Drei Beamte passen auf einen der Hauptverdächtigen auf dem Rücksitz auf, bevor er zur Vernehmung zur Staatsanwaltschaft gebracht wird.
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Drei Beamte passen auf einen der Hauptverdächtigen auf dem Rücksitz auf, bevor er zur Vernehmung zur Staatsanwaltschaft gebracht wird.

Zwei Rüsselsheimer Hauptverdächtige

Kriminelle Strippenzieher von Polizei verhaftet

  • vonRobin Göckes
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Schäden im Millionenhöhe soll eine Bande durch Schwarzarbeit und Steuerbetrug verursacht haben. Gestern schlugen die Ermittler bundesweit zu – auch in Rüsselsheim, wo zwei Hauptverdächtige wohnen. Das ECHO war dabei.

Um kurz vor 6 Uhr am Mittwochmorgen liegen die meisten Anwohner der Karlsbader Straße noch friedlich in den Federn, als zwei zivile Einsatzwagen die Straße in beiden Richtungen blockieren. Blaulicht taucht die Nachbarschaft in einen unwirklichen Schein, die ersten Vorhänge werden aufgezogen. Fast lautlos rücken die gepanzerten und maskierten Mitglieder des Sondereinsatzkommandos an. Dann geht alles ganz schnell.

Innerhalb von wenigen Minuten brechen sie mit einem Spreizwerkzeug die Tür eines unscheinbaren Wohnhauses mit gepflegtem Vorgarten auf und nehmen zwei Haupttatverdächtige fest, später wird in Rüsselsheim noch eine dritte Person festgenommen. Gegen 6.20 Uhr ist der Einsatz für die SEK-Spezialisten beendet, die Blockade der Straße wird aufgehoben, die Blaulichter gehen aus. „Es ist fast unheimlich, wie leise das alles vonstatten ging. Ich bin nur durch das Blaulicht aufgewacht“, berichtet ein Gast des Hotels in der direkten Nachbarschaft rund zwei Stunden später.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich die größte Aufregung rund um den Einsatzort schon wieder etwas gelegt. Die maskierten SEK-Beamten sind abgerückt, auch die Zollbeamten wirken deutlich entspannter, hier und da wird miteinander gescherzt. Wirklichen Widerstand bei den Verhaftungen gab es nicht. Trotzdem war es wohl gut, dass Zoll und Polizei die Spezialisten für solche Einsätze dabei hatten. „Das SEK ist immer dann mit dabei, wenn der Verdacht einer Bewaffnung besteht“, erklärt ein Polizeisprecher. In diesem Fall sei auf polizeiliche Anordnung ein Messer aus dem Fenster geworfen worden. Gänzlich unbegründet war der Verdacht der Bewaffnung also wohl nicht.

Die Aktion der „Sonderkommission Cumulus“, unter diesem Namen wurde seit Jahren ermittelt, in der Karlsbader Straße war ein Erfolg. In Rüsselsheim konnten zwei der Hauptverdächtigen festgenommen werden. Organisierte Kriminalität, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit im großen Stil – so lautet die Liste der Vorwürfe gegen eine kriminelle Bande, zu deren Strippenziehern die beiden Rüsselsheimer gehört haben sollen. Auch deren Frauen sind ins Visier geraten, wenn auch nicht als Hauptbeschuldigte. Eine der Frauen ist hochschwanger, weshalb vorsorglich ein Rettungswagen an dem Einsatz beteiligt war.

Nachdem die Beschuldigten in Einsatzfahrzeugen für eine Befragung und Vernehmung zur Staatsanwaltschaft nach Frankfurt gebracht wurden, hatten die Beamten vom Zoll die nötige Ruhe, um jeden Winkel des Wohnhauses der beiden Verdächtigen unter die Lupe zu nehmen. Spezialisten kümmerten sich um Computer, Festplatten und Speichersticks; ein Spürhund, abgerichtet auf das Auffinden von Bargeld, wurde durch die Räume geschickt. Durchsucht wurden auch die an einem Hof hinter dem Wohnhaus gelegenen Geschäftsräume der Beschuldigten. Nun müssen die Funde für den anstehenden Prozess ausgewertet werden.

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