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Eine mobile Heizölanlage versorgt die Siedlung Max-Beckmann-Weg momentan mit Energie.

Runder Tisch gefordert

Kraftwerk-Ausfall ruft Politik auf den Plan

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Nach dem Ausfall eines Blockheizkraftwerks ist die Siedlung Max-Beckmann-Weg momentan auf eine mobile Heizölanlage angewiesen. Nun kam es zu einem Gespräch mit Lokalpolitikern. Ein Anwohner setzte dabei ein Ultimatum.

Die eisigen Temperaturen passten zur Stimmung, die in der Siedlung Max-Beckmann-Weg herrscht. Nachdem das Blockheizkraftwerk aufgrund zweier explodierter Kessel fast eine Woche ausgefallen war, müssen die Menschen dort seit Donnerstag zwar nicht mehr frieren. Doch die mobile Ersatzanlage verbraucht hunderte Liter Heizöl – pro Tag.

Weil es mit dem Heizkraftwerk bereits in der Vergangenheit Probleme gab, streiten sich Bewohner des Viertels mit der zuständigen Firma, der Ried Wärme- und Haustechnik GmbH, bereits vor Gericht. Für eine Stellungnahme ist die Firma bislang nicht zu erreichen gewesen.

Unbeantwortete Fragen

Ihr Auftraggeber ist die Stadt. Dort scheinen die Probleme der Bewohner lange Zeit kein Gehör gefunden zu haben. Umweltdezernentin Marianne Flörsheimer (Linke / Liste Solidarität) jedenfalls konnte bei einem Besuch am Samstag die vielen Fragen von etwa 25 Bewohnern zur Zukunft der Energieversorgung dort nicht beantworten. „Was gab es an Mängeln, die nicht behoben wurden?“, wollte etwa Anwohner Horst Rößler wissen. Denn er vermutet, dass das Explodieren der beiden Kessel mit mangelnder Wartung zusammenhängt. Ein Gutachten bestätige zudem, dass er und seine Nachbarn in den vergangenen Jahren ein Fünftel zu viel für die Energieversorgung gezahlt hätten. Ob es dafür eine Entschädigung gibt, sei offen.

Umweltdezernentin Flörsheimer musste sich erst einmal einen Überblick über die Situation verschaffen. Immerhin aber kam Flörsheimer überhaupt. Laut Rößler hatte 2017 bereits der damalige Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) ein Treffen zugesagt. Seinen Nachfolger Udo Bausch (parteilos) interessiere das aber nicht. Flörsheimer versicherte, dass ihr nach dem Besuch am Samstag „einiges klarer geworden“ sei.

Fehlende Erfahrung

Begleitet wurde Flörsheimer vom Linken-Stadtverordneten Heinz-Jürgen Krug. Die von den Bewohnern vorgetragene Kritik bezeichnete er als einleuchtend. Krug sieht die Stadt als Auftraggeberin der Ried GmbH „voll in der Verantwortung“.

Als das Wohngebiet in den 1990er Jahren geplant wurde, setzte die Stadt auf Fernwärme. Besonders ökologisch sollte das sein. Dazu wurde im Keller der Kinderkrippe Arche ein Blockheizkraftwerk eingerichtet. Die Haushalte um den Max-Beckmann-Weg sind sogar vertraglich dazu verpflichtet, von dort Energie zu beziehen.

Die Probleme, die es immer wieder mit dem Kraftwerk gibt, rühren laut Joachim Walczuch (WsR) daher, dass dieses „überdimensioniert“ sei. Als Stadtverordneter nahm Walczuch am Samstag an dem Ortstermin teil. Als Immobilienmakler war er dort um die Jahrtausendwende tätig. Das Fernwärmekonzept befürwortet er. Doch benötigten die Häuser nicht so viel Energie wie dort produziert werde. Das liege zum einen daran, dass die Häuser ihrer Zeit qualitativ voraus gewesen seien, zum anderen hätten damals Erfahrungswerte gefehlt. Nun gelte es, dafür zu sorgen, alle an dem Thema beteiligten Parteien an einen Runden Tisch zu bringen.

Die Geduld der Anwohner diesbezüglich ist begrenzt. „Wir werden nicht wieder Wochen und Monate auf Antworten warten“, macht Horst Rößler deutlich. Bis Ende des Jahres erwarte er einen weiteren Gesprächstermin, andernfalls wolle er die Stadt verklagen.

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