So wie auf diesem Bild aus dem vergangenen März werden wahrscheinlich auch dieses Jahr die Mitglieder des Nabu einen mobilen Krötenzaun entlang der Stockstraße installieren. Sie wünschen sich allerdings eine feste Lösung. Fotos: MaRaike Stich
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So wie auf diesem Bild aus dem vergangenen März werden wahrscheinlich auch dieses Jahr die Mitglieder des Nabu einen mobilen Krötenzaun entlang der Stockstraße installieren. Sie wünschen sich allerdings eine feste Lösung. Fotos: MaRaike Stich

Naturschutz

Stockstraße in Rüsselsheim: Krötenzäune sorgen für Diskussionstoff

  • vonMareike Stich
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Der Naturschutzbeirat wünscht sich feste Vorrichtungen der Krötenzäune an der Stockstraße. Die Stadt und die Straßenbehörde machen mit. Das Forstamt stellt sich quer.

Rüsselsheim -Alle Jahre wieder im Frühling bietet sich vielerorts dasselbe traurige Bild. Totgefahrene Kröten, die auf dem Weg von ihrem üblichen Lebensraum zu ihrem Laichgewässer eine Straße zu überqueren versuchten. So auch in Rüsselsheim auf der Stockstraße. Diese verläuft teilweise zwischen dem Wald und dem Horlachgraben, der das Laichgewässer vieler im Wald lebender Kröten ist.

Deshalb baute der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in den vergangenen Jahren hier immer einen mobilen Krötenzaun auf. Dieser hindert die Tiere daran, ihrem inneren Kompass folgend, direkt auf die Straße zu springen. Stattdessen werden sie am Zaun entlang zu im Boden eingelassenen Eimern geleitet, in die sie hineinfallen.

Kröten erfordern viel Aufwand: Hessen Mobil wollte feste Lösung an der Stocktraße in Rüsselsheim

Die Eimer müssen in der betreffenden Zeit jeden Morgen von den Naturschützern kontrolliert werden. Die in den Eimern befindlichen Kröten werden dann auf die andere Seite getragen.

Das ist mit viel Aufwand und Einsatz verbunden. Deshalb haben sich die im Krötenschutz engagierten Bürger gefreut, als sich eine neue Lösung abzeichnete. Hessen Mobil, zuständig für das Straßen- und Verkehrsmanagement im Land, wollte einen festen Krötenzaun an der Stockstraße, als Ausgleichsmaßnahme für ein Straßenbauprojekt anderenorts, finanzieren.

Auch die Stadt Rüsselsheim habe diese Maßnahme befürwortet. Joachim Kaiser vom Naturschutzbeirat der Stadt hat sich in der Angelegenheit nun an diese Zeitung gewandt. Denn während Naturschutzbeirat, Stadt und Hessen Mobil sich einig seien, lehne das zuständige Forstamt in Groß-Gerau die Installation eines festen Krötenzauns ab.

Stockstraße in Rüsselsheim: Kröten sorgen für reichlich Diskussionsstoff

Ein solcher fester Krötenzaun besteht aus Röhren, die unter der Straße verlaufen, zu denen die Kröten mithilfe von Zäunen hingeleitet werden. So können die Kröten selbst die Straße unterqueren und die tägliche Kontrolle der Eimer entfällt. Üblicherweise werden diese Tunnel mit festen Zäunen kombiniert. Anders als die mobilen Zäune, die nur in der Phase der Krötenwanderung stehenbleiben und dann wieder abgebaut werden, bleiben diese Zäune beständig an Ort und Stelle.

Diese fest installierten Zäune sind der Grund für die Ablehnung durch das Forstamt. Forstamtsleiter Klaus Velbecker befürchtet Probleme bei der Forstwirtschaft. In einem Telefonat mit dieser Zeitung sagt er, dass die Holzzäune durch umstürzende oder planmäßig gefällte Bäume beschädigt werden könnten und dann mit großem Zeitaufwand repariert oder ersetzt werden müssten.

Stockstraße in Rüsselheim: Forstamt legt in puncto Krötenzaun Veto ein

Er verweist dabei auf Erfahrungen an anderen Stellen. Wie groß die finanzielle Belastung des Forstamts durch einen solchen Zaun wäre, konnte Velbecker jedoch nicht beziffern. Es gebe auch noch die Möglichkeit, einen weniger störanfälligen Metallzaun zu installieren, das lehnt Velbecker jedoch grundsätzlich ab. Ein mobiler Zaun hingegen sei die meiste Zeit des Jahres gar nicht da, und wenn doch, lasse sich dieser bei Arbeitseinsätzen im Wald problemlos bewegen. Deshalb sei für das Forstamt der mobile Zaun die favorisierte Lösung.

Für Kaiser ist die Sache klar: "Das Forstamt nimmt seinen Auftrag zum Naturschutz nicht wahr". Es sei traurig, dass sich in einem so wichtigen Bereich wie dem Naturschutz, die Behörden gegenseitig blockierten. Den finanziellen Schaden durch umgestürzte Bäume schätzt er als eher gering ein. Schließlich könne man einzelne Segmente austauschen und müsse nicht jedes mal den ganzen Zaun erneuern.

Für die diesjährige Krötenwanderung, die mit den ersten warmen Nächten beginnt, werde noch der mobile Zaun ausreichen müssen, sagt Joachim Kaiser. Für die Zukunft aber wünschten er und seine Mitstreiter sich ein Einlenken des Forstamts. Damit die Kröten dann endlich sicher über die Straße kommen. (Maraike Stich)

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