Theater in Rüsselsheim: Die Kosten für die Sanierung drohen zu explodieren.
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Theater in Rüsselsheim: Die Kosten für die Sanierung drohen zu explodieren. (Archiv-Foto)

CDU und WsR sind skeptisch

Theater-Sanierung in Rüsselsheim: Kosten-Explosion befürchtet

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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In Rüsselsheim liegt ein Gutachten zur Theater-Sanierung vor. Sowohl CDU und als auch WsR trauen diesem nicht: Sie erwarten einen Explosion der Kosten.

Rüsselsheim - Dass die Sanierung der Leitungswasserschäden im Theater Rüsselsheim einen Batzen Geld kosten wird, sprich 1,8 Millionen Euro, ist bekannt. Dass die Stadt nicht umhinkommen wird, in das Theater zu investieren, wenn sie das kulturelle Angebot für die Bürger erhalten möchte, ist ebenfalls unumstritten. Bei der Grobkostenschätzung haben CDU und WsR allerdings ein wenig Bauchschmerzen.

Mathias Flörsheimer (WsR) erkundigte sich im Haupt- und Finanzausschuss am Montagabend, ob mittlerweile das Sanierungsgutachten vorliegt. Kultur 123 hatte ein solches Gutachten in Auftrag gegeben, um die konkreten Kosten und einen Zeitplan für die Sanierungsarbeiten zu ermitteln sowie Ansprüche gegenüber der Versicherung geltend machen zu können.

Theater in Rüsselsheim: Geschätzte Kosten belaufen sich auf 1,8 Millionen Euro

Karin Mairitsch, Betriebsleiterin des städtischen Eigenbetriebs Kultur 123, die an dem Abend die Ausschusssitzung verfolgte, teilte mit, dass sie das Sanierungsgutachten zwar mittlerweile erhalten habe, es möglicherweise aber noch überarbeitet werden müsse. In einer Woche wisse man mehr. Mairitsch bestätigte jedoch, dass die darin angegebene Schadenssumme der Grobkostenschätzung von insgesamt 1,8 Millionen Euro entspreche.

CDU-Fraktionsvorsitzende Stefanie Kropp äußerte ihre Bedenken, dass während der Sanierungsarbeiten schadstoffbelastete Materialien entdeckt werden könnten, was schon in der Vergangenheit bei anderen Bauprojekten zu höheren Kosten geführt hatte. "Eine mögliche Schadstoffbelastung hätte man vorab prüfen können", bemerkte sie kritisch und meldete Beratungsbedarf für ihre Fraktion an, weshalb im Finanzausschuss nicht über die Drucksache abgestimmt wurde.

Kosten für Theater-Sanierung: Stadt Rüsselsheim soll 990.000 Euro aufbringen

Dabei geht es nicht um die gesamte Summe, sondern um 990.000 Euro, welche die Stadt aufbringen muss. Die übrigen 800.000 Euro hat der Bund in Aussicht gestellt. Als sich die Stadt um Fördermittel aus dem städtebaulichen Bundesprogramm für die Sanierung kommunaler Einrichtungen beworben hatte, hoffte die Stadtpolitik auf einen Zuschuss von 90 Prozent für "finanzschwache" Kommunen.

Diese Hoffnung hat sich im Oktober mit dem Förderbescheid von 45 Prozent zerschlagen. Dabei habe man sich bei Antragstellung vor einem Jahr in einer Haushaltsnotlage befunden, so Flörsheimer. "Der Magistrat hat dies nicht deutlich gemacht", lautete sein Vorwurf.

Kulturdezernent der Stadt Rüsselsheim: „Dass wir Fördergeld erhalten, ist aus finanzpolitischer Sicht schon ein Erfolg.“

Kämmereileiter Wolfgang Stury erklärte, dass die Stadt Rüsselsheim den kommunalen Schutzschirm des Landes verlassen hat und sich deshalb offiziell nicht mehr in einer sogenannten "Haushaltsnotlage" befinde. Eine "Finanzlücke" im Haushalt rechtfertige weder in den Augen der Aufsichtsbehörde noch des Fördermittelgebers einen höheren Zuschuss.

Bürgermeister und Kulturdezernent Dennis Grieser (Grüne) appellierte an die Stadtverordneten, der Entscheidung des Bundes mehr Wertschätzung entgegenzubringen. "Dass wir Fördergeld erhalten, ist aus finanzpolitischer Sicht schon ein Erfolg. Das Theater hätten wir auch ohne Zuschuss sanieren müssen", so Grieser.

Theater-Sanierung in Rüsselsheim: Projektförderantrag erfährt breite Unterstützung

In der Konsequenz würde der Eigenanteil in Höhe von 990.000 Euro als erhöhte Verlustzuweisungen der Stadt Rüsselsheim an Kultur 123 in den Wirtschaftsplan und die Finanzplanung der Folgejahre aufgenommen werden, sollte der Projektantrag in der Stadtverordnetenversammlung am morgigen Donnerstag beschlossen werden.

SPD und Grüne/Linke Liste Solidarität unterstützen den Projektförderantrag, wie Erika Rohark (Grüne) und Wilfried Hauf (SPD) bereits im Kulturausschuss bekräftigt hatten. Die Stadtverordnetenversammlung könne schließlich nicht so tun, als ginge sie der Wasserschaden im Theater, einer wichtigen Kulturstätte, nichts an, führte Hauf aus.

Theater Rüsselsheim: Insgesamt sechs Wasserschäden seit Sommer 2020

Seit dem Sommer 2020 waren sechs Wasserschäden im Rüsselsheimer Theater aufgetreten. Das Leitungssystem soll deshalb saniert werden - so viel stand seit November vergangenen Jahres fest, als die Stadtverordneten im Schnellverfahren einem Beschluss zur Beantragung von Fördermitteln beim Bund zustimmten. Weil die Schäden an unterschiedlichen Stellen aufgetreten sind und voraussichtlich auch zunehmen werden, ist eine Sanierung die einzige Möglichkeit, das Theater dauerhaft in Betrieb zu halten.

Betroffen sind derzeit vier Garderoben mit Sanitärbereichen, die Maske, der Pförtnerraum und Flurbereiche, alle im hinteren Teil des Theaters. Zum Teil hat sich in den Dämmschichten Schimmel gebildet. Die Sanierung wird erst nach Abschluss der Antragsbearbeitung beginnen können und muss bis zum Jahresende 2025 abgeschlossen sein, heißt es in der Vorlage. Damit der Theaterbetrieb nicht beeinträchtigt wird, sollen die Arbeiten überwiegend in der spielfreien Zeit, insbesondere in den Sommerpausen, ausgeführt werden. (Dorothea Ittmann)

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