Ausflug

Vom Landungssteg bis zum Altrhein

Viele Flurnamen Rüsselsheims zeigen, dass das Gebiet früher sehr feucht war. Harald Lehmann machte sich mit dem Fahrrad auf den Weg zu den alten Mainläufen.

Das war für Harald Lehmann von der Unteren Naturschutzbehörde und seinen Begleiter Mario Schuller, den Kreisvorsitzenden des ADFC, eine echte Herausforderung. Weil sich maximal 40 Leute an Lehmanns Spurensuche der alten Mainläufe beteiligen duften, hatte dieser schon im Vorfeld zehn Interessierten absagen müssen. So beliebt war das Angebot.

Dann kamen doch weitaus mehr Frauen und Männer zum Landungssteg. Ganz so einfach war es nicht, mit dieser Meute auf den Drahteseln bis nach Ginsheim zum Altrhein zu fahren. Bis auf eine abgesprungene Fahrradkette ging zwar alles gut, aber auch wenn ihn das große Interesse freute, kündigte Lehmann an, die Gruppe beim nächsten Mal auf 25 Teilnehmer begrenzen zu wollen.

Wer mochte es Fahrradfreunden und Heimatinteressierten jedoch verdenken, mit dem Rad bei herrlichem Herbstwetter über Felder und Wiesen die alten Mainläufe abzufahren?

Vor vier Wochen noch führte Lehmann die Pedalritter durch die Rüsselsheimer Stadtteile, vom Landungssteg nach Haßloch über Königstädten bis nach Bauschheim. Dabei erzählte er Wissenswertes über die Entwicklung der Stadt. Schon hier waren der Main und seine alten Arme das verbindende Element. Dieses Mal rückte der Verwaltungsmitarbeiter die alten Mainläufe in den Mittelpunkt. 20 Kilometer sollten die Fahrradfahrer zurücklegen: vom Leinreiter am Landungssteg über die Schrebergartenanlage, durch die Königstädter und Bauschheimer Felder bis zum Altrhein nach Ginsheim.

Eine gelungene dreistündige Fahrradtour mit historischem Hintergrund. Lehmann erzählte von Mainlandschaften, von Badewannenrändern, die seicht abfallen, von flachen und seitlichen Flutgräben und von Wasser, das im Wasserwerk Schönauer Hof nutzbar gemacht wird.

Stephan Kühnel und seine Lebensgefährtin Dominique Demmig brachten es auf den Punkt: „Man sieht die Gegend mit anderen Augen“, stellte Kühnel fest. „Ich wollte die Gegend mal aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen“, sagt Demmig. Namen wie Teufelsee, Rammsee und Böllensee zeugen davon, dass das Gebiet sehr feucht war. Namen wie Burggrafenlache, Lache Im Dörnich, Erslache und Lache Rothenstein erinnern an alte Mainläufe.

Am Schönauer Hof fördern die Mainzer Stadtwerke seit 1928 Wasser aus dem Boden. „Ansonsten wäre es hier sehr feucht“, meinte Lehmann. Auf den trockengelegten Flächen wurde zunächst Heu gemacht, als der Boden noch trockener wurde, nutzten die Bauern ihn für den Ackerbau. Acht bis neun Millionen Kubikmeter Wasser werden jährlich hier herausgezogen.

„Wir stehen am Mainufer“, stellte Lehmann in Bauschheim an der Brückelgasse/Höhe Im Dorfband schmunzelnd fest. Auf dem Kalkberg bauten die Menschen ihre Häuser. Bei einem Höhenunterschied von vier Metern ist es dort im Vergleich zur Senke des alten Mainlaufes geschützt und trocken – und somit sicher vor Überschwemmungen.

Die Hochwassertafel an der Scheune Rotensteinstraße informiert über solche Ereignisse. Brachen die Dämme, breitete sich das Wasser über die Altflussläufe aus. Das um den Bauschheimer Ortskern liegende Land wurde des Öfteren überflutet.

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