Die Entwicklung des Opel-Altwerks ist umstritten.
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Die Entwicklung des Opel-Altwerks ist umstritten.

Umfrage

Kultur als Triebfeder der Entwicklung

Am 6. März ist Kommunalwahl. Wir haben die Spitzenkandidaten der Listen, die sich zur Wahl stellen, gefragt, wie sich Rüsselsheim in den nächsten fünf Jahren entwickeln wird. Die Antworten präsentieren wir Ihnen, liebe Leser, in loser Reihe. Heute lesen Sie, wie sich die Kulturlandschaft entwickeln soll und wie es mit dem Opel-Altwerk weitergeht.

RÜSSELSHEIMER ECHO: Wie wird sich die Kulturlandschaft in Rüsselsheim im Jahr 2021 verändert haben, und wie wird das Opelaltwerk dann genutzt?

Thorsten Weber, CDU

Theater, Opelvillen, Museum, Vereine und eine Vielzahl an kulturellen Angeboten gilt es, in ihrer Vielfalt zu erhalten. Kulturelle Angebote müssen von religiösen klar getrennt werden. Der Eigenbetrieb Kultur 123 hat mit dem Theater eine überregionale Rolle, die er erfolgreich bedient. Es gilt allerdings, Optimierungen zu erreichen. Das große ehrenamtliche Engagement gilt es, weiter zu fördern. Der Rüsselsheimer Kultursommer soll erhalten werden, es muss aber eine neue Struktur der Förderrichtlinien sowie eine Definition der Ziele erarbeitet werden. Nicht jede Veranstaltung muss von der Stadt gefördert werden. Teile des Altwerks werden schon heute kulturell genutzt. Die Entwicklung muss zur Stadt passen und finanziert werden. Das können Kunst, Kultur, Wohnen und Einzelhandel Bausteine sein.

Sanaa Boukayeo, SPD

Im Jahr 2021 wird die Kultur noch mehr als heute der Ort sein, an dem sich Bürger aus allen sozialen Schichten, jeder Altersgruppe, jedem Bildungsstand und unterschiedlicher nationaler Herkunft begegnen können. Es wird politisch nicht bevormundet ,und es wurde der nötige Freiraum für Kulturtreibende geschaffen. Ferner werden Rüsselsheimer Alleinstellungsmerkmale besonders gefördert. Wir Sozialdemokraten bekennen uns zum Theater, denken aber, dass eine Neupositionierung sowie eine Öffnung für Kulturtreibende wünschenswert ist. Eine „kulturelle Bespielung“ des Opel-Altwerks durch die Stadt Rüsselsheim sollte 2021 nicht das Bild des Altwerks prägen. Kulturschaffende sind nicht die Lückenfüller eines gescheiterten Innenstadtkonzeptes.

Maria Schmitz-Henkes, Grüne

Die Rüsselsheimer Kulturlandschaft wird sich in den nächsten Jahren sicher weiterentwickeln. Die Vorgaben, die das Kulturprofil aufzeigt, werden nach und nach umgesetzt. Unsere kulturellen Institutionen werden sehr gut geführt und sollen sich autonom entwickeln können. Auch die hiesige freie Theaterszene ist eine Bereicherung. Wichtig ist uns, dass die Stadt und gerade unser Nachwuchs einen Mehrwert bekommen. Auch die Vereinslandschaft braucht Raum. Unser Ziel ist, das Altwerk gerade mit kulturellen Angeboten zu beleben und es somit zum Teil unserer Stadt werden zu lassen. Eine sinnvolle Entwicklung wird nur schrittweise möglich sein. Um das Altwerk aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken, muss ein langfristig ausgelegtes Entwicklungskonzept erarbeitet und umgesetzt werden.

Abdullah Sert, FDP

Es ist viel erreicht, wenn das kulturelle Angebot weitestgehend erhalten werden kann, eine Ausweitung ist kaum möglich. Es gilt, die nicht-städtischen kulturellen Initiativen zu stärken. Überhaupt sollte im kulturellen Bereich die Mitwirkung der Bürger auf ehrenamtlicher Basis viel stärker nachgesucht werden, das würde zu einer Bereicherung der Ideenvielfalt führen. Beim Opel-Altwerk handelt es sich um Privateigentum. Die Stadt muss mit dem Eigentümer kooperieren und städtische Interessen wahren. Die Nutzung sollte kleinteilig erfolgen und eine Mischung aus Handel und Gewerbe sowie Wohnen angestrebt werden.

Karl-Heinz Schneckenberger, Linke / Liste Solidarität

Wir werden gegen alle Versuche von CDU, Grünen und SPD, eine Haushaltskonsolidierung durch weitere Kürzungen im Kulturbereich herbeizuführen, kämpfen. Alle Bereiche von Kultur 123, Opelvillen und Jazzfabrik müssen erhalten bleiben und verstärkt unterstützt werden, ebenso wie das Rind und die anderen freien Initiativen. Der vordere Teil des Altwerks muss von der Stadt aufgekauft werden. Es ist eine Projektentwicklungsgesellschaft zu gründen, die die Planung und Vermarktung vorantreibt. Die Entwicklung muss kleinteilig, in Mischnutzung (Hotel, Jugendherberge, 30 Prozent Wohnungen, Einzelhandel, studentische Wohnformen, kulturelle Einrichtungen) und unter Erhalt der Bausubstanz, erfolgen.

