft für die Sitzung am kommenden Donnerstag an. Dorothea ittmann

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare