Mildes Urteil: Ein 62-jähriger Rüsselsheimer muss trotz Schuldspruchs nicht ins Gefängnis, sondern in ein psychiatrisch betreutes Wohnen. SymbolfOTO: dpa
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Mildes Urteil: Ein 62-jähriger Rüsselsheimer muss trotz Schuldspruchs nicht ins Gefängnis, sondern in ein psychiatrisch betreutes Wohnen. SymbolfOTO: dpa

Justiz

Landgericht verhängt mildes Urteil gegen 62-jährigen Rüsselsheimer

  • VonWalter Scheele
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Mann soll seine Haushälterin und seine ehemalige Lebensgefährtin schwer verletzt und bedroht haben. Ins Gefängnis muss er nicht. Das Gericht ordnete eine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt an.

Rüsselsheim -Nach zweieinhalb Monaten seit dem Prozessauftakt ist vor der 15. Großen Strafkammer am Landgericht Darmstadt gestern das Urteil gegen einen 62-jährigen Feinmechaniker aus Rüsselsheim gefallen. Im Zustand der Schuldunfähigkeit und eingeschränkter Einsichtsfähigkeit hatte er seine Haushälterin und seine ehemalige Lebensgefährtin teilweise schwer verletzt und bedroht.

Ins Gefängnis muss der geständige Mann dennoch nicht. Infolge einer schweren, seit 30 Jahren sein Leben belastenden bipolaren Geisteskrankheit, wurde eine zweijährige Haftstrafe ebenso wie die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik zur Bewährung ausgesetzt.

Vorsitzender Richter Daniel Kästing begründete dieses ungewöhnliche Urteil mit der besonderen Verhaltensweise des 62-Jährigen. Nicht nur, dass er sich um Schadensausgleich bemüht hatte, er ist in-zwischen von der psychiatrischen Klinik in Eltville so weit medikamentös eingestellt, dass von ihm "zunächst einmal keine Gefahr für seine Mitmenschen zu erwarten ist", sagte Kästing.

Damit sich an dieser Situation nichts ändern kann, zieht der Rüsselsheimer in eine von Fachleuten betreute Wohnung.

Er wird dort in den nächsten fünf Jahren sowohl einem Bewährungshelfer als auch Führungsaufsicht unterstehen. Damit soll sowohl sichergestellt werden, dass er seine Medikamente regelmäßig in den vorgeschriebenen Dosen einnimmt, als auch, dass die Krankheit nicht erneut ausbricht.

Die erneute Chance nutzen

Als freier Mann konnte der 62-Jährige den Gerichtssaal verlassen. Zwei Betreuerinnen der psychiatrischen Klinik Eltville bekundeten vor Gericht, sie hätten bereits alle persönlichen Sachen des frisch Verurteilten dabei. Sie brächten ihn vom Gericht aus in seine neue Wohnung, wo bereits auch seine Möbel stünden.

Der Rüsselsheimer werde dort ein neues Leben beginnen können, gab ihm Richter Daniel Kästing mit auf den Weg. Er solle seine erneute Chance dort nutzen und sich an die gerichtlichen Auflagen halten. Sonst müsse er damit rechnen, harte Sanktionen aus dem außergewöhnlichen Urteil zu erleiden.

Erfreulich für den Mann ist auch ein weiterer Aspekt. Seine von ihm körperlich attackierte langjährige Lebensgefährtin (65) hatte vor Gericht bekundet, trotz allem liebe sie den 62-Jährigen noch immer. "Ich habe ja sonst niemand", erklärte sie als Zeugin vor der 15. Strafkammer. Weinend sagte sie dem Gericht weiter: "Ich liebe ihn trotz allem immer noch. Ich werde ihn heiraten, wenn er seine Medikamente nimmt." Walter Scheele

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