+
Diese Flötenspielerin auf einem Kindergartengelände im Berliner Viertel ist nur eine von zahlreichen fast vergessenen Skulpturen, die in den vergangenen Jahren quer über die Stadt installiert wurden.

Denkmal-Register

Kunstförderung in Zeiten der Krise

Obwohl kein Geld da ist, wollen Politiker am geplanten Kunstkataster festhalten. Für die Umsetzung haben sie einen pfiffigen Vorschlag.

In Zeiten klammer Stadtkassen sind es häufig die Kunst und die Kultur, an denen gespart wird. Nun sind die Kassen in Rüsselsheim derzeit besonders klamm und die Auswirkungen längst spürbar: Wegen der fehlenden Haushaltsgenehmigung musste im vergangenen Jahr etwa die Bezuschussung kultureller Vereine und Projekte entfallen. Das ist schmerzhaft für viele Kulturtreibende der Stadt.

Doch signalisiert die Stadtpolitik nun, dass sie die Rüsselsheimer Kunst trotz der angespannten Situation nicht gänzlich im Regen stehen lassen möchte. Im vergangenen Jahr beschloss die Stadtverordnetenversammlung nach einem Vorschlag der SPD, ein Kataster aller öffentlichen Denkmäler und Kunstobjekte für Rüsselsheim zu erstellen.

Ziel dieses Projekts: „Die unterschiedlichen Kunst- und Erinnerungsorte in Rüsselsheim zu kartieren und die Ergebnisse der Kartierung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Die Kunst- und Stadtgeschichte soll durch dieses Vorhaben besser nachvollzogen und erlebbar gemacht werden. Und mit der Grundlagenrecherche für das Projekt, für die ursprünglich 5000 Euro veranschlagt wurden, hätte eigentlich auch schon begonnen werden sollen – wenn da eben nicht das Problem der vorläufigen Haushaltsführung wäre. Wie nun in einem Zwischenbericht an die Stadtverordneten zu lesen ist, pausiert das Projekt aus finanziellen Gründen derzeit.

Doch macht die Not auch Rüsselsheimer Stadtpolitiker erfinderisch, schließlich will man das Projekt so einfach nicht ad acta legen. Master-Studierende des Fachs „Kulturanthropologie / Volkskunde“ der Uni Mainz sollen in einer Kooperation unter Anleitung von Professor Michael Simon als Studienleistung die ersten Schritte der Kataster-Erarbeitung in die Wege leiten.

Die Studierenden sollen Zugang zum Stadtarchiv erhalten und mit einer wissenschaftlichen Dokumentation der Kunstwerke starten. Die Kooperation mit der Uni kostet die Stadt kein Geld. Doch gibt es tatsächlich bereits ein ähnlich intendiertes Projekt in der Stadt: Der Rüsselsheimer Fotograf Sam Khayari hat im Internet eine sogenannte Artmap erstellt, auf der Kunst im öffentlichen Raum, Denkmäler sowie historische Gebäude und Anlagen markiert und mit Informationen aus dem Stadtarchiv und Fotografien versehen sind. Rund 60 Einträge umfasst die Karte bereits, 15 neue Einträge kommen bald hinzu.

Das Projekt kommt bei den Rüsselsheimern gut an: „Viele Menschen beteiligen sich, schicken mir Bilder und Texte“, sagt Sam Khayari. Das Interesse sei groß, im Schnitt habe er täglich 350 Aufrufe, darunter auch Aufrufe aus Österreich und Amerika. Die Artmap ist intuitiv zu bedienen: Auf einer Stadtkarte sind die Denkmäler verzeichnet, klickt man auf eine Markierung, öffnet sich ein Fenster mit Fotografie und kleinem Info-Text. Die Texte sind alle überprüft und mit Schriften aus dem Stadtarchiv abgeglichen.

Von der Expertise und der Arbeit des Fotografen könnte bald auch das Kunstkataster profitieren. Die CDU brachte den Antrag ein, in dem sie vorschlägt, dass die Grundlagenrecherche der Studierenden auf der Internetseite von Sam Khayari gesichert werden solle. Zudem solle der Magistrat mit Sam Khayari über mögliche Anteilsrechte der Stadt an der Artmap verhandeln. Der Vorschlag stößt auch bei den anderen Rüsselsheimer Fraktionen auf Wohlwollen.

Und auch Sam Khayari ist begeistert: „Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut. Das ist eine klassische Win-Win-Situation“, sagt der Fotograf. Die Gespräche mit Mitgliedern von CDU und SPD seien bisher sehr gut gewesen. Alle Beteiligten seien sich sicher, dass es sich bei der Aktion um keine Eintagsfliege handeln soll. „Ich erhoffe mir Nachhaltigkeit – für das Projekt und die Stadt“, so der Fotograf. Die Mitarbeit der Studenten an der Artmap werde das Projekt wissenschaftlich weiter fundieren.

Erste Gespräche

mit Professor Michael Simon habe es bereits gegeben, auch der Kontakt zur Rüsselsheimer Kultursteuerung sei intensiviert worden: „Wir befinden uns gerade in ersten Gesprächen. Vertragliche Details kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht nennen“, sagt Sam Khayari.

Neben monetären Belangen müssen auch Rechte-Fragen behandelt werden. Und außerdem müsse ja auch erst einmal die Stadtverordnetenversammlung dem Vorschlag zustimmen. Sollte es dazu kommen, würden bereits im anstehenden Sommersemster die Studenten ihre Arbeit aufnehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare