TV Haßloch

Kurt Walter Wansel ist ein Pionier des Tennissports in Rüsselsheim

Tennis hatte in den 1970er Jahren den Anstrich des elitären Sports. Der TV Haßloch führte den weißen Sport als Breitensport ein.

Von den Anfängen zeugen heute nur grüne Matten. Auf ihnen feiert der TV Haßloch seine Feste. Sie verstecken die ersten Tennisplätze des Vereins. Sie wurden vor 40 Jahren im Oktober eingeweiht.

Vor 46 Jahren startete der neue Vorstand des TV Haßloch sein Projekt „Tennis für jedermann“. Kurt Walter Wansel erzählt die Geschichte, er wurde 1972 neues Vorstandsmitglied und ist als Architekt noch heute für die baulichen Anlagen zuständig. Der 80-Jährige blickt lebhaft und gesprächig in die Vergangenheit zurück. Die gelbe Filzkugel mit einem Schläger über das Netz zu schlagen, das war damals nur beim TC Rüsselsheim möglich.

Die Aufnahme in einen Tennisclub kostete Geld. Tennis war ein elitärer Sport, von Breitensport war damals noch keine Spur. 70 Prozent der Kleidung sollte weiß sein, auf dem Platz waren nur Hemden mit Kragen erlaubt, erinnert sich Wansel.

„Der Tennissport war zur damaligen Zeit mehr oder weniger nur einem gut verdienenden Klientel vorbehalten. Das sollte sich aber jeder leisten können“, erzählt Wansel.

Beim TV stand damals schon der Breitensport im Zentrum. Erwachsene und Kinder tummelten sich unter anderem in einer Fußball-, Leichtathletik-, Turn- und Volleyballabteilung. Eine Tennisabteilung zu gründen, war zunächst aber gar nicht das Ziel.

Wansel erhielt den Auftrag, die Idee, Tennissport für jeden Geldbeutel anzubieten, weiter zu verfolgen. Ihm stand übrigens Herrmann Prior, der Vorsitzende des Tennis Clubs, beratend zu Seite. Er habe das Tennisprojekt des TV nicht als Konkurrenz begriffen.

Der TV suchte den Kontakt zu den Stadtverordneten, Bürgermeister a. D. Karl-Heinz Storsberg habe dem Projekt stets offen gegenübergestanden. Die Stadtverordneten stimmten einer finanziellen Unterstützung zu. Der TV sollte zwei pflegeleichte Hartplätze mit Gummigranulat erhalten. Die Vereine TuS Rüsselsheim, TG Rüsselsheim, Rüsselsheimer Ruder-Klub und SKG Bauschheim sollten ebenfalls einbezogen werden.

Die Stadt ließ sich die beiden Tennisplätze 135 000 Mark kosten. Für die Infrastruktur musste der Verein selbst sorgen. 40 000 Mark und Muskelkraft stellte der TV für Umkleidekabinen und Sanitäranlagen bereit. Für die Tennisanlage musste der TV den vorhandenen Sportplatz verlegen. Was dem Verein gar nicht ungelegen kam, denn der Sandplatz konnte so mit einer Drainage versehen werden. Viele fleißige Hände packten damals mit an, berichtet Wansel.

Im Oktober 1978, also vor 40 Jahren, wurden die beiden Tennisplätze eingeweiht, und das Tennis für jedermann startete. Für acht Mark pro Platz und Stunde durfte die Bevölkerung dem Filzball hinterherjagen.

Der TV konnte sich vor Tennisspielern kaum retten. „Ganz Rüsselsheim wollte Tennis spielen“, erinnert sich Wansel lachend. Dem Verein lagen weit über 100 Anmeldungen aus den eigenen Reihen vor. Hinzu kamen noch zahlreiche Vereinsfremde, die Lust hatten, Tennis zu spielen.

Der TV war der erste Verein, der den Tennissport der breiten Bevölkerung zugänglich machte. Ein Jahr später zog die TuS, zwei Jahre später die TG nach.

Es war bei dieser Anzahl von Menschen und bei dieser Begeisterung nur eine Frage der Zeit, bis der TV eine Tennisabteilung gründete.

Im Mai 1979 war es so weit, 108 Mitglieder zählte die Tennisabteilung beim Start. Wansel wurde ihr stellvertretender Vorsitzender. Die Abteilung vergrößerte sich in den Folgejahren. 1980 und 1985 erweiterte der TV die Anlage jeweils um zwei Sandplätze. In diesen Jahren wuchs die Zahl der Mitglieder auf 300 an. „Das war ein Erfolgskonzept“, blickt Wansel zurück.

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