Jürgen Jungbluth, Forum Neues Rüsselsheim

Die Frage kann nicht lauten, was wir uns leisten können, sondern was notwendig ist, um unserem Anspruch an eine attraktive Stadt zu genügen. Wir haben vielfältige und qualitativ hochwertige Angebote in der näheren Umgebung. Mit denen sollte Rüsselsheim nicht konkurrieren. Das könnten wir uns wirklich nicht leisten. Wir müssen ein Angebot offerieren, das die Menschen an anderer Stelle nicht bekommen. In diese Nischen sollten wir unsere Förderung stecken und in die Förderung junger Künstler. Sie garantieren die Zukunft der Kultur in Rüsselsheim. Dafür wäre das Altwerk ein sehr gut geeigneter Ort.

Mathias Flörsheimer, Alfa

Wenn der Trend anhält, zwingt die wirtschaftliche Situation die Stadt, ihren hochdefizitären Bereich Kultur 123 aufzulösen. Das Stadttheater würde verkauft werden. Das Rind müsste Konkurs gehen. Lediglich private Initiativen würden vereinzelt und kurzfristig aktiv. Solange Investoren fehlen und die Stadt hochverschuldet ist, kann das Altwerk nicht zu einer kulturellen Stätte ausgebaut werden. Voraussichtlich würde es unter der Regie der etablierten Parteien als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Alfa stellt ein Konzept zur Nutzung des Altwerks vor. Es sieht vor, studentisches Milieu anzusiedeln. Den Kristallisationskeim könnte eine Dependance der Hochschule mit einem Fachbereich Industriedesign bilden. Dieser Fachbereich müsste mit der Automobilindustrie verzahnt sein. Den Studierenden muss bezahlbarer Wohnraum in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stehen. Das kulturelle Milieu entsteht dann zwangsläufig durch die Bedürfnisse der Anwohner. Kultur 123 würde weitgehend überflüssig.

Achim Weidner, Liste Weidner

Wir sollten uns von der Fixierung auf eine nach innen gewandte spezifische Rüsselsheimer „Kulturlandschaft“ verabschieden. Alle hier geförderten „Kunstschaffenden“ sollten die ganze Welt vor Augen haben. Wir sollten auch unseren Kulturbegriff auf die Ingenieurswissenschaften erweitern, die durch die Hochschule in unserer Stadt auch eine intellektuelle Heimat finden muss. Die wichtigsten Institutionen sind das Stadttheater und die Stadtbibliothek. Inhaltlich gilt es, das Kulturprofil der Stadt fortzuschreiben und die dort beschriebenen Leuchttürme wie die Jazz-Fabrik am Leuchten zu halten. Das Altwerk sollte im Wesentlichen das bleiben, was es schon immer war: eine Produktions- und Denkstätte für Unternehmen. Wie wäre es mit einer Rüsselsheimer Dependance für die gemeinsamen China-Aktivitäten? Bevor wir uns aber in kulturpolitischen Altwerks-Träumen verlieren, muss die bauliche Zukunft des faktischen Jugendzentrums „Das Rind“ geklärt werden.

Erdal Koca, Liste 2016

Rüsselsheim ist eine multikulturelle Stadt. Diese Tatsache wollen wir auch bei Änderungen berücksichtigen, indem wir unseren Fokus auf die Interessen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen setzen. Vor der Kulturvielfalt sollen wir keine Angst haben. Unsere Aufgabe ist es, Veranstaltungen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anzubieten. Das Altwerk sollte ursprünglich zu einem Einkaufszentrum umgebaut werden. Die Planung war bereits sehr weit fortgeschritten. Mit nur wenigen Änderungen hätte dieses Projekt Überlebenschancen gehabt. Die neu gewählte Stadtverordnetenversammlung soll dieses wichtige Projekt erneut in den Vordergrund stellen und ins Programm aufnehmen. Wir als Liste 2016 sehen hier sehr großes Entwicklungspotenzial.

Joachim Walczuch, Wir sind Rüsselsheim

Die Rüsselsheimer Kulturlandschaft verändert sich seit 20 Jahren nicht. Auch die neu geschaffenen Positionen der Kultursteuerer haben keinerlei Veränderung gebracht. Ziel muss sein, eine breite Vielfalt zu erhalten, bei der einerseits lokale Kulturtreibende und die umliegenden Gemeinden eingebunden werden und andererseits Veranstaltungen und Kunst eingekauft werden. Besonders für Jugendliche sollten attraktive Veranstaltungen entwickelt und Locations angeboten werden, zum Beispiel eine Veranstaltungsreihe an einem möglichen „Main-Strand“. Schwieriger ist die Frage nach der Entwicklung des Altwerks zu beantworten. Hier wird die Verwaltung gefordert sein, Voraussetzungen für eine kleinteilige Entwicklung zu schaffen. Ein Mix aus Gewerbe, Büro und Wohnen kann eine gute Lösung sein. Allerdings liegt diese Entscheidung in den Händen der Eigentümer. Sicher sollte das Altwerk nicht – wie bei dem Karstadt-Gebäude geschehen – von der Gewobau gekauft und für die Investoren entwickelt werden.

Robert Adam-Frick, Freie Wähler

Auch in Zeiten knapper Kassen muss Kultur gefördert werden. Aus unserer Sicht ist es wichtig, eine Atmosphäre zu fördern, in der alle Bevölkerungsgruppen unserer Stadt an Kultur teilhaben können. Es müssen nicht immer die großen Events sein – vielmehr ist es wichtig, einen Freiraum zu schaffen, in den sich Kulturschaffende unserer Stadt einbringen können. Das Altwerk befindet sich in privater Hand, so dass die Einflussmöglichkeit hier gering ist. Wünschenswert wäre die Schaffung eines offenen Kulturzentrums sowie eines Werkmuseums im Altwerk.

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