Wilde Kräuter schmecken gut als Pesto.
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Wilde Kräuter schmecken gut als Pesto.

Vitamine von der Wiese

Kräuterfrau Silke Becker weiß, was vor ihrer Haustür essbares wächst

Silke Becker arbeitete 25 Jahre lang bei Opel. Danach hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht. Heute führt sie ein Ladengeschäft und veranstaltet Führungen und Seminare rund um heimische Kräuter. Mit dem Echo war sie im Zauberwald unterwegs.

Gänseblümchen schmecken ein wenig nach Karotte. Mit ihnen lassen sich auch Speisen wunderbar dekorieren. „Gänseblümchen sehen total schön auf Suppen oder in Salaten aus“, sagt Kräuterfrau Silke Becker. Zudem seien die niedlichen Blümchen, die besonders Kinder liebten und gerne pflückten, ein heimisches Superfood mit hohem Vitamingehalt und verschiedenen Mineralstoffen.

Die Gesundheitsberaterin und Heilpflanzen-Therapeutin läuft den Weg hinter der evangelischen Kirche Trebur entlang und am Schwarzbach vorbei. „Wir müssen von der Straße weg, ich würde hier wegen der Abgase nie Kräuter pflücken. Außerdem laufen die Leute hier mit den Hunden entlang“, erklärt Becker. Überhaupt sei die beste Zeit, um heimische Wildkräuter zu sammeln, der Frühling. „Wenn der Sommer da ist, sind die Pflanzen zu übersättigt, werden bitter und schmecken einfach nicht mehr gut. Auch der Vitamingehalt geht dann zurück.“

Hinein geht es in ein Feldstück, gleich am Ortsausgang in Richtung Geinsheim. Plötzlich wird es leiser, der Straßenlärm lässt nach. „Diesen Weg gehe ich auch gerne bei meinen Führungen“, sagt die Kräuterexpertin. „Besonders mit meinen Kindergarten- und Schulkinder-Gruppen. Denn gleich kommen wir zum Zauberwald. Hier wächst die lecker, würzige Knoblauchsrauke.“

Der Zauberwald ist ein kleines, bewaldetes Gelände am Schwarzbach. Zwischen den Bäumen ist es angenehm schattig. Sonnenstrahlen blitzen durch die Löcher im Blätterdach des Waldes.

Silke Becker kniet sich hin und pflückt vorsichtig ein herzförmiges Blatt von der langstieligen Knoblauchsrauke. „Wenn man es fest zwischen den Fingern verreibt, dann entsteht ein intensiver Knoblauchgeruch. Das Tolle ist jedoch, es schmeckt würzig im Essen, doch man riecht im Gegensatz zum herkömmlich Knoblauch am nächsten Tag nicht mehr aus dem Mund“, klärt Silke Becker auf. Früher sei die Knoblauchsrauke zu Heilzwecken verwendet worden, denn sie wirke antiseptisch, leicht harntreibend und schleimlösend.

Weiter geht die Wanderung. Aus dem Zauberwald hinaus und an Häusern vorbei bis zu einer offenen Wiese. „Hier am Wegesrand würde ich nicht pflücken, denn hier laufen Hunde, und die Grundstücksbesitzer setzen Chemikalien gegen das Unkraut am Zaun ein“, bemerkt die Kräuterexpertin.

Auf der Wiese wachsen Veilchen und Löwenzahn. „Veilchen sind auch toll in Salaten oder als Ergänzung zu Suppen. Der Löwenzahn schmeckt würzig und gibt dem Gericht eine spannende Note“, führt Becker aus. Am Ende des Ausflugs liegen Gänseblümchen, Löwenzahn, Brennnesseln, Schafgarbe und Vogelmiere in ihrem Korb. „Daraus machen wird jetzt ein leckeres Wildkräuter-Pesto“, kündigt Becker an.

Gesagt, getan. Im Kräuterhaus Wilde Wiese packt die ehemalige Opelanerin Mörser und Schale aus. 20 Minuten später ist das Pesto schon fertig. Silke Becker füllt es mit Olivenöl verrührt in ein kleines Gläschen ab und dekoriert es mit einem handbeschriebenen Zutatenzettel. Echo-Mitarbeiterin Daniela Hamann darf probieren. Das Pesto schmeckt frisch, würzig und irgendwie nach Frühling. „Da ich keine Milchprodukte in dem Pesto verarbeitet haben, ist es jetzt gut eine Woche lang haltbar“, informiert Becker.

Nach 25 Jahren bei Opel, eröffnete Silke Becker vor vier Jahren ihren Laden, bildete sich als Gesundheitsberaterin und Heilpflanzenkundlerin fort und veranstaltete Kräuterführungen, Workshops und Seminare. Neben dem Wildkräuter-Pesto ist auch die Neunkräutersuppe eine bekannte Spezialität der Treburerin. „Es gibt eigentlich keinen Grund, teure Chia-Samen und Goij-Beeren zu kaufen“, sagt Silke Becker. „Denn wir haben das Superfood umsonst bei uns auf den Wiesen und in den Wäldern.“

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