Gesundheit

Kunststoffdeckel gegen Polio

Kinderlähmung, Polio, führt zu Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod. Der Verein „Deckel drauf“ sammelt Plastikdeckel für Impfungen. Die Stadt hat jetzt eine Sammelbox aufgestellt.

Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) hat ein paar Plastikdeckel mit ins Rathaus gebrachte. Rote, grüne, blaue und braune Deckel befinden sich in der Papiertragetasche. Zwei Wochen hat er die Kunststoffverschlüsse gesammelt. Rund 50 Stück kamen so zusammen. In der Mehrzahl sind es grüne Deckel, denn der Sozialdezernent bevorzugt Medium Mineralwasser.

Die Deckel möchte er jetzt entsorgen. Und zwar in der braunen Sammelbox mit der transparenten Front, die im Flur am Empfang des Rathauses am Marktplatz 4 steht. Ganz frisch aufgestellt. Denn die Stadt ist jetzt Sammelstelle für den Nürnberger Verein „Deckel drauf“. Der Verein wurde 2014 gegründet und nimmt Kunststoffdeckel von Ein- und Mehrwegflaschen sowie Getränkekartons, aber auch das Gelbe vom Überraschungsei entgegen und löst sie bei Recyclingunternehmen ein.

Mit dem Erlös werden Impfungen gegen Kinderlähmung, die Infektionskrankheit Poliomyelitis, kurz Polio, finanziert. Polio gelte in Deutschland als ausgerottet, heißt es auf der Homepage des Vereins. Weltweit trete sie noch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria auf. „Deckel drauf“ unterstützt mit dem Erlös das Projekt „End Polio Now“ des Clubs Rotary.

Die Stadt sei von dem Verein gefragt worden, ob sie eine Sammelstelle für die Kunststoffdeckel einrichten wolle, informiert Grieser. „Schaden kann das unter keinen Umständen“, betont er. Vom Verein kam indessen niemand zu der kleinen Präsentation der Sammelbox.

Mit rund 500 Deckeln werde eine Polio-Impfung finanziert, so Grieser. Ein einzelner Deckel wiegt rund zwei Gramm. Ein Kilogramm Material entspreche den Kosten für eine Polio-Impfung.

Warum wird die Sammelbox nicht draußen, vor dem Rathaus aufgestellt? Die Fassade des Rathauses steht unter Denkmalschutz. Es sei nicht möglich, einfach irgendetwas vor das Gebäude zu stellen, sagt Grieser.

Am Empfang sei die Frequenz gleichwohl groß genug, bestätigt Empfangsdame Tanja Beutner den Hinweis Griesers. Die Stadt wolle jetzt mal klein anfangen, vielleicht werde das Projekt noch ausgeweitet, sagt der Sozialdezernent.

Kreisweit gibt es weitere Sammelstellen: In Nauheim in der Weingartenstraße 45–50, in Trebur in der Herrngasse 3 und in der Dammstraße 8, in Büttelborn in der Mainzer Straße 13, in Riedstadt am Rathausplatz 1, in Stockstadt in der Rheinstraße 34–36, in Biebesheim in der Stockstädter Straße 29 und am Rathausplatz 1, in Gernsheim in der Robert-Kirchhoff-Straße 4, in der Pfungstädter Straße 3 sowie am Stadthausplatz 1.

